Die Katze, die von Büchern träumte

Autor: Sosuke Natsukawa
Aus dem Japanischen von Sabine Mangold

Versteckt in einer kleinen Gasse, die Wände gefüllt mit Holzregalen und vor allem jeder Menge Büchern: Das Antiquariat seines Großvaters ist der Ort, an dem Rintaro sich so wohl fühlt wie nirgends sonst. Der kleine Laden, vollgestopft mit kleinen und großen Schätzen aus Papier ist sein Zufluchtsort.

Als sein Großvater überraschend stirbt und Rintaro das Geschäft überlässt, igelt er sich dort ein und verbringt seine Zeit mit bedruckten Seiten. Zusammen mit seinen Held:innen (oder seien wir ehrlich: Helden) geht er auf Abenteuerreisen und flieht so vor seinem Schmerz. Die Schule meidet er hingegen, genau wie Menschen aus Fleisch und Blut.

So lange, bis plötzlich ein sprechender Kater in der Buchhandlung auftaucht und Rintaro um Hilfe bittet: Mit ihm zusammen soll er Bücher aus ihrer Gefangenschaft befreien. Dafür braucht es keine Held:innentaten mit Schwert und Schild, sondern vor allem jede Menge Überzeugungsarbeit. Denn Rintaro wird mit Menschen konfrontiert, die in Büchern etwas ganz anderes sehen als er – schmückende Federn oder prall gefüllte Konten etwa. Doch nur, wenn er sie überzeugen kann, hat er die Möglichkeit zu seinem geliebten Antiquariat zurückzukehren. Und da spielt sich noch ein ganz anderes Abenteuer ab, denn ganz so alleine, wie er zunächst dachte, ist Rintaro bei weitem nicht.

Meine Meinung
Angelockt von Vergleichen mit „Momo“ und „Der kleine Prinz“ habe ich mich auf eine schöne Geschichte mit literarischen Querverweisen gefreut. Leider konnte „Die Katze, die von Büchern träumte“ mich nicht komplett überzeugen.

Rintaro ist eine eher träge Hauptfigur, was ich ihm anfänglich aufgrund der Trauer noch vergeben habe, ab einem bestimmten Punkt fand ich die Darstellung seines Seelenlebens dann aber doch etwas eintönig. Die anderen Figuren werden kaum vorgestellt und kommen nur am Rande vor. Auch über den Großvater, scheinbar eine der wichtigsten Bezugspersonen des Protagonisten, erfährt man als Leserin lediglich, dass er eine Vorliebe für Tee hatte. Dass darüber hinaus fast alle wichtigen und belesenen Charaktere männlich sind, fand ich etwas schade.

Und natürlich die Katze: Ein sprechender Kater ist dann ja doch eher ungewöhnlich, hier hätte ich mir gewünscht, dass der Autor stärker auf die Hintergründe eingeht und die sich so auftuenden Möglichkeiten nutzt. Generell hätte ich mir ein bisschen mehr (Sprach-)Witz gewünscht. Eine sprechende Katze und ein Antiquariat voller Bücher, das kurz vor dem Ruin steht, bieten in meinen Augen Potential, das hier nicht ausgeschöpft wurde. Zugutehalten würde ich dem Buch die schönen Botschaften, in denen sich wohl einige Literaturliebhaber:innen wiederfinden, auch wenn sie mir hier und da etwas zu platt waren.

Erschienen bei C. Bertelsmann

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Autorin / Autor: Johanna94 - Stand: 1. Dezember 2022