Die Gefangene von Golvahar

Autorin: Melissa Bashardoust
Übersetzt von Marie Graßhoff

Soraya, die Zwillingsschwester des jungen Schahs, führt ganz und gar nicht das Leben einer Prinzessin im prunkvollen Palast. Wie eine Gefangene muss sie sich versteckt halten und bewegt sich ausschließlich durch verborgene Zimmer, Türen und Gänge. Nur so kann sie ihr tödliches Geheimnis verbergen – denn von Soraya geht eine große Gefahr aus. Jeder, der von ihr berührt wird, stirbt durch das Gift, das durch ihre Adern fließt. Doch als sie Azad kennenlernt, verspürt sie den starken Wunsch, ihn zu berühren. Den Fluch des Dämonen kann sie nicht brechen, denn sie würde damit ihre Familie, das Volk und sich selbst in große Gefahr bringen. Oder gibt es da vielleicht doch einen Weg?

Meine Meinung
Soraya ist die Hauptperson in dieser märchenhaften Fantasygeschichte. Azad, sowie auch Parvaneh, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Soraya hat es nicht leicht mit ihrem Schicksal. Anfangs ist sie zurückhaltend, verängstigt. Im Laufe der Geschichte wird sie mutiger, selbstbewusster und entschlossener in ihrer Handlungsweise. Auf der Suche nach etwas, das ihren Fluch brechen könnte, lernt sie Azad und Parvaneh kennen. Bei Azad fühlt Soraya sich geborgen und verstanden, denn auch er hatte keine leichte Kindheit. Er kam mir in seiner menschlichen sowie in seiner Dämonengestalt Soraya gegenüber aufrichtig und zuvorkommend vor. Er wollte ihr nie etwas antun, sondern nur das zurückhaben, von dem er glaubte, dass es ihm gehörte.

Bei Parvaneh wusste man anfangs nicht, was ihre wahren Absichten gegenüber Soraya waren. Denn sie ist eine Diw, und durch eine Diw wurde Soraya verflucht. Dennoch erweist sie sich als große Hilfe für Soraya. Je länger Soraya mit ihr zusammen ist, umso stärker entwickelt sie Gefühle ihr gegenüber, von denen sie nie geglaubt hätte, sie empfinden zu können. Zu den Nebencharakteren gehören: Sorayas Bruder Sorusch, der Soraya seit der Krönung zum Schah kaum noch Beachtung schenkt, Laleh, einst Sorayas beste Freundin, die sich immer mehr von ihr abgewandt hat, und Tahmine, ihre Mutter. Sie tat mir schon etwas leid – warum, das findet ihr beim Lesen besser selbst heraus.

Melissa Bashardousts Geschichte hat mich so in den Bann gezogen, dass ich das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen wollte. Man erfährt, dass sie durch das Schreiben dieser Geschichte auch ihren eigenen Wurzeln näherkam und sie besser verstand. Die Geschichte spielt im persischen Reich, in der Zeit des sassanidischen Zeitalters (um 224-651). Zu Beginn jedes Kapitels und auf dem Cover sind Blumen abgebildet. Nur schade, dass diese Blumen eher wie Mohnblüten aussehen und nicht wie Rosen. Denn Soraya liebt ihren eigens angelegten Rosengarten, da diese Pflanzen als einzige immun gegen ihr Gift sind. Soraya kam mir für das beschriebene Jahrhundert zu neumodern gekleidet vor. Ich hätte sie mir eher wie Jasmin von Aladdin vorgestellt. Der Schreibstil ist flüssig, die Kapitel etwas lang gehalten, was aber nötig ist, sonst versteht man die Handlung nicht. Was ich sehr schön fand, war dass die Autorin die Geschichte mit einem Prolog anfängt, in dem Tahmine Soraya erzählt, was es mit dem Fluch auf sich hat. Sie beginnt wie bei allen Märchen mit den Worten „Es war einmal…“.

Am Ende gibt es eine Anmerkung der Autorin, bei der sie verschiedene Begriffe genauer beschreibt. Auch gibt es einen Literaturverweis für diejenigen, die sich gern mehr über Persien und seine Königreiche informieren möchten. Das hat mir sehr gut gefallen, weil man das so heutzutage nur noch selten findet. Ich wurde von dieser Geschichte nicht enttäuscht, im Gegenteil. Ich hätte mich sogar auf eine Fortsetzung gefreut.

Fazit
Die Autorin Melissa Bashardoust reist in ihrem Buch „Die Gefangene von Golvahar“ mit uns durch das persische Reich. Wir lernen Soraya und ihr Schicksal kennen, erleben, wie sie neue Freunde, aber auch Feinde kennenlernt, und wie sie es am Ende schafft, eine Heldin zu werden. Ich kann diesen wunderschönen Roman sehr gerne weiterempfehlen. Er bekommt von mir 5 von 5 Sternen.

Erschienen im Thielemann Verlag

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Autorin / Autor: Sarah15 - Stand: 3. September 2020