Die fünf Gaben (Valenias Töchter 1)

Autorin: Rebecca Ross
übersetzt von Anne Brauner, Susann Friedrich

„Die fünf Gaben“ von Rebecca Ross spielt in zwei sehr gegensätzlichen Ländern, Valenia und Maevena. Während Valenia sehr sittsam und gebildet ist, wird Maevena von einem Tyrannen regiert und gilt als wild und brutal. Brienna, der Hauptcharakter des Buchs, gehört beiden Ländern an, da ihr unbekannter Vater aus Maevena stammt. In Valenia wird sie zu einer Berufenen ausgebildet. Diese Berufenen sind Meister einer bestimmten Gabe, in Briennas Fall ist das Wissen. Wegen ihrer mysteriösen Herkunft wird Brienna von einem Gönner aus Maevena erwählt, dem sie helfen soll, den dortigen König zu stürzen.

Das Buch liest sich sehr flüssig und ist in einem angenehmen Sprachstil geschrieben. Auch wenn gerade nicht sehr viel passiert, bleibt die Geschichte so spannend.
Der Anfang des Buches dient vor allem dazu, in die Welt und in ihre Sitten und Gebräuche einzutauchen. Obwohl recht wenig passiert, ist es interessant, den Alltag von Brienna und ihren Ardenschwestern mitzuerleben. Nach etwa 100 Seiten wird die Erzählung zwar etwas zäh, doch spätestens nach 50 Seiten zieht das Erzähltempo wieder merklich an.

Der eher ruhigere Einstieg ist sehr wichtig, da die beiden Länder und ihre Kultur im Buch eine große Rolle spielen. Die ausgeklügelte Welt, in der Brienna lebt, ist sehr detailreich beschrieben und wirkt sehr lebendig. Oftmals sind es kleine Nebensätze, die entscheidend zur Detailfülle des Buches beitragen.
Die Nationalität ist für die Charaktere in „Die fünf Gaben“ sehr prägend und bestimmt mit über besondere Eigenschaften. Das ist zu Beginn des Buches sehr ungewohnt sodass man als Leser eine Weile braucht, um dieses Konzept zu verstehen.
Auch Brienna, die Ich-Erzählerin des Buches, zeichnet sich durch persönliche Charaktereigenschaften aus und durch solche, die einem Land zuzuordnen sind. Sie ist wissensdurstig und hat einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der für die Handlung eine große Rolle spielt. Durch ihre Herkunft aus zwei verschiedenen Ländern ist sie innerlich sehr zerrissen, obwohl sie das Herkunftsland ihres Vaters, Maevena, noch nie zuvor betreten hat.
Leider lässt sich ihre Entscheidung, nach Maevena zu reisen und den König zu stürzen nur schwer nachvollziehen. Obwohl sie zum Teil Bürgerin dieses Landes ist, hat sie es noch nie zuvor betreten und hat durch Verwandte keine enge Bindung an das Königreich im Norden.
Da ihre Entscheidung jedoch gut in die Gesamtstruktur des Buches passt, stört es nur unmerklich, dass sie nicht ganz logisch zu sein scheint.
Was an „Die fünf Gaben“ wirklich stört, sind einige sehr kitschige und auch sehr in die Länge gezogenen Szenen zwischen Brienna und ihrem Master Cartier. Bereits nach den ersten Seiten wird klar, dass die beiden romantische Gefühle für einander hegen. Glücklicherweise ist die Liebesgeschichte nur eine Nebenhandlung und spielt während des spannenden Hauptteils kaum eine Rolle.
Besonders hervor sticht außerdem das Buch selbst. Nicht nur das Schutzcover, sondern auch der Einband sind sehr hochwertig und wunderschön.
Trotz einiger kleiner Makel ist „Die fünf Gaben“ ein spannendes und unterhaltsames Buch, das liebevoll gezeichnete Charaktere hat und sich schnell und flüssig lesen lässt.


Erschienen bei Carlsen

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Autorin / Autor: imber - Stand: 9. April 2018