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Autor: Arno Strobel

Als Hendrik eines Morgens von seinem Einsatz im Krankenhaus zurück kommt ist seine Verlobte unauffindbar, für die Polizei ist sofort klar, sie ist aus freien Stücken gegangen. Es gibt keine Einbruchsspuren und es fehlen sowohl ihr Koffer als auch Klamotten. Hendrik will das nicht glauben und als dann auch noch sein Smart-Home-System ein Eigenleben zu entwickeln scheint, sieht er seine Zweifel immer mehr bestätigt.

Die Idee und auch der schnelle Einstieg in die Geschichte machen einen wirklich sehr neugierig und man möchte das Buch fast gar nicht mehr aus der Hand legen. Was mich allerdings recht schnell gestört, fast schon genervt hat, war, dass die Ermittlungen allesamt auf instabilen Vermutungen basieren, die bis kurz vor Schluss eigentlich gar nicht wirklich voran kommen. Es wurde sich viel zu schnell auf Fakten eingeschossen, sodass Teile der Auflösung recht schnell durchschaubar wurden.

Dadurch kam für meinen Geschmack auch zu wenig Spannung auf, hin und wieder waren wirklich gruselige Ansätze erkennbar, die meistens aber leider viel zu schnell wieder fallen gelassen wurden. An der Stelle hätte man meiner Meinung nach einige Szenen und vor allem Gefühle/Wahrnehmungen noch weiter ausführen können.

Das finde ich sehr schade, denn die Grundidee, jemanden über eine solche Vernetzung in jeder Lebenslage ausspionieren zu können und wie das ganze umgesetzt wurde (unkontrolliertes Ein- und Ausschalten), hat mir verdammt gut gefallen.

Sehr gut gefallen hat mir dann aber die Auflösung, mit der ich so überhaupt nicht gerechnet habe – überhaupt nicht rechnen konnte. Zu diesem Thema habe ich bisher noch kein anderes Buch gelesen und finde sie hier passend und interessant eingebracht. (Was es ist kann/darf ich an der Stelle nicht sagen, darauf hat der Autor extra ausdrücklich hingewiesen; das wäre zu sehr gespoilert).

Arno schreibt in einem sehr angenehm lesbaren Stil. Zwischen die vielen kurzen Kapitel schiebt er immer wieder solche, die aus der Sicht, eines der Opfer erzählt wird. Diese Kapitel waren meiner Meinung nach mitunter das Beste am Buch, da sie viel Spannung und Aufregung rein gebracht haben.

Die Idee und die Auflösung waren also wirklich klasse, nur die Umsetzung ließ an einigen wenigen Stellen noch ein klein wenig zu Wünschen übrig.
Wer also kein Problem mit einem solchen „Hobby-Ermittlerteam“ hat, dem kann ich das Buch empfehlen.

Erschienen bei Fischer

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Autorin / Autor: Paula - Stand: 5. Oktober 2020