Die Angst der Frauen

Uni-Studie: Frauen erleben fast doppelt so häufig Angst wie Männer


Angst hat viele Gesichter: die Furcht zu versagen, Angst vor der Zukunft oder das Unbehagen, sich in Menschenmengen zu begeben oder vor ihnen zu sprechen. Angststörungen gehören zu den weit verbreitetsten psychischen Störungen, unter denen Menschen in der westlichen Welt leiden. Und Frauen erleben solche Ängste fast doppelt so häufig wie Männer, das ergab jetzt eine Vergleichsstudie der bestehenden wissenschaftlichen Literatur, die von der University of Cambridge durchgeführt wurde. Die Studie fand auch heraus, dass Menschen aus Westeuropa und Nordamerika eher unter Angstattacken leiden als Menschen aus anderen Kulturen.

Angststörungen stellen laut den Studienautor_innen oft eine doppelte Belastung dar für Menschen, die auch andere gesundheitliche Probleme wie Herzerkrankungen und Krebs haben oder schwangere Frauen. In der Europäischen Union haben mehr als 60 Millionen Menschen etwa einmal im Jahr eine Angststörung, die sich entweder als übermäßige Sorge oder in der Tendenz ausdrückt, potenziell belastende Situationen und Menschengruppen zu meiden.

Die Forscher des Cambridge Instituts für öffentliche Gesundheit nahmen sich eine Fülle von weltweiten Studien vor, die sich mit Angststörungen und den betroffenen Risiko-Gruppen beschäftigten. Aus über 1.200 Studien suchten die Forscher 48 aus, die sie in ihre engere Auswahl einbezogen. Dabei stießen sie auf interessante Fakten: Zeitlich gesehen blieb der Gesamtanteil der betroffenen Menschen zwischen 1990 und 2010 weitgehend unverändert: etwa vier von 100 waren von Angstperioden betroffen. Doppelt so oft (fast 8 von 100) von Angst geplagt war übrigens die Bevölkerung in Nordamerika. Am wenigsten damit zu tun hatten Menschen in Ostasien - von ihnen hatten weniger als drei Prozent solche psychischen Probleme.

Am wenigsten erstaunlich ist wohl, dass Frauen fast doppelt so häufig wie Männer betroffen sind; aber auch junge Menschen - sowohl männliche als auch weibliche - unter 35 Jahren sind überproportional von Angststörungen geplagt. Angstbegünstigend wirkt sich aus, wenn Menschen chronisch krank sind; 10 Prozent der am Herzkreislaufsystem Erkrankten in westlichen Ländern haben auch eine Angststörung. Auch hier sind Frauen wieder häufiger betroffen als Männer.

"Angststörungen können das Leben extrem schwierig machen für manche Menschen, und es ist wichtig zu verstehen, wie oft sie vorkommen und welche Gruppen am stärksten gefährdet sind, damit wir das Gesundheitssystem daran anpassen können", erklärte Studienautorin Olivia Remes.

Schwangere Frauen leiden öfter unter Zwangsstörungen
Zwangsstörungen (englisch: obsessive-compulsive disorder bzw. OCD) sind Angststörungen, die durch Wahnvorstellungen und Zwänge gekennzeichnet sind. Die darunter Leidenden verspüren oft einen inneren Drang, bestimmte Dinge zu denken und/oder zu tun. Normalerweise tritt eine solche Krankheit nur bei einem Prozent der Bevölkerung auf, bei Schwangeren und kurz nach der Entbindung erhöht sich dieser Wert aber auf das Doppelte.

Allerdings fiel den Forscher_innen auch auf, dass es über gesellschaftliche Randgruppen wie indigene Kulturen in Nordamerika, Australien und Neuseeland, Drogenkonsument_innen, Straßenkinder oder Sexarbeiterinnen wenig verlässliche Studien gibt. Angststörungen seien auch ein wichtiges Thema unter Homo- und Bisexuellen, aber auch hier gäbe es noch zu wenig Studien. "Angststörungen beeinflussen viele Menschen und können zu Behinderungen und Suizidrisiken führen. Obwohl es viele Studien zu diesem Thema gibt, weist die Forschung doch noch erhebliche Lücken auf", sagt Dr. Louise Lafortune, vom Cambridge Institute.

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Autorin / Autor: Redkation/ Pressemitteilung - Stand: 7. Juni 2016