Das Buch der 1269 Wünsche

Autor: Fedor de Beer

Buchcover

In dem Roman „Das Buch der 1269 Wünsche“ von Fedor de Beer geht es um die 13-jährige Marit, die nach dem Tod ihrer Oma Johanna auf ein gut gehütetes Familiengeheimnis stößt. Hierbei reicht die Geschichte Ihrer Oma bis ins Jahr 1943 und erklärt so manch merkwürdiges Verhalten von ihr.
Marit ist ziemlich sauer auf Ihre Mutter Eva, weil diese nie für sie da ist. Ständig gibt sie als bekannte Violinistin Konzerte auf aller Welt und möchte gar nicht so viel mit ihrer Familie zu tun haben. Selbst bei der Beerdigung ihrer eigenen Mutter Johanna kommt sie zu spät und geht auch gleich wieder. Eigentlich hat sie aber viel mit Johanna gemeinsam, denn auch die war aufgrund ihrer vielen Reisen beinahe nie zu Hause. Nur Hendrikje, Marits Urgroßmutter, ist immer da und an ihrer Seite. Doch mit dem Tod von Johanna erfährt Marit, wie das merkwürdige Verhalten von dieser erklärt werden kann. Die Geschichte ihrer Oma geht bis ins Jahr 1943 und daher dem Holocaust in den Niederlanden. Mit der Hilfe von drei Geistern, den Geistern der zwei Schwestern von Johanna und dem Geist des einen Bruders von Johanna, erfährt Marit, dass ihre Oma eigentlich Rachel hieß, aus einer jüdischen Familie stammte und im Alter von drei Monaten mit anderen 1269 Kindern ermordet werden sollte. Durch glückliche Zufälle entfloh sie dem grausamen Tod in einer Gaskammer und Hendrikje nahm sich dieser an. Marits Oma konnte diese Kinder aber nie vergessen, sodass sie anfing, jeden Wunsch eines Kindes zu erfüllen: Johanna fing an, das Leben von 1269 Kindern zu leben, wobei sie ihr eigenes vergaß. Mit der Aufklärung dieses Geheimnisses nimmt auch das Leben der gesamten Familie schließlich eine positive Wendung.

Mit diesem Roman ist Fedor de Beer ein kleines rührendes Meisterwerk gelungen. Einfühlsam erzählt er über die Verbrechen an den Juden im Dritten Reich. Wie grausam die Nationalsozialisten damals vorgingen, kann nicht oft genug wiederholt werden. Ihr Vernichtungswahn machte nicht einmal vor kleinen unschuldigen Kindern Halt. An eine Flucht war damals nur schwer oder gar nicht zu denken. Trotz dieses traurigen und finsteren Kapitel der Geschichte, lässt de Beer auch Hoffnung erscheinen, denn es ist im Roman einem Kind gelungen zu überleben und dieses Kind hat sich vorgenommen, etwas gegen das Vergessen dieser toten Kinder zu tun, indem sie deren Wünsche versuchte zu leben. Es ruft uns also ins Gedächtnis, wie wichtig es ist, gegen das Vergessen zu arbeiten, denn erst wenn ein Mensch vergessen ist, ist er tot. Besonders in Zeiten eines verstärkten Nationalismus sollten Romane dieser Art gelesen werden, denn ein Vergessen der Verbrechen des Dritten Reiches ist eine Akzeptanz des Nationalsozialismus. Fedor de Beer hat mit dem Roman „Das Buch der 1269 Wünsche“ ein klares Zeichen gegen das Vergessen und den Nationalsozialismus gesetzt.


Erschienen bei dtv junior

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    Autorin / Autor: Yasemin Yenilmez - Stand: 6. Januar 2017