Coole Mobber?

Studie: Steigern Lästern und Aggression das Ansehen in der Klasse?

Dass Mobbing nichts Cooles ist, sondern von Kleingeistigkeit und Aggressivität zeugt, muss nicht extra erwähnt werden. Umso erstaunlicher ist, dass mobbende Jugendliche von anderen offenbar als "cool" wahrgenommen werden. Zumindest gilt das für die Mittelstufen-Schülerinnen, die von US-amerikanischen ForscherInnen im Rahmen einer Studie interviewt wurden. PsychologInnen der University of California befragten 1.895 Schülerinnen und Schüler der siebten und achten Stufe aus 99 Klassen von 11 Mittelschulen in Los Angeles. Alle SchülerInnen wurden zu drei verschiedenen Zeitpunkten befragt wen sie in ihrer Klasse als "cool" bewerteten, wer am ehesten Kämpfe anfing und andere herumschubste und wer am häufigsten hässliche Gerüchte über andere verbreitete. Dabei ergab sich, dass die, die in der ersten Befragung als besonders aggressiv eingestuft wurden, in der nächsten Befragungen häufig als cool betrachtet wurden. Umgekehrt erwiesen sich die in der ersten Befragung "Coolsten" in den nächsten Befragungen häufiger als besonders aggressive oder lästernde Schüler oder Schülerinnen.

Respekt fürs Mobben?
Den ForscherInnen zufolge zeigen die Ergebnisse, dass Lästern und Aggression von den MitschülerInnen offenbar mit größerem Respekt belohnt werden. Es wird außerdem deutlich, dass beide Interpretationen des Zusammenhangs zwischen Mobbing und Ansehen ihre Gültigkeit haben: wer cool ist, mobbt häufiger. Wer häufig mobbt, wird als cooler angesehen. Die Form der Aggression spielt dabei offenbar keine Rolle: ob Mädchen oder Junge, sowohl Handgreiflichkeiten als auch hinterlistige Lästereien taten ihre Wirkung bei den MitschülerInnen.

Die ForscherInnen fordern angesichts dieser eigentlich sehr traurigen Ergebnisse, dass Kampagnen gegen Mobbing gut durchdacht werden müssen. Eine einfache Botschaft wie "Mobbing wird nicht toleriert" sei wahrscheinlich wenig erfolgreich, wenn Mobbing dem Einzelnen zu sozialem Ansehen und Respekt in der Klasse verhelfe. Vielmehr müssten Anti-Mobbing-Kampagnen mehr Augenmerk auf die sogenannten "Bystanders" (Zuschauer) richten. Sie spielen eine entscheidende Rolle, indem sie Mobbing ermutigen und beklatschen oder ablehnen. Sie müssten mehr über den Schaden informiert werden, den Mobbing anrichtet. Sie haben letztlich die Macht, dem Mobber die soziale Anerkennung zu verweigern und damit Mobbing aktiv entgegenzutreten.

Alles Affen!
Wenn ihr jetzt entsetzt seid, wie es sein kann, dass Teenager an Ansehen gewinnen, indem sie andere auf die fieseste Weise fertig machen, dann erinnert euch daran, dass der Mensch manchmal eben doch nicht so weit vom Tier entfernt ist, wie er immer gerne von sich glaubt. Auch unter Primaten verbessert der seine Position in der Gruppe, der aggressiv vorgeht. Die Gerüchteküche hingegen ist eine Form der Aggression, die ganz alleine dem Menschen gehört. Ihr kann man aber gut entgegentreten, wenn man ihre giftigen Ausläufer einfach nicht weiterträgt.

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Lies die englischsprachige Pressemitteilung auf der Uni-Seite

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 28. Januar 2013
 
 
 

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