Am Ende des Regenwaldes

Autorin: Marion Achard
Aus dem Französischen von Anna Taube

Daboka lebt mit ihrem Stamm friedlich in den Tiefen des Regenwalds, bis sie auf dem Weg zu ihren Verwandten ungewöhnliche Phänomene beobachtet: Ein blau-schwarzes Band, das den Regenwald durchschneidet, stinkende Maschinen und brüllende Männer. Bei einem darauffolgenden Massaker werden alle ermordet. Nur Daboka und ihre kleine Schwester überleben durch einen glücklichen Zufall, werden aber in Dörfer außerhalb des Regenwalds verschleppt. Ihre kleine Schwester beginnt sich der neuen Situation anzupassen. Aber Daboka wird nicht aufhören zu kämpfen, um den Regenwald zu retten.

In ihrem Buch „Am Ende des Regenwalds“ befasst sich die französische Autorin Marion Achard mit einem wichtigen Thema, das aber viel zu selten zur Sprache kommt. Mit Dabokas Geschichte lenkt sie die Aufmerksamkeit nicht nur auf die drohende Zerstörung des Regenwalds, sondern auch auf die menschlichen Opfer, die diese mit sich bringt. Es ist Dabokas Heimat, in der sie friedlich im Einklang mit der Natur lebt, die auf dem Spiel steht.

Innerhalb der ersten Seiten wird klar, dass sich die Autorin viel mit ihrem Thema auseinandergesetzt und auch Recherchen nicht gescheut hat. Durch die Beschreibung der Festvorbereitungen mit Früchten vom „Annatto-Strauch“ oder von „Jenipapo-Saft“ als Tattoo-Farben schafft sie gleichermaßen ein stimmiges wie auch ein exotisches Bild der anderen Kultur. In keinem Moment bricht sie aus dieser aus. Durch Dabokas Augen, die nie etwas anderes gesehen haben, sieht man auch unsere Kultur in einem ganz anderen Licht.

Hinzu kommt das verwendete Spanisch in der wörtlichen Rede. Marion Achard verzichtet darauf, die wörtliche Rede der Ecuadorianer ins Französische zu übersetzen, sondern lässt diese in ihrem Original-Wortlaut stehen. Dadurch erfährt der Großteil der Leser das gleiche wie Daboka: Er versteht nicht, was die Fremden sagen und ist genauso fremd in ihrer eigentlich ähnlichen Kultur.
Leider sind an dieser Stelle die Satzstrukturen und auch die Wörter oft recht einfach gewählt. Spricht man Spanisch, büßt das Buch an dieser Stelle an Glaubwürdigkeit ein, da der Ausdruck nicht zu den Sprechern passt.

Ebenfalls weniger gefallen hat mir Marion Achards Schreibstil. An vielen Stellen schafft sie es, ein lebendiges Bild der Handlung entstehen zu lassen, an vielen jedoch mangelt es nach meinem Geschmack an Details. Die Autorin erzählt mehr, als dass sie zeigt und beschreibt. Manchmal mag dies zu einer Beschleunigung der Handlung führen, oft aber vereinfacht es Daboka und wird ihr nicht gerecht.

Das Ende des Buchs dagegen hat mir eine Gänsehaut beschert. Trotz des Erlebten ist Daboka voller Hoffnung. Sie glaubt an das Gute in uns und ist sich sicher, dass der Mensch einsichtig wird und den Regenwald somit noch retten kann. Hier appelliert die Autorin unmissverständlich an uns, dass es Zeit ist, mit dem Wahnsinn aufzuhören. Diese Aufforderung gewinnt durch Dabokas Hoffnung an ungeheurer Kraft.

Insgesamt greift Marion Achard hier eine mitreißende Thematik auf, die auch ihre Wirkung nicht verfehlt. Allerdings denke ich, dass die Geschichte noch einiges an Potenzial gehabt und noch eindrücklicher geschildert hätte werden können.   

Erschienen bei Magellan

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Autorin / Autor: lara x - Stand: 12. Februar 2019