Alles - worum es geht

Autorin: Janne Teller
übersetzt von Sigrid C. Engeler und Birgitt Kollmann
ab 14 Jahren

In acht Geschichten, die unter die Haut gehen, erzählt Janne Teller von Anpassung und Ausgrenzung, von Identität und kulturellen Unterschieden, von geistiger Behinderung, von Träumen und Irrtümern. Selten eignet sich Literatur besser zum Nachdenken und Diskutieren.

„Alles worum es geht“ – Ein sehr aussagekräftiger Titel für ein Buch, der Großes erhoffen lässt. Wie im Klappentext beschrieben, führt die dänische Jugendbuch-Autorin Janne Teller dort in acht kleinen Kurzgeschichten die unterschiedlichen Gesichter von Gewalt auf. Sie greift dabei verschiedene Motive für gewaltbereites Handeln auf wie die Eskalation eines Konfliktes, eine psychische Krankheit oder lediglich pure Boshaftigkeit. Der Leser taucht in diese Kurzgeschichten ein und lernt dabei verschiedene Figuren, Kulturen und Gefühlswelten kennen, die alle sehr individuell und zugleich interessant sind.

Das Thema des Buches ist also ein äußerst spannendes und zugleich sehr wichtiges. Aufgrund des aussagekräftigen Klappentextes habe ich mir auch, wie bereits erwähnt, so einiges von dem Buch erhofft – leider konnte das Buch jedoch meinen Erwartungen nicht gerecht werden. Die Gründe dafür sind folgende:

Die vielen verschiedenen Facetten von Gewalt heraus zu stellen ist eine spannende Idee, die womöglich auch bei vielen Jugendlichen das Interesse weckt – so auch bei mir. Diese in Form von vielen Kurzgeschichten zu präsentieren, ist ebenfalls eine interessante Idee - die Verknüpfung beider Ideen müsste erwartungsgemäß also ein wirklich lesenswertes Buch ergeben. Meiner Meinung nach scheiterte es jedoch merklich an der Umsetzung. Dies fällt bereits auf, wenn man das Buch in den Händen hält. 142 Seiten sind nicht genug, um ein umfangreiches Thema wie "Gewalt" in seinen unterschiedlichen Facetten zu beleuchten – schon gar nicht bei so vielen verschiedenen Figuren. Die Folge davon ist, dass die Tiefe und Emotionalität sowie die Verbundenheit und Identifikation mit den Figuren beim Lesen völlig auf der Strecke bleibt. Der Leser wird förmlich in das nächste Kapitel „hinein geworfen“, und sobald er sich mit der Situation ein wenig vertraut gemacht hat, folgt auch schon die „schockierende“ Handlung und der Leser wird zu einer neuen Figur katapultiert - ohne zu erfahren, wie die Situation für die jeweilige Figur ausgegangen ist.

So werden beispielsweise vorherrschende Konflikte beschrieben, die Folgen davon jedoch nicht. Oder es werden andererseits die Folgen von Gewaltakten beschrieben, ohne dass der Leser etwas über die Auslöser für jenes Handeln erfährt. Dieses abrupte „Umherspringen“ von verschiedenen Figuren und Geschichten erschwert das Verständnis beim Lesen und hat den Effekt, dass die eigentliche Botschaft und der Sinn der Geschichten nicht richtig zum Leser durchdringen können. Obwohl es sich um Kurzgeschichten handelt und auch die Knappheit bei einer Kurzgeschichte ein typisches Merkmal darstellt, werden diese meiner Meinung nach so oberflächlich umrissen, dass dabei der Sinn der Kapitel und der rote Faden im Blick auf das Ganze auf der Strecke bleiben. Darüber hinaus ist es eine persönliche Empfindung, dass ich eine solche Knappheit beim Erzählen im Bezug auf ein derart emotionales Thema unpassend finde.

Die sprachliche Knappheit mag jedoch auch einen Vorteil haben: So beispielsweise, dass sie das Buch vor allem für jüngere Leser zu einer leichten Lesekost macht. Für diese stellt es womöglich ein geeignetes Buch dar, um mit dem Thema "Gewalt in unterschiedlichen Formen" warm zu werden. Für ältere Leser, die ich auf dieses Buch bezogen unter 16+ fasse, ist das Buch meiner Meinung nach allerdings weniger empfehlenswert, weil einem aufgrund der enormen Knappheit der beschriebenen Geschichten von den Figuren sowie von deren Handlungen beim Weglegen des Buches nicht mehr viel im Gedächtnis bleibt.

Fazit 
Zusammenfassend hat mir das Buch aufgrund der oberflächlichen Erzählungen zu einem so tiefgründigen Thema leider nicht so gut gefallen. Ich würde es jedoch jüngeren Lesern bis einschließlich 15 Jahren empfehlen, weil es aufgrund der einfachen Sprache eine gute Annäherung an das Thema bietet. Für alle Älteren ist das Buch allerdings meiner Meinung nach weniger empfehlenswert, weil es nicht genug ins Detail geht und viele Fragen unbeantwortet lässt, sodass der eigentliche Sinn und die Botschaft des Buches nicht richtig zum Leser durchdringen können.

Erschienen bei dtv

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Autorin / Autor: Deniz Klarhorst - Stand: 14. Juli 2015