72 Stunden mit dir

Autorin: Darianne Schramm , Kerstin Fricke , Michelle Gyo

Was wäre, wenn du durch die Straßen deiner Stadt liefest und wüsstest, dass der Person dort, auf der anderen Straßenseite, nur noch 72 Stunden Leben blieben? Was wäre, wenn es eine Person wäre, die du kennst? Ein Familienmitglied, jemand, den du liebst? Was wäre, wenn du ihren Tod nicht verhindern könntest?
Was wäre, wenn du es niemandem erzählen könntest und es keiner außer dir wüsste?

Darianne Schramm berichtet in ihrem Roman „72 Stunden mit dir“ über eine junge Frau, die mit genau diesen Fragen leben muss. Sydney weiß, wann Menschen sterben werden. Ab dem Zeitpunkt, wenn ihnen noch 72 Stunden bleiben, sieht sie einen neonpinken Countdown über ihren Köpfen. Als ihr auf einer Party klar wird, dass ein Junge aus ihrer Klasse nicht mehr lange leben wird und sie und ihr neuer Mitschüler Peter Beckett die letzten sind, die vor seinem Tod noch mit ihm reden, hat sie plötzlich mehr mit Peter zu tun, als sie möchte.

Als Peter durch Zufall hinter Sydneys Geheimnis kommt und sie ihm schließlich alles erzählt, fangen die beiden an, gezielt nach den Countdowns zur suchen, um den betreffenden Menschen eine letzte Freude zu machen. Das ist für Sydney ein riesiger Wendepunkt, denn erstmals läuft sie nicht vor den Countdowns weg und ist mit ihrem Wissen allein, sondern hat eine Person, der sie langsam aber sicher zu vertrauen beginnt. 

Darianne Schramm schreibt mit viel Einfühlungsvermögen über ein Leben, dass man sich in solcher Form wohl kaum vorstellen kann. Besonders gut gefallen mir die Rückblicke in die Vergangenheit und wie detailreich die Charakterzüge der Protagonisten beschrieben werden. Allerdings liegt auch genau da mein Kritikpunkt: Wenn man schon vor dem Lesen weiß, welche ungefähre Rolle die Figuren in dem Roman spielen, hat man eine Erwartung davon, wie die Geschichte verlaufen könnte und welche Charaktereigenschaften und Vorgeschichte sie vielleicht haben. Leider erfüllt die Geschichte diese Stereotypen genau. Das hat mich beim Lesen ein bisschen enttäuscht, denn es macht zwar die Gedankengänge der Protagonisten verständlicher, verleiht dem Roman aber nicht die Komplexität, die ich mir gewünscht hätte.

Trotzdem kann ich das Buch nur jedem weiterempfehlen, der Liebesromane mit viel Drama und Stoff zum Nachdenken zu schätzen weiß und mit dem Thema Tod umgehen kann. Darianne Schramm schafft es, aus einer Liebesgeschichte ein interessantes und lesenswertes Werk zu machen, das man so schnell nicht vergisst.


Erschienen bei dtv

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Autorin / Autor: Ilse - Stand: 19. Oktober 2026