Systemadministratorin - Teil 2

Und was machst du jetzt konkret? Wann fängst du an zu arbeiten?

Ich habe eine ganz normale 38,5 Stundenwoche – also Vollzeit. Meine Arbeit ist nicht jeden Tag gleich. Man kann also nicht sagen: es gibt den Standardarbeitstag. Es gibt Tage, da bin ich viel unterwegs, entweder auf Messen oder Informationsveranstaltungen von Anbietern im Bereich Computer. Das sind z.B. Leute, die eine tolle Netzwerklösung anzubieten haben, oder ein neues Betriebssystem, das viel billiger als das übliche Betriebssystem ist. Dann fahren wir hin und schauen uns das an. Es kann sein, dass wir an Workshops teilnehmen oder uns selbst und unser Projekt dort vorstellen. Wir sind also häufig unterwegs. Ein Projekt ist z. B. in Schleswig-Holstein angesiedelt, d.h. wir werden dort hin fahren und gucken, wie sieht es an den Schulen jetzt aus, wie sehen ihre Pläne aus, wie sollen die Schulen vernetzt werden. Wir werden zwischendurch immer mal schauen, wie sieht es aus, funktioniert es auch, was sagen die Lehrer: klappt das jetzt, seid ihr jetzt zufrieden? Wir werden auch die Schüler fragen, werden die Computer jetzt auch im Unterricht eingesetzt? Lernt ihr jetzt mehr?..usw.  Wir werden also zukünftig sehr viele Informationen sammeln und diese in Berichten zusammenstellen und veröffentlichen, so dass andere Schulen sagen können: Hey, so wie die das hier vernetzt haben, das könnten wir bei uns auch machen, das kostet auch gar nicht so viel und dann fragen wir mal bei Schulen ans Netz an, ob sie uns das Konzept einfach mal rüberreichen können.

Was macht dir an deiner Arbeit Spaß? Was machst du am liebsten?

Dass sie so abwechslungsreich ist. Dass ich sehr viel selber lernen kann, dass ich so viel rumreisen kann, dass ich so verschiedene Leute treffen kann, Techniker, Administratoren, Politiker (von den Schulämtern), Lehrer, die mit dem System umgehen müssen. Meine Aufgabe ist darüber hinaus die komplette Office-Schiene, d.h. Outlook so einzurichten, dass es bei uns als Content-Management-System genutzt werden kann. Also, alles was mit den Programmen und Tools zu tun hat.

Was magst du gar nicht?

Oh... alles was mit schreiben zu tun hat. Berichte schreiben, das wird noch übel... und lesen am Stück - das mag ich nicht. Wir hatten ja über 200 Projektskizzen eingereicht bekommen. Da ist einiges zu lesen.

Meinst du, das ist ein typischer Männer- oder Frauenberuf?

Es ist derzeit noch typisch männlich, weil es doch stark im Technikbereich ist, und weil dieser Bereich doch noch stark von Männern besiedelt ist. Das ist ganz klar. Den übergreifenden Bereich, wo also nicht nur Technik, sondern auch Pädagogik gefragt ist, also an der Schnittstelle zwischen Schule und Technik würde ich mittlerweile nicht mehr geschlechtsspezifisch zuordnen wollen. Schnittstellenfunktionen haben komischerweise häufig nur Frauen .

Würdest du Mädchen raten, diesen Weg einzuschlagen?

Ja, ich würde es Mädchen raten, aber es ist nicht so, als ob ich einen Lebensplan gehabt hätte. Ich war alleinerziehend und bin im ersten Semester schwanger geworden. Für mich war klar, ich werde Lehrer und damit wäre ich auch zufrieden gewesen. Dann gab es keinen Job als ich fertig war, dann überlegt man sich, was machst du jetzt. PC hat mir immer Spaß gemacht. Dann bin ich in der Richtung weitergegangen, aber immer mit dem Aspekt Schulung im Hintergrund. Dann ist mir die Administration eher zufällig angetragen worden. Ich habe sie gelernt, weil sie mir auch Spaß macht und hab dann versucht, die Verbindung zwischen Schulung und Administration aufrecht zu erhalten. Hätte ich einen gradlinigen Weg eingeschlagen, hätte es den nicht gegeben. Ich brauchte auch beide Ausbildungen, die in der Schule und die am PC, um hier bei Schulen ans Netz arbeiten zu können.  Deshalb ist es schwer, eine Empfehlung auszusprechen. Man kann nicht sagen, "mach erst einmal drei Ausbildungen, damit du dann deinen Traumjob bekommst". Bis dahin hat sich wieder so viel verändert, dass das gar nicht machbar ist. Aber ich wusste immer, dass ich unterrichten kann, dass es mir Spaß macht. Die Erfahrung habe ich übrigens schon beim Geräteturnen gemacht, ich habe schon mit 11 Jahren angefangen, andere Kinder zu unterrichten. Und alles, was ich gemacht habe, so unterschiedlich, wie es sich anhört, hat immer den Aspekt im Hintergrund gehabt: Arbeit mit verschiedenen Personen und diese unterrichten. Und das ist letztendlich auch geblieben. Nur dass ich jetzt keine Biologie mehr unterrichte, sondern Computer.

Und in deiner Freizeit? Beschäftigst du dich da auch mit Computern oder hast du andere Hobbys?

Gar keine Zeit. Ich habe immer noch das Kind. Bis vor kurzem habe ich noch Karate, Kung-Fu und Improvisationstheater nebenher gemacht. Zeit für den Computer habe ich nicht und brauch ich auch nicht. Ich habe zuhause ein altes Kistchen stehen- das reicht für den heimischen Betrieb aus. Viel zu viele Leute wissen, dass ich was von Computern verstehe und versuchen mich dann nach Hause zu lotsen, damit ich ihren Computer repariere und einrichte. Ich wehre mich eher gegen Freizeit-Computer.

Wenn du einen Wunsch frei hättest was würdest du dir wünschen?

Mehr wissen, noch viel mehr Wissen!!!

Vielen Dank für das Interview!

Autorin / Autor: Redaktion / Heidrun Schmale - Stand: 8. Januar 2003