Krankenschwester

Mehrere Berufe in einem: Zimmermädchen, KellnerIn, Putzfrau, SekretärIn, ArzthelferIn, ÄrztIn, PsychologIn, LehrerIn, ApothekerIn, Sozialdienst, ZuhörerIn...

Auf Umwegen zum Traumberuf

Als ich ein kleines Mädchen war hatte ich den Traum, einmal Krankenschwester zu werden. Das ich das auch wirklich einmal machen würde, hätte ich mir bis vor sieben Jahren aber auch nicht träumen lassen. Denn ich habe mich später eigentlich eher für Architektur und Bauwesen interessiert. Das habe ich dann auch zuerst ausprobiert: Ich habe Bauingenieurwesen studiert, aber es war ziemlich schnell klar, dass das nicht das war, was ich mein Leben lang machen wollte. Eines morgens wurde ich dann wach und wußte genau was ich wollte...

Sicherheitshalber erstmal ein Praktikum machen

Um erstmal einen genauen Einblick in die Krankenpflege zu bekommen, habe ich ein Halbjahrespraktikum auf einer großen Internistischen Station (da liegen wirklich viele sehr alte und kranke Menschen...) gemacht. Schon allein, um mir eine erneute Pleite in der Berufswahl zu ersparen und um zu wissen, was da in Zukunft auf mich zukommt. Die Krankenpflege ist nämlich wirklich nicht so wie bei "Schwester Stefanie" & Co.

Oh mein Gott, gab's da viel zu tun...

Der Anfang war recht schwer, da ich ja noch nie etwas mit kranken Menschen zu tun hatte und natürlich auch der Schichtdienst sehr gewöhnungsbedürftig ist (das frühe Aufstehen fällt mir bis heute noch sehr schwer...). Doch nach kurzer Zeit hatte ich mich gut eingelebt, konnte schon einigermaßen mitarbeiten und kleinere Arbeiten selbstständig erledigen, was für meine Kollegen zumindest eine kleine Hilfe war. Oh mein Gott, gab's da viel zu tun: Angefangen beim morgendlichen Waschen (Rücken waschen, Beine waschen, Ganzkörperwäsche am Waschbecken oder im Bett...), dann Betten frisch machen, Frühstück und Medikamente verteilen und anreichen, füttern, Verbände frisch machen, Blutdruck, Fieber, Puls messen... und natürlich auch immer ein nettes Wort für die Patienten übrig haben, was in meinen Augen das aller wichtigste für den Patienten ist. Während dieser Zeit hatte ich zum ersten Mal wieder das Gefühl, etwas wirklich sinnvolles zu tun. Mein Selbstvertrauen nahm immer mehr zu. Es gibt nichts Schöneres, als wenn ein Patient dir sagt, dass er sich freut dich zu sehen und du merkst, dass deine Arbeit gut ankommt.

Konfrontation mit Leid, Elend und Tod

Natürlich sieht man im Krankenhaus auch viel Leid und Elend und man wird auch mit dem Tod konfrontiert. Es wird einem richtig bewusst, dass Leben und Tod zwangsläufig zusammen gehören, was immer wieder sehr belastend ist. Ich denke, daran gewöhnt man sich nie. Aber das macht uns menschlich und darf nicht verloren gehen.

Der menschliche Körper ist immer wieder faszinierend

Während der dreijährigen Ausbildung habe ich dann gelernt, die Theorie und die Praxis nicht nur zu begreifen, sondern auch noch das Ganze miteinander zu verknüpfen, was stellenweise doch recht schwierig war. Der menschliche Körper ist immer wieder faszinierend und um zu begreifen was passiert, wenn "er" krank ist, muss man wissen wie "er" normalerweise funktioniert. Die theoretische Ausbildung ist aber auch nicht nur interessant. Fächer wie Physik, Chemie, Mikrobiologie, Hygiene, Staatsbürger- und Gesetzeskunde und Berufskunde fand ich immer total unnötig und langweilig, aber da musste ich leider durch. Aber auch die interessanten Fächer (Anatomie, Innere, Chirurgie, HNO, Augen, Gynäkologie...) konnten zeitweise fürchterlich trocken sein.

Die Arbeit auf der Station kann die Hölle sein

Die Praxis ist doch wohl eher mein Ding, obwohl die Arbeit auf der Station auch die blanke Hölle sein kann. Aber das ist wohl überall so. Die praktische Ausbildung auf der Station wird durch Mentoren und Praxisanleiter, die eng mit der Krankenpflegeschule zusammenarbeiten, unterstützt. So wird die Pflegequalität gewährleistet und ein relativ einheitliches Arbeiten ermöglicht (eine individuelle Note hat trotzdem jeder und das ist auch wichtig...). Sie helfen den KrankenpflegeschülerInnen auch einen Blick für den Patienten zu entwickeln und so möglichst schnell Veränderungen am Menschen - zum negativen und positiven - wahrzunehmen. Die "Krankenbeobachtung" entwickelt sich langsam und ist in der Pflege absolut notwendig.

Das Krankenpflegeexamen

Die anstrengendste Zeit während der Ausbildung war die Zeit vor dem Krankenpflegeexamen. Es besteht aus drei Teilen: praktisch, schriftlich und mündlich. Fällt man in einem der Teile durch, darf man ihn innerhalb eines Jahres wiederholen. Fällt man ein zweites Mal durch, ist man raus. Leider bekommt man als Krankenpflegeschüler den Urlaub vorgeschrieben, deshalb war es nicht möglich vor der schriftlichen und mündlichen Prüfung Urlaub zu nehmen. Also haben wir uns nach dem Spätdienst (in der Regel geht der Spätdienst bis 20 Uhr) zum Lernen getroffen. Das hat den Druck zwar erhöht, hatte aber den Vorteil, dass man auf der Station fragen konnte, wenn man was nicht verstanden hatte. Und das war ganz schön viel Lernstoff, der sich über die drei Jahre da angesammelt hatte... Weil die schriftliche Prüfung vom Gesundheitsamt des Bundeslandes gestellt wird, also alle Krankenpflegeschulen in NRW dieselben Prüfungen schreiben, ist man gezwungen, wirklich alles zu lernen. Aber der Stress lohnt sich...

Ich habe meine Entscheidung nie bereut

Inzwischen arbeite ich seit dreieinhalb Jahren auf einer Internistischen Intensivstation in dem Krankenhaus, in dem ich mein Praktikum und meine Ausbildung gemacht habe. Ich habe außerdem eine zweijährige Fachausbildung zur Fachschwester in der Anästhesie- und Intensivpflege abgeschlossen und bin Mentorin auf meiner Station. Die Entscheidung, Krankenschwester zu werden, habe ich nie bereut (es sei denn ich habe mal wieder Frühdienst und bin zu spät ins Bett gekommen g).
Im Prinzip habe ich mehrere Berufe in einem: ich bin Zimmermädchen, KellnerIn, Putzfrau, SekretärIn, ArzthelferIn, ÄrztIn, PsychologIn, LehrerIn, ApothekerIn, Sozialdienst, ZuhörerIn... Jeder Tag verläuft anders und es ist immer wieder spannend!

Vielen Dank für das Interview!

Autorin / Autor: Ute Schlotterbeck - Stand: 3. Februar 2003
 
 

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