Erzieherin

Die Arbeit in einem Kindergarten umfasst mehr als "nur" spielen und basteln. Wichtig ist vor allem das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern...

Ich heiße Elke und von Beruf Erzieherin, und darüber möchte ich euch nun etwas erzählen: Ich arbeite in einer Gruppe mit 15 Kindern, fünf Kinder davon haben eine Behinderung. Meine Gruppe ist aber keine "normale" Kindergartengruppe, sondern eine so genannte "integrative Gruppe". Das bedeutet, Kinder mit und ohne Behinderung sind zusammen in einer Gruppe. Alle Kinder kommen morgens in den Kindergarten und verlassen ihn erst nachmittags wieder. Da sie bei uns auch zu Mittag essen und fast den ganzen Tag bleiben, nennt man sie "Tagesstättenkinder".

Langweilig wird es hier nicht...

Mein Arbeitstag beginnt um 7.30 Uhr. Um diese Zeit sind noch wenig Kinder in der Gruppe, und so kann ich die Zeit nutzen, um mich mit meinen Kolleginnen auszutauschen. Mein Tag ist sehr abwechslungsreich und ich muss ganz verschiedene Sachen machen, z.B. Angebote für die Kinder, Essenszubereitung, Spielen auf dem Außengelände,... . Einen großen Teil des Tages verbringen die Kinder mit dem so genannten "Freispiel". Dabei suchen sie sich ihre Spielpartner und Spielorte selber aus. Meine Aufgabe ist es, sie zu beobachten, zu unterstützen, ihnen bei anfallenden Problemen zu helfen, Projekte durchzuführen, Angebote zu begleiten, und vieles mehr. Für mich ist es sehr wichtig bei den Kindern das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit zu fördern. Dies geschieht z.B. durch ein großes Mitbestimmungsrecht der Kinder. Ich sehe mich während des Freispiels als ihre Begleiterin.

Auch die Arbeit mit den Eltern ist sehr wichtig

Eine große Aufgabe in meinem Beruf ist auch die Arbeit mit den Eltern. Es ist wichtig, einen guten Kontakt zu ihnen aufzubauen und sie über alles zu informieren. Regelmäßig finden Elterngespräche statt, z.B. über die Wahl der Schule, aber auch wenn ein Problem auftritt. Dazu ist es wichtig, dass man eine gute Art der Gesprächsführung beherrscht. Ebenfalls stehe ich in ständigem Austausch mit verschiedenen Schulen und Institutionen, unterschiedlichen Therapeuten und meinen Kollegen. Und auch schriftliche Arbeiten gibt es in meinem Beruf, z.B. Berichte über die Kinder erstellen oder auch Protokolle schreiben.

Ein lachendes Kind ist immer etwas ganz Besonderes

Am meisten an meiner Arbeit gefällt mir, dass die Kinder sehr natürlich sind. Habt ihr schon einmal einem Kind zugehört, das zufrieden ist, sich wohlfühlt und dabei lacht? Wenn nicht, macht dies einmal! Das ist für mich immer wieder ein schöner Moment, es hat etwas ganz Besonderes. Es ist auch spannend zu erleben, wie die Kinder sich in den Jahren entwickeln, wie sie immer selbstständiger werden, bis das man sie in die Schule entlässt. Das fällt mir nach einer so langen Zeit (meist sind es 3 Jahre) immer schwer, und die Kinder fehlen mir am Anfang des Kindergartenjahres sehr. Dies vergisst man jedoch schnell, denn am Anfang hat man sehr viel mit den neuen Kinder zu tun, die sich im Kindergarten noch nicht auskennen und auch noch keine Regeln kennen.

Basteltante? Ich hasse basteln.

Am schlimmsten finde ich, dass der Beruf der Erzieherin immer noch mit vielen Vorurteilen belastet ist. Oft werden wir von den Eltern und anderen als Spiel- und Basteltanten bezeichnet. Dazu ist bei mir zu sagen, wenn einer bei mir in der Gruppe bastelt, dann sind es die Kinder - ich hasse es zu basteln. Die eigentliche pädagogische Arbeit die wir leisten, ist nicht an materiellen Dingen festzumachen. Wir erzeugen kein Produkt, sondern wir arbeiten mit Menschen, die sich entwickeln.

Wie ich Erzieherin wurde...

Mit 15 habe ich das erste Praktikum im Kindergarten gemacht. Damals habe ich mich auch in meiner Freizeit mit Kindern beschäftigt. Dadurch war mir früh klar, was ich werden möchte. Die Ausbildung zur Erzieherin dauert vier Jahre. Davon ist das erste Jahr ein Praktikum, das zweite und dritte schulische Ausbildung und das vierte ist wieder ein Praktikum.
Vorsicht: Genau informieren, die Ausbildung soll sich bald ändern!
Inzwischen habe ich gemerkt, dass die Ausbildung, die ich gemacht habe, für den Behindertenbereich nicht ausreichend ist. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, eine zusätzliche Ausbildung zur Heilpädagogin zu machen. Seitdem besuche ich nach meiner normalen Arbeit noch die Abendschule. Die Ausbildung dauert drei Jahre. (Hurra, 1,5 davon habe ich schon geschafft!! g)

So ich hoffe ich konnte einigen von euch ein paar wichtige Informationen geben. Ich könnte noch stundenlang über meinen Beruf erzählen, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Ich wünsche euch viel Glück bei eurer Berufswahl.

Vielen Dank für das Interview!

Autorin / Autor: Ute Schlotterbeck - Stand: 24. März 2003
 
 
 

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