Wie Nervenzellen miteinander quatschen

Eine Neurowissenschaftlerin erzählt aus ihrem Studium

Wie funktioniert das Gehirn? Diese Frage hat sich Nora Cavara schon in der Schule gestellt. Als Neurowissenschaftlerin versucht sie jetzt, diesem bisher noch nicht vollständig gelüfteten Geheimnis auf die Spur zu kommen. „Ich hatte schon immer eine Vorliebe für coole Frauen im Labor“, gesteht die 26-Jährige. Mit 16 war sie ein großer Fan der FBI-Agentin und Wissenschaftlerin Scully aus der beliebten Serie Akte X.

Heraus aus dem fachlichen Schneckenhaus

Nora Cavara arbeitet an der International Graduate School of Neuroscience (IGSN) der Ruhr-Universität Bochum an ihrem Doktortitel in den Neurowissenschaften. „Nach meinem Biochemiestudium habe ich hier meinen Traumjob gefunden“, schwärmt sie. Die Neurowissenschaften sind ein noch relativ junges Forschungsfeld. Mediziner, Psychologen, Biologen, Chemiker, aber auch Informatiker untersuchen dabei den Aufbau und die Funktionsweise des Gehirns und der Nervensysteme – aber alle auf ihre Weise. „Mediziner und Psychologen schauen von oben drauf und fragen sich beispielsweise, wie eine gesamte Hirnregion funktioniert. Als Biochemikerin beschäftige ich mich mit einem der kleinsten Teilchen, aus denen ein Mensch besteht, den Molekülen. Ich schaue mir an, wie Nervenzellen miteinander reden.“ Speziell beschäftigt sie sich mit den Nervenzellen, die zum Einsatz kommen, wenn wir eine Erinnerung bilden. „Bei bestimmten Krankheiten, beispielsweise Alzheimer, ist diese Übertragung gestört – es kommt zu Gedächtnisverlusten. Nora Cavara versucht mit ihrer Laborarbeit herauszufinden, wie es zu solchen Störungen kommt. Vielleicht kann sie dazu beitragen, dass Mediziner und Arzneimittelforscher die Krankheit besser verstehen und schließlich besser bekämpfen können. „Nur wenn man sich mit Forschern anderer Fachrichtungen austauscht, kann man in den Neurowissenschaften wirklich Fortschritte erzielen. Dafür muss man aus seinem fachlichen Schneckenhaus heraus“,
ist Nora Cavara überzeugt.

Hilfsmittel Froscheier

Ihr wichtigstes Hilfsmittel im Labor sind dabei Froscheier. Nora Cavara untersucht Moleküle, mit denen sich Nervenzellen unterhalten. Dazu injiziert sie die Bauanleitung für diese Kommunikations- Moleküle in Froscheier. „Die Eizelle baut daraufhin das Molekül. Wenn ich dann einen Botenstoff aus dem Gehirn auf die Eizelle gebe, ‚antwortet’ sie wie eine Nervenzelle. Diese Antwort kann ich ‚belauschen’, das heißt als Stromfluss messen.“ Bei den Versuchsanordnungen nimmt sie immer wieder winzige Veränderungen vor, schreibt die Messungen auf und versucht dann herausfinden, was sie zu bedeuten haben. „Manchmal bekomme ich ganz ungewöhnliche Ergebnisse, die ich so nicht erwartet habe. Ich muss aufgeschlossen und kreativ bleiben. Manchmal passiert auch lange Zeit gar nichts, da ist dann Ausdauer und Geduld gefragt.“ Mit dem Doktortitel in der Tasche möchte Nora Cavara in eines der „tollen Labore“ in die USA. Aber nicht für immer: „Mein Ziel ist es, hier in Deutschland Professorin an einer Uni zu werden. Die Kombination aus Lehre und Forschung würde mich glücklich machen.“ Zu forschen hätte sie genug, ist sie sich sicher: „Es gibt noch viele Rätsel, die bestimmt auch nicht mehr zu meinen Lebzeiten gelöst werden können.“

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Autorin / Autor: Quelle: Auszug aus abi extra >> first step (2008) der Bundesagentur für Arbeit - Stand: 23. Oktober 2008