Die Seilerin

Hast du immer die Fäden in der Hand und alles läuft wie am Schnürchen? Dann ist das vielleicht die richtige Ausbildung für dich...

Seilerinnen stellen Seile her oder flechten je nach Arbeitsbereich auch Netze und Strickleitern. Erstmal hört sich das ja ziemlich simpel an. Um aber wirklich die entsprechende Qualität des Produktes abliefern zu können, braucht eine Seilerin auch ausgefeilte Fachkenntnisse: Welche verschiedenen Materialien werden zur Seilherstellung verwendet und wie verarbeite ich sie? Wie unterscheidet sich die Tragkraft eines 1,5 cm dicken Drahtseiles von der eines 3 cm dicken Hanffaserseiles? Welche Seile tragen eine Gondel, welche halten einen Kletterer, welche Seile werden beim Schiffsbau verwendet? Was muss man bei der Montage von Seilen alles beachten? Neben der Produktion kümmern sich Seilerinnen auch um das Einrichten, Warten und Reparieren der Maschinen, die für die Produktion verwendet werden.

Was muss ich können?
Seilerinnen brauchen handwerkliches Geschick und sollten keine Scheu vor technischen Geräten haben, da die Seilproduktion meist mit Hilfe computergesteuerter Maschinen erfolgt. Ihr werdet viel mit dem Werkstoff Metall (Drahtseile) zu tun haben und solltet ganz gerne mit textilen Materialien, also Natur- oder Chemiefasern arbeiten wollen. Die Arbeit als Seilerin kann körperlich auch schon mal anstrengend sein, weil ihr meist an einer Stelle arbeitet und eure Tätigkeit recht gleichförmig ist, viel Abwechslung gibt es hier nämlich nicht. Außerdem kann es während der Arbeit schon mal ziemlich laut werden. Wer gerne im Team arbeitet, ist hier ebenfalls falsch, die Seilerin arbeitet meist allein.

Wo arbeiten Seilerinnen?
Seilerinnen üben ihren Beruf in Seilerbetrieben in der Industrie oder im Handwerk aus. Manche sind aber auch in Betrieben der Jute- und Hartfaserverarbeitung, in sogenannten Taklereien oder Drahtseilereien tätig. Meistens, außer bei der Montage, die im Freien stattfindet, arbeitet die Seilerin in Fabrikhallen.
Wer darauf nicht so viel Lust hat, kann auch versuchen, im Groß- und Einzelhandel für Hanf-, Hartfaser oder andere Seilerzeuginsse eine Stelle zu finden: hier arbeiten Seilerinnen in den Verkaufsräumen, im Lager oder auf Lagerplätzen im Freien.

Na, Lust bekommen?
Die sogenannte duale Ausbildung zur Seilerin dauert drei Jahre; vier Tage die Woche lernt ihr im Betrieb, einen Tag paukt ihr Theorie in der Berufsschule. Je nach dem, in welchem Ausbildungsjahr ihr seid, und ob ihr in den neuen oder alten Bundesländern wohnt, könnt ihr in dieser Zeit zwischen 423 und 680 Euro verdienen. Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres müsst ihr eine Zwischenprüfung ablegen, die zusammen mit dem ordentlich geführten Berichtsheft die Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung ist. Die Abschlussprüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Im praktischen Teil erstellt ihr Arbeitsproben und fertigt ein Prüfungsstück an, mit dem ihr euer Können beweist. In der theoretischen Prüfung werden Fragen zu den Bereichen Technologie, technische Mathematik, Wirtschafts- und Sozialkunde abgefragt. Das hört sich jetzt alles ziemlich kompliziert und fremd an, aber macht euch keine Sorgen: Das lernt ihr alles im Unterricht.

Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt...
...sind zwar ganz gut, aber man kann sich nach der Ausbildung auch auf bestimmte Teilaspekte spezialisieren, dazu braucht man dann eine entsprechende Weiterbildung. Auch ohne Spezialisierung muss jede Seilerin ständig auf dem neuesten Stand der Dinge sein, was Einsatzmöglichkeiten und Verwendung von Seilerzeugnissen, die aktuellen Entwicklungen in Industrie, Baugewerbe, Sport und Freizeit betrifft und das Interess der Kundschaft betrifft.

Weitere Informationen zum Beruf Seilerin:

Autorin / Autor: Nadja Goede - Stand: 22. März 2004