So habt ihr die Lehrstelle schon fast in der Tasche

Interview mit dem ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke über die Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk

Handwerkerin (Bild: AMH)
Quelle: Bilddatenbank der AMH

Viele SchülerInnen sind sehr verunsichert über die tatsächliche Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Die einen reden von einem immensen Rückgang der Ausbildungsplätze in 2010, der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) beklagt dagegen einen Mangel an qualifizierten Bewerbern. Wir sprachen mit Generalsekretär der ZDH Holger Schwannecke und wollten es aus erster Hand wissen.

Herr Schwannecke, was stimmt denn nun?
Herr Schwannecke: Viele unserer Betriebe haben zunehmend Schwierigkeiten, ihre Lehrstellen zu besetzen. Die Zahl der Schulabgänger geht demografiebedingt von Jahr zu Jahr zurück. Das bekommen die Betriebe deutlich zu spüren. Für die kommenden Jahre heißt das, sie müssen um jeden einzelnen Auszubildenden kämpfen. Hinzu kommt, dass zu viele junge Menschen nicht ausreichend ausbildungsfähig sind, wenn sie von der Schule abgehen. Ihnen fehlen wichtige Grundkenntnisse in Lesen, Rechnen und Schreiben. Anderen Schulabgängern mangelt es schlichtweg an der nötigen Motivation. Einige schaffen es nicht, morgens pünktlich zur Arbeit zu kommen oder wollen eigentlich gar keine Ausbildung machen. Das ist keine Basis für den Berufseinstieg – weder im Handwerk noch anderswo.

Richtig ist aber auch, dass die Lage nicht in allen Regionen und Berufen gleich ist. Bewerber sollten sich daher breit informieren und sich nicht nur auf den Wunschberuf im Heimatort fixieren. Wer die richtige Motivation und etwas Flexibilität mitbringt, hat die besten Chancen auf einen guten Ausbildungsplatz.

Holger Schwannecke (ZDH)

Welche Chancen haben Mädchen in Handwerksberufen? Und wieviele Mädchen bewerben sich?

Herr Schwannecke: Eine Karriere im Handwerk ist bei Frauen im Kommen – über alle Handwerksberufe hinweg. Immer öfter erobern sich junge Frauen Bereiche, die vor einigen Jahren noch als klassische Männerdomänen galten. Möglich ist das auch, da die technischen Hilfsmittel immer weiter entwickelt werden. Heute sind nicht mehr Kraft und Belastbarkeit entscheidend, sondern handwerkliches Geschick und Köpfchen. Das machen sich Frauen zu Nutze. Knapp 27 Prozent unserer Ausbildungsanfänger sind Frauen, Tendenz steigend.

Welche Handwerksberufe sind denn in der Mädchengunst in den letzten Jahren gestiegen? Gibt es eine "Hitliste der beliebtesten" und unbeliebtesten Handwerks-Berufe bei Mädchen?

Herr Schwannecke: Unschlagbar in der Hitliste der beliebtesten Berufe sind bei Mädchen immer noch die Ausbildung zur Friseurin, Fachverkäuferin im Nahrungsmittelhandwerk und Augenoptikerin. Aber auch Berufe wie Maler- und Lackiererin und Tischlerin zählen inzwischen zu den Top 10 der beliebtesten Mädchenberufe.

Gibt es Erklärungsansätze dafür?

Herr Schwannecke: Besonders beliebt sind bei jungen Frauen Berufe, die einen gestalterischen Anspruch haben oder besondere Wissensanforderungen stellen. Die Interessen von Mädchen ändern sich aber auch. Sie sind heute technisch-gewerblichen Berufen gegenüber deutlich aufgeschlossener. Viele Gewerke nutzen das und bemühen sich gezielt um Mädchen. Das Kraftfahrzeughandwerk etwa wirbt seit einigen Jahren verstärkt um weibliche Auszubildende und schreibt einen Wettbewerb der besten Kraftfahrzeugmechatronikerin aus.

Viele Mädchen haben ja immer noch das Bild im Kopf "Handwerk ist nur was für Jungs". Was tut der ZDH gegen dieses Klischee?

Herr Schwannecke: Zum einen engagiert sich das Handwerk bereits seit Jahren mit großem Erfolg beim Girls Day. Viele Handwerksorganisationen geben jungen Mädchen im Rahmen des Aktionstages die Möglichkeit, unterschiedliche handwerkliche Berufe kennenzulernen. Wenn sich Mädchen selbst in den Berufen ausprobieren können und Freude daran haben, ist das der beste Weg, um gegen solche Klischees vorzugehen. Häufig spielen bei der Berufswahl von jungen Menschen aber weniger Vorurteile und Klischees eine Rolle als vielmehr die Tatsache, dass sie viele Handwerksberufe schlichtweg nicht kennen. Daher versuchen wir möglichst breit über das Handwerk und die Karrieremöglichkeiten zu informieren. Dazu haben wir in diesem Jahr auch eine bundesweite Imagekampagne gestartet. So wollen wir mehr Interesse für das Handwerk wecken. Auf der Internetseite www.handwerk.de können sich alle Interessierten über das Handwerk und die Kampagne informieren. Für junge Menschen hält die Seite zudem hilfreiche Informationen rund um die Ausbildungsberufe im Handwerk bereit.

Gibt es inzwischen eigentlich mehr MeisterINNEN? Und hilft das, Mädchen ins Handwerk zu holen?

Herr Schwannecke: Jeder fünfte Meister im Handwerk ist inzwischen eine Frau, auch hier mit Tendenz nach oben. Das hat natürlich einen Vorbildcharakter für junge Mädchen. Wenn sie sehen, wie erfolgreich Frauen in Handwerksberufen sind, erhöht das den Ansporn ihnen nachzueifern.

Und als letzte Frage: Was würden sie Mädchen raten, die ein Handwerk lernen möchten, aber nicht wissen, ob sie dafür geeignet sind?

Herr Schwannecke: Die beste Möglichkeit einen Beruf kennenzulernen ist es, bereits frühzeitig ein Berufspraktikum zu absolvieren. Dabei merkt man sehr schnell, wo Begabungen und Interessen liegen und wo nicht. Gleichzeitig lassen sich so auch die Chancen auf eine Lehrstelle erhöhen. Wer in den Schulferien ein Praktikum absolviert, zeigt Engagement und Interesse. Und wer sich dabei auch noch geschickt anstellt, hat gleich die Möglichkeit, den Meister persönlich zu überzeugen. Nicht selten haben junge Menschen auf diese Weise eine Lehrstelle schon fast in der Tasche.

Vielen Dank für das freundliche Interview!

Autorin / Autor: Rosi Stolz/ Holger Schwannecke - Stand: 19. Januar 2010
 
 
 

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