Und tschüss!

Studie: "Entfreunden" oder Blocken in sozialen Netzwerken geschieht häufig aufgrund von politischen Meinungsverschiedenheiten - etwa über den Umgang mit Geflüchteten.

Gleich und gleich gesellt sich gern. Das gilt nicht nur für Geschmack, Hobbies und den sozialen Status, sondern auch für politische Einstellungen.
„Der Mensch neigt dazu, sich Leuten, Informationen und Quellen zuzuwenden, die mit ihnen politisch übereinstimmen. Diese Tendenz zeigt sich auch online“, erklärt Medienpsychologe Dr. German Neubaum, der die vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Nachwuchsforschungsgruppe „Digital Citizenship in Network Technologies (DICINT)“ leitet.

Aber geht der Wunsch nach einer Gemeinschaft der Gleichdenkenden auch so weit, dass man Andersdenkende ausschließt?
Neubaum und seine Kolleg_innen von der Universität Duisburg-Essen (UDE) forschen zu politisch motiviertem Entfreunden in sozialen Netzwerken und fragten sich, ob Social Media-Nutzende Menschen mit gegenteiligen politischen Ansichten löschen.

Schlecht für die Demokratie
Denn das wäre für die Demokratie schlecht, auch wenn es im Einzelfall natürlich verständlich ist. Aber wenn Diskussionen mit Andersdenkenden nicht mehr stattfinden, wird auch der eigene politische Horizont immer enger.

In zwei Experimentalstudien haben die Forscher_innen darum zusammen mit Kolleg_innen von der Universität Koblenz-Landau und der Tel Aviv University in Israel überprüft, unter welchen Umständen Facebook Nutzer Andersdenkende aus ihren Netzwerken entfernen.

Lohnt sich eine Freundschaft für mich?
Die Studien zeigten, dass das Entfreunden zum Glück eine eher selten genutzte Maßnahme ist. Nur 20-22% der Befragten hatte jemals eine Person aus politischen Gründen aus ihrem Netzwerk entfernt. Zu Entfreundungen kam es vor allem dann, wenn moralische Unvereinbarkeiten erlebt wurden – etwa, wenn es um kontroverse Meinungen zur Aufnahme von Geflüchteten geht. Die Bereitschaft, jemanden aus solchen Gründen auszuschließen sinkt, wenn der Betreffende in anderen Lebensbereichen emotionale Unterstützung bietet.

Neubaum geht davon aus, dass sich die Ergebnisse auch auf die aktuelle Situation übertragen lassen. „Wem sogenannte Querdenkende, Anhänger von Verschwörungstheorien oder Maskenverweigerer aufgrund mangelnder Fürsorge für die Mitmenschen übel aufstoßen, wird sich gerade sicherlich fragen: Was bietet mir diese Person, dass es sich für mich lohnt, sie in meinem Netzwerk zu behalten?“

Bevor ihr jemanden aus eurem virtuellen oder echten Leben kickt, dessen Ansichten euren sehr entgegenstehen, dann fragt euch auch, ob es in einer demokratischen Gesellschaft nicht auch dazu gehört, Widerspruch auszuhalten und sich in Diskussionen mit Andersdenkenden zu üben, statt sich immer nur mit Seinesgleichen selbst auf die Schulter zu klopfen. 

Die Ergebnisse der Studie wurden in der Open Access-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.

Quelle:

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