Junge Frauen offener für den Rollenwechsel

Befragung unter Studierenden ergab, dass Spaß und Leidenschaft zwar Hauptgrund für die Studienfach-Wahl war, aber männlichen Befragten das Ansehen des Berufs und Traditionen wichtiger waren

Obwohl ja schon so viel getan wurde, um mehr Mädchen für Technik und mehr Jungs fürs Soziale zu begeistern, scheinen sich die Studienwahl-Vorlieben immer noch in geschlechter-stereotypen Mustern zu bewegen. Maschinenbau bleibt männlich, Pädagogik bleibt weiblich dominiert. Eine Studie des Instituts für Soziologie der Leibniz Universität Hannover, hat nun untersucht, welche Faktoren für die Studienwahl eigentlich wirklich zum Tragen kommen und befragte online rund 20.500 Studierende, wovon etwa 7,4 Prozent den Fragebogen ausfüllten. Studierende aus 28 verschiedenen Studiengängen nahmen teil und beantworteten Fragen zur persönlichen Sozialisation, zu Wertvorstellungen, zum Medienkonsum oder zu Assoziationen zwischen Studium und künftigem Beruf.

Männer halten eher an traditionellen Rollenorientierungen fest
Bei der Frage, welche Gründe den Studierenden in Bezug auf ihre Studienfachwahl wichtig waren, zeigten sich geschlechtsübergreifend recht ähnliche Bewertungen. Spaß und Leidenschaft liegen als Begründung für die Studienfach- und Berufswahl weit vorne – deutlich vor Aspekten wie hohe Einkommenschancen, Sicherheit des Jobs oder Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Jedoch: Geschlechtsspezifische Unterschiede zeigten sich beim gesellschaftlichen Ansehen des angestrebten Berufs. Das Ansehen ist den befragten Männern deutlich wichtiger als den Frauen. Auch bei der Frage nach Wertevorstellungen zeigte sich, dass bei den männlichen Befragten eine konservative Vorstellung über die Geschlechterrollenverteilung stärker vertreten zu sein scheint als bei den Frauen. Junge Männer halten laut dieser Untersuchung deutlich stärker an traditionellen Rollenorientierungen fest als junge Frauen. Vermeintlich atypische Berufswege erscheinen ihnen eher unattraktiv.

Wichtigstes Vorbild: Mutter
Die Studie analysierte außerdem, wie stark der Einfluss von Familie und Freund_innen war. Ein interessantes Ergebnis war, dass die Mutter von beiden Geschlechtern als großes Vorbild wahrgenommen wird und ihr Einfluss deutlich höher bewertet wurde als der des Vaters. Freund_innen und Geschwister erscheinen vielen weniger wichtig. „Es zeigt sich, dass die Vorboten der Wahl eines künftigen Berufs in Sozialisationsjahren zu suchen sind“, erläutert Dr. Irina Gewinner als Implikation aus diesen Ergebnissen. „ Vor allem die Mutter ist ein wichtiges Vorbild für viele Studierende: Aus dieser Perspektive ist das Empowerment von Frauen besonders dringend und aktuell.“

"Jungs"-Spielzeug verbreiteter
Ein anderes überraschendes Ergebnis zeigte sich im Bereich „Genderstereotype und Familie“. Hier wurde nach dem Besitz geschlechtstypischer Spielsachen gefragt. Eher geschlechtstypisches Spielzeug besessen zu haben, gaben vor allem männliche Studierende an. Es zeigte sich, dass vermutlich diejenigen Frauen atypische Spielsachen besaßen, die aktuell in eher männerkonnotierten Studienfängen zu finden sind.

Rollenbilder in Schulen
Und welche Rollenbilder vermittelten Lehrer_innen in Schulen? Sprachen und Kunst werden meist von Lehrerinnen unterrichtet, Informatik und Physik etwa eher von Lehrern. „Die Schule ist ein Ort, der nicht selten geschlechtstypische Handlungsmuster vermittelt, was meistens latent geschieht“, sagt Dr. Gewinner. „Die große Herausforderung ist es, Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, dass gesellschaftliche Unausgewogenheiten nicht als Gegebenheit oder gar Norm wahrzunehmen sind.“

Geschlechterklischees werden vor allem durch persönliche Vorbilder übertragen
Zwar befragte die Untersuchung nur Studierende der Leibniz Universität Hannover im Jahr 2018. Die Forscher_innen denken aber, dass die Verhaltensmuster der Studierenden an anderen Universitätsstandorten ähnlich aussieht. „Ein interessantes Ergebnis unserer Studie ist – anders als in anderen Untersuchungen – der Hinweis, dass nicht unmittelbare Geschlechtsstereotype, sondern vielmehr die persönlichen Lebensszenarien und die damit verbundenen Genderideologien einen erheblichen Einfluss auf die Studienfachwahl ausüben“, sagt Irina Gewinner.

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