"Ganz wichtig: gemeinsam lachen!"

Wie Mädchenarbeit in Coronazeiten läuft, erzählt uns Mädchentreff Leyla aus Düsseldorf im Interview

Welche Auswirkungen haben die Kontaktbeschränkungen in Corona-Zeiten auf euch?
Wir sind gestresst, ein bisschen frustriert und angespannt, da wir Planungsunsicherheit haben und zu einigen Mädchen den Kontakt verloren haben. Aber wir haben trotz allem viele Ideen, wie wir trotzdem digital erreichbar bleiben und setzen diese auch gut um. Wir finden es auch wichtig, dass wir uns gegenseitig im Team stärken, auch mal Raum dafür geben, wenn es einer Kollegin „zu viel“ wird und ganz wichtig: gemeinsam lachen!

Welche Kanäle nutzt ihr, um mit den Mädchen zu kommunizieren?
Wir nutzen Telefon, Brief, Instagram, Facebook und neu dazu gekommen sind WhatsApp, Gruppenchats bei Beranet und Video Chats mit Zoom. Bei Instagram führen wir unser Hiphop Programm über Live Story weiter.
Kochen und Spielemarathon läuft über Zoom, hierfür müssen sich die Mädchen anmelden. Gruppenchats laufen über Beranet. Wir haben uns trotz Datenschutz-Bedenken dafür entschieden, WhatsApp zu benutzen, da fast alle Mädchen die App haben, bedienen können und sie sehr niedrigschwellig ist, gerade für Mädchen mit Lernschwierigkeiten.

Und wie läuft die Beratung in Zeiten, wo man sich nicht persönlich gegenübersitzen kann?
Über Telefon oder über Chat, das läuft mitunter ganz gut. Es dauert nur alles viel länger als sonst, Hausaufgabenhilfe oder bei Formularen helfen... Da wir eine Beratungsstelle haben, verweisen wir aber bei schwerwiegenden Sachen auch auf diese.

Was erzählen euch die Mädchen, wie es ihnen geht?
Die meisten Mädchen erreichen wir nicht. Vielen wird auch zuviel Mediennutzung oder Mediennutzung allgemein untersagt. Teilweise freuen sie sich, mehr Zeit mit den Eltern verbringen zu können, teilweise ist das eine größere Belastung. Zuerst war es eine große Entlastung, nicht mehr zur Schule gehen zu müssen, mittlerweile wird die Schule vermisst.

Was ist gerade für die Mädchen am dringendsten?
Das dringendste Problem für uns ist, dass wir darauf keine Antwort geben können, da wir die Mädchen wenig erreichen. Als offene Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung dürfen wir die Mädchen nicht von uns aus kontaktieren. Viele sind jedoch überfordert mit den Hausaufgaben, weswegen wir Hausaufgabenhilfe anbieten.

Was hilft euch in der jetzigen Situation?
Jetzt für den Moment wünschen wir uns, dass es den Mädchen und jungen Frauen, die den Mädchentreff normalerweise besuchen auch zuhause gut geht. Im Alltag vieler Besucherinnen ist der Mädchentreff ein wichtiger Bestandteil. Wir hoffen sie haben gute Möglichkeiten sich auszutauschen und zu beschäftigen. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass wir die Besucherinnen auch wieder im persönlichen Kontakt unterstützen können und dass sie in Schule und Freizeiteinrichtungen gut wieder ankommen.

Vielen Dank für das Interview!

Anmerkung: ProMädchen schreibt eigentlich das Wort Mädchen* mit Sternchen, was hier aus technischen Gründen nicht im ganzen Text möglich ist. Mit dem Sternchen an den Worten „Mädchen“ und „Frau“ soll verdeutlicht werden, dass dahinter vielfältige Identitätsentwürfe stehen können. ProMädchen Mädchenhaus Düsseldorf ist ein Ort für alle, die sich im Moment als Mädchen(mit Sternchen) oder Frau( mit Sternchen) verstehen, es nicht mehr sein wollen oder es gerne sein möchten.

Lies auch das Interview mit dem Tivolotte Mädchen*club

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Autorin / Autor: Redaktion/ Mädchentreff Leyla - Stand: Mai 2020