Wir haben mehr Platz

Der Bundesverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge findet die Aufnahme von nur 50 Minderjährigen völlig unzureichend

Bild: Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V.

Nicht nur wir leiden unter der Corona-Krise - für geflüchtete Menschen, die unter katastrophalen Bedingungen in etlichen Camps auf Griechenland leben, ist die Situation schon vor der Krise unerträglich gewesen und jetzt wird sie immer schlimmer. Deshalb will die Europäische Union nun minderjährige Geflüchtete aufnehmen, die ohne Eltern oder sonstige Familie in den Lagern leben. Zehn EU-Länder haben in einer "Koalition der Willigen" vereinbart, gemeinsam bis zu 1600 Flüchtlingskinder aufzunehmen. Deutschland hat sich bereit erklärt, 50 Minderjährige aufzunehmen. Diese Zahl findet der Bundesverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) allerdings völlig unzureichend und fordert die Bundesregierung auf, deutlich mehr tun, denn es gäbe ausreichend Platz.

Es könnten mindestens 2000 Plätze in Jugendwohngruppen angeboten werden
Seit dem 5.12.2019 sei die Zahl junger Geflüchteter die im Rahmen der Kinder und Jugendhilfe betreut und versorgt werden von 30.408 auf 26.432 gesunken. Zahlreiche Plätze in Jugendwohngruppen seien damit erst kürzlich frei geworden. Eine Blitzumfrage des Bundesfachverbandes unter seinen Mitgliedsorganisationen habe zudem ergeben, dass in kürzester Zeit hochgerechnet etwa 2000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unter Wahrung des Infektionsschutzes in Jugendwohngruppen aufgenommen werden könnten - mit etwas mehr Vorlaufzeit könnten es sogar deutlich mehr sein. Nach dem Rückgang der Zugangszahlen verfüge die Jugendhilfe über ausreichende Kapazitäten und aufgrund der noch vorhandenen sehr guten Infrastruktur gäbe es auch beste Voraussetzungen für eine nachhaltige Integration.

Warum darf die Jugendhilfe nicht helfen?
Die meisten der 2015 und 2016 aufgenommenen geflüchteten Minderjährigen habe sich gut integriert und lebe inzwischen vielfach unabhängig von staatlicher finanzieller Unterstützung. "Wozu hat die Jugendhilfe in Deutschland teils jahrzehntelange Erfahrungen und fachliche Kompetenzen in der Versorgung und Betreuung junger geflüchteter Menschen gesammelt, wenn sie nicht genau in diese Krisensituation helfen darf?" fragen sich die Mitarbeiter_innen des BumF.

Hilfsbereitschaft nicht länger blockieren
"Eine Aufnahme von 50 Minderjährigen ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Circa 40.000 Geflüchtete leben unter völlig menschenrechtswidrigen Bedingungen auf den griechischen Inseln. Sie müssen umgehend evakuiert werden. Die Jugendhilfe in Deutschland kann und will hierzu ihren Beitrag leisten, die Bundesregierung darf diese Hilfsbereitschaft nicht länger blockieren." so der Appell des Vereins.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung/ Redaktion