Kleine Klassen sind nicht immer besser

Forschung zur Auswirkung von Klassengrößen auf das Lernen

Kleinere Klassengrößen in Schulen gelten oft als wünschenswert, besonders bei Eltern. In Klassen mit weniger Schüler_innen behalten Lehrkräfte leichter die Kontrolle und den Kindern und Jugendlichen kann mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden - so die Theorie. Daher begrenzen viele Länder die maximale Größe einer Klasse, oft bei etwa 30 Schüler_innen.
Schaut man sich allerdings verschiedene Forschungsarbeiten dazu an, so sind die Ergebnisse dazu nicht einhellig: manche Studien finden Vorteile, andere nicht. Darüber hinaus waren diese Studien oft eher klein angelegt, konzentrierten sich tendenziell auf das Lesen und die Mathematik und berücksichtigten nicht, welchen Einfluss die Klassengröße auf nicht-kognitive Fähigkeiten wie Interesse und Aufmerksamkeit hatten.

Um ein klareres Bild zu erhalten, beschlossen Professor Spyros Konstantopoulos und Ting Shen von der Michigan State University, USA, Daten der Studie "Trends in International Mathematics and Science Study" (TIMSS) zu analysieren. Seit 1995 überwacht TIMSS alle vier Jahre die Leistung von Schüler_innen der vierten und achten Klasse aus rund 50 Ländern in Mathematik und Naturwissenschaften. Es erfasst die akademischen Fähigkeiten der Schüler_innen in diesen Fächern sowie ihre selbstberichtete Einstellung und ihr Interesse an ihnen und enthält auch Informationen über die Klassengröße.

Um die Analyse überschaubarer zu gestalten, werteten die Forscher nur Schüler-Daten von achten Klassen in vier europäischen Ländern - Ungarn, Litauen, Rumänien und Slowenien aus. Ihre Entscheidung fiel auf diese vier Länder, weil sie alle maximale Klassengrößen vorschreiben, was die statistische Analyse zuverlässiger macht. Trotz dieser Einschränkungen umfassten die Daten immer noch 4.277 Schüler_innen aus 231 Klassen an 151 Schulen, was sie deutlich größer macht als die meisten früheren Studien zur Klassengröße. Es war auch die erste Studie, die die Auswirkungen der Klassengröße auf naturwissenschaftliche Fächer untersucht hat, wie Biologie, Chemie, Physik und Geowissenschaften und die auch nicht-kognitive Fähigkeiten umfasste.

Kleinere Klassen nicht überall gleich vorteilhaft
Die Analyse ergab, dass kleinere Klassengrößen sich nicht überall gleich positiv auswirkten. Während Kleingruppen in Rumänien und Litauen mit Vorteilen verbunden waren, war es in Ungarn und Slowenien nicht so. Die positiven Auswirkungen waren am deutlichsten in Rumänien: Dort zeigte sich, dass kleinere Klassen mit größeren akademischen Leistungen in Mathematik, Physik, Chemie und Geowissenschaften sowie mit mehr Spaß am Matheunterricht verbunden waren. In Litauen wirkten sich kleinere Klassengrößen jedoch hauptsächlich auf die nicht-kognitiven Fähigkeiten aus, dort entwickelte sich z.B. mehr Spaß am Lernen von Biologie und Chemie, was aber nicht automatisch nicht mit höheren akademischen Leistungen verbunden war. Die positiven Auswirkungen waren auch nur in bestimmten Jahren zu beobachten.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Verringerung der Klassengröße nicht automatisch eine Verbesserung der Schülerleistung garantiert, erklärt Professor Konstantopoulos. "Viele andere Prozesse und Dynamiken im Klassenzimmer wirken mit, um erfolgreiche Ergebnisse beim Lernen von Schülern zu erzielen."

Die Forscher glauben, dass die Klassengröße deshalb positivere Auswirkungen auf die Schüler_innen in Rumänien und Litauen gehabt haben könnte als in Ungarn und Slowenien, weil rumänische und litauische Schulen über weniger Ressourcen verfügen. Wenn also weniger und nicht so qualifizierte Lehrkräfte eingesetzt werden, können kleinere Klassengrößen Abhilfe schaffen, so die Forscher.

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