Boozed: ONE MILE

Grundehrlicher Rock'n'Roll zum Mitwippen. Hörbar, tanzbar, sympathisch.

Boozed

Fünf Jungs aus Norddeutschland gründeten einst eine AC/DC Coverband, im zarten Durchschnittsalter von 16 Jahren. Sie nannten sich "Boozed", was soviel heißt wie betrunken, doch lasst uns die Sache ersteinmal nüchtern betrachten. Heute sind sie allesamt volljährig und schreiben ihre eigenen Songs. Dem Genre sind sie jedoch treu geblieben, mit Ähnlichkeiten zu bekannten Rockgrößen wie ihren einstigen Vorbildern AC/DC. Am 8.Mai erschien nun ihr viertes Album in voller Eigenregie bei dem hauseigenen Label "Chequers74". "One Mile" heißt das gute Stück, das guten Gewissens eine Platte voll mit bodenständigem Klassikrock genannt werden kann. Und genau das ist es, was diese Band will: Nicht immer nur versuchen alles neu zu erfinden, sonder echten Rock´n´Roll machen.

Und so fühle ich mich irgendwie gleich richtig wohl, wenn ich die CD in meine Anlage werfe. Das klingt wie früher, als kämen die Jungs aus einer längst vergangenen Zeit. Ich bin überrascht, wie erwachsen diese junge Band klingt. Als wüssten sie genau, was sie wollen. Große Stilbrüche und Experimente sind für sie nicht notwendig. Normalerweise wirkt dies auf mich recht ermüdend, doch in diesem Fall habe ich keinesfalls den Eindruck, dass das durchgezogene Thema an dem Unvermögen liegt etwas anderes zu machen. Die Mitglieder von "Boozed" sind ganz einfach nur von ihrer Sache überzeugt und haben es nicht nötig großes Zierwerk um ihre Songs zu basteln. Dieser ehrliche Rocksound begeistert mich vom ersten Titel an. Keine unpassenden Genrewechsel, tonalen Ausrutscher oder  krampfhaften Neufindungen. Bei dieser Platte weiß man einfach, woran man ist. Einzig und allein das Cover mag ein wenig irritierend sein, eine Schildkröte ist ganz und gar represantiv für dieses Album auf der Überholspur!

Seit langer Zeit kann ich einmal wieder sagen, dass mich eine Band mit ihrem musikalischen Können überzeugt. Nicht nur die raue und kraftvolle Stimme Markus Strothmanns, auch die beiden Gitarristen Michael Ponert und Nico Choczko leisten großartige Arbeit. Tim Mischke sorgt für den dröhnenden Bass und Klaas Ukena bringt mit seinen dynamischen Drums Leben in die 12 Songs. Für so manchen Track holten sie sich auch Verstärkung, wie zum Beispiel Nummer Vier "Circus", mit einem Solo von Nicke Andersson, Sänger der "Hellacopters". Wirklich nötig hat "Boozed" diese Hilfe nicht, sie sind längst erwachsen geworden und leisten richtig gute Arbeit. Auf der ganzen Platte konnte ich keinen einzigen schwachen Titel entdecken und ich frage mich, wo ich in den letzten Jahren war, in denen die drei Vorgängeralben herauskamen.

Das hat unserer Musiklandschaft lange gefehlt! Ich kann bezüglich dieser CD nur einen Rat geben: kaufen, kaufen, kaufen! Zumindest wenn man auf grundehrlichen Rock´n`Roll zum Mitwippen steht. Diese Platte lässt ein Stückchen Musikgeschichte wiederaufleben und kann guten Gewissen neben den Klassikern eingereiht werden. Hörbar, tanzbar, sympathisch. Unterstützt die junge Kunst, sie ist eure holde Aufmerksamkeit wert!

Musikalische Kostprobe

Weiter >>>

Autorin / Autor: faba - Stand: 12. Juni 2009