Jürgen Zmelty

Schreinerei u. Tischlerei für historische Baustoffe

In der Dinkholder Mühle in Lahnstein befindet sich nicht nur die Schreinerei von Jürgen Zmelty, sondern auch sein Historischer Baustoffhandel. Von antiken Türen und Fenstern über Beschläge bis hin zu historischen Baustoffen aus Stein, Metall, Glas und Holz findet man hier (fast) alles, was das Herz begehrt. Die Dinge, die Jürgen Zmelty anbietet, zeigen nicht nur, wie die Menschen früher gelebt und gearbeitet haben, sie vermitteln auch Einblicke in die Entwicklung der Handwerkskunst. Aus Respekt davor und vor der Umwelt rettet Jürgen Zmelty mit seinem Team seit vielen Jahren historische, unwiederbringbare Baustoffe vor der Zerstörung.
Im Interview mit LizzyNet erzählt er Näheres über die Hintergründe...

Wie ist es denn eigentlich dazu gekommen, dass Sie zusätzlich zur Schreinerei noch den Historischen Baustoffhandel eröffnet haben?
Ich habe schon immer gerne Dinge gesammelt, und als ich in der Schreinerlehre war, musste ich oft alte Türen oder Fenster ausbauen und neue, aber aus weniger wertigem Material, einbauen. Die alten Türen oder Fenster landeten dann im Abfall-Container, was ich absolut irre fand. Ich begann dann, zuerst die alten Beschläge aus Eisen und Messing abzubauen und zu sammeln, worüber meine Kollegen zunächst mal die Nase rümpften. Sie fanden es zwar irgendwie "süß", aber konnten das nicht verstehen.

Glauben Sie, dass sich das heute verändert, wo doch viel über Nachhaltigkeit geredet wird?
Nein, ich glaube, das hat sich nicht verändert, denn die gesamte Industrie hat eine derart starke Lobby; wir würden ja von der Politik hofiert, wenn es anders wäre. Im Gegenteil: Oft wird mein Betrieb sogar als Sondermüllplatz wahrgenommen, weil ich hier historische Baustoffe lagere. Natürlich nicht von meinen Kunden, die diese Baustoffe wertschätzen, aber von Leuten, die ständig nur Neues kaufen und ihre alten Sachen auf den Sperrmüll werfen.

Wer gehört denn zu Ihren Kunden? Ist das immer der gleiche Kreis oder sehen Sie auch Veränderungen?
Es gibt definitiv Veränderungen! Vor 20 Jahren musste ich noch ausführlich erklären, was ich hier tue, warum ich historische Bauteile sammle und verkaufe, und dass das Umweltschutz pur ist. Dafür haben wir auch 2007 den Umweltpreis Rheinlandpfalz bekommen. Damals kauften Leute auch gerne antike Möbel, abgebeizt versteht sich, weil sie es schön fanden, die Maserungen des Holzes zu sehen, die kunstvoll gearbeiteten Beschläge usw. Heute gibt es zwar bei jungen Leuten auch eine Vorliebe für Shabby Chic, aber sie kaufen dann eher nachgebaute, neue Produkte, die oftmals nur antik aussehen, aber neu produziert sind und aus Fernost importiert wurden. Diese Entwicklung, dass alles billig, billig ist, sehe ich übrigens auch im Handwerk. Immer weniger Leute beschäftigen einen ausgebildeten Schreiner; ich werde oft erst dann geholt, wenn andere an der Aufgabe gescheitert sind.

Macht Ihnen das Angebot von Privat zu Privat im Internet zu schaffen?
Absolut! Ebay und andere Plattformen bieten vielen Privatleuten jetzt die Möglichkeit, ihre Sachen auf diesem Markt zu verkaufen, und immer mehr Menschen suchen dann dort nach antiken Baumaterialien.

Wie kommen Sie denn an die historischen Baustoffe? Arbeiten Sie da mit Abbruchunternehmen zusammen, oder wie läuft das?
Das ist schwierig: Sobald ein Hausbesitzer sein Haus abreißen und entsorgen lassen will, darf er theoretisch nichts mehr davon verkaufen. Will er es dagegen "wirtschaftlich rückbauen" und die Bauteile verkaufen, darf er das, weil er es aus einem wirtschaftlichen Interesse tut. Es ist aber schwierig, so etwas mit einem Abbruchunternehmen zu vereinbaren, denn dieses muss - zumindest in Rheinlandpfalz - das ganze Innenleben eines Hauses entsorgen, da es als "Schadstoffklasse 4" eingestuft wird und somit Abfall ist. Wenn es dann zum Beispiel eine alte Holztreppe vor der Müllverbrennungsanlage retten oder auch Backsteine aus einer alten Mauer getrennt sammeln will, um sie zu verkaufen, muss erst für viel Geld eine Schadstoffprüfung durchgeführt werden, und das ist vielen dieser Unternehmen zu aufwändig. 

Sind Sie der Meinung, dass die frühere Bauweise generell besser war als heute?
Das würde ich nicht pauschal sagen. Was aber schon der Fall war, ist, dass Vieles wieder- und weiterverwendet wurde: Aus alten Wagenrädern oder Hufeisen wurden Türbänder, Futtertröge oder Schleifsteine aus Stein bekamen ein zweites Leben als Stufen. Heute geht das nicht mehr, weil die meisten Baustoffe beim Abbruch zerkleinert werden und dafür dann unbrauchbar sind. Auch die Materialien, die fürs Mauern oder Streichen benutzt wurden, waren weniger aufwändig. Es gibt sie zwar heute noch (Kalk zum Anstreichen eines Hauses zum Beispiel würde nur 11 Euro kosten), aber die Industrie hat kein Interesse daran, das zu verkaufen, weil es kaum Geld bringt.

Abschließend: Machen Ihnen Ihr Beruf und Ihr Unternehmen Spaß?
Ja auf jeden Fall, obwohl es schon sehr anstrengend ist, am Markt zu bestehen und viele Mitarbeiter schon verschlissen hat, weil gute Handwerksarbeit nicht mehr ausreichend bezahlt wird.

Aber dafür leisten Sie wertvolle Arbeit für die Nachhaltigkeit und den Ressourcenschutz!
Ja, das stimmt und das macht mich auch stolz!

Vielen Dank für das Interview!