Ich bin die Beste

Studie zum Flunkern im Bewerbungsgespräch: Wer übertreibt, gewinnt – und ist oft besonders leistungsfähig

"Ja, das kann ich! Ja, darin habe ich viel Erfahrung! Ja, ich bin sehr belastbar!" Wer würde nicht zu ein paar klitzekleinen Übertreibungen neigen, wenn man es geschafft hat, endlich zu einem Vorstellungsgespräch bei seinem Traumjob oder zum gefragten Masterstudienplatz eingeladen zu werden? Über 90 Prozent der Bewerber_innen geben an, in solchen Gesprächen vermeintlich erwünschte Antworten zu geben, um einen besseren Eindruck zu machen.

Psycholog_innen der Universität Ulm haben das sogenannte „Faking“ in Auswahlgesprächen jetzt untersucht und fanden heraus, dass diejenigen, die ihre Antworten den vermuteten Anforderungen angleichen, tatsächlich besser beurteilt werden. Allerdings müssen Arbeitgeber_innen nicht fürchten, auf Betrüger_innen hereinzufallen, denn wie die Studie zeigt, lässt erfolgreiches Faking auf eine hohe kognitive Leistungsfähigkeit schließen.

„Bisher gab es zahlreiche Studien, die belegen, dass Bewerber in Persönlichkeitstests durch Faking ein deutlich positiveres Bild abgeben. Inwieweit Faking in Auswahlgesprächen jedoch ebenfalls zu besseren Leistungsbeurteilungen führt und ob es die Vorhersagekraft dieser Gespräche beeinträchtigt, war bis jetzt völlig unklar“, erläutert Professor Klaus Melchers.

Um Faking in Auswahlgesprächen auf die Spur zu kommen, haben die Forscher umfangreiche Erhebungen mit 111 studentischen Proband_innen  durchgeführt, die zu jeweils zwei Interviews eingeladen wurden. Bei einem Gespräch erhielten sie die Anweisung, sich bestmöglich als idealer Bewerber für ein hochselektives Masterprogramm zu präsentieren. Darüber hinaus wurde gutes Abschneiden mit Geldpreisen belohnt. Ein weiteres Interview, bei dem vergleichbare Fragen gestellt wurden, lief in deutlich entspannterer Atmosphäre ab: In diesem Fall sollten die Proband_innen einfach nur ehrlich über ihr Studienverhalten berichten. Zwischen den beiden Gesprächen lagen mindestens zehn Tage. Zuvor hatten die Studienteilnehmer_innen einen Online-Fragebogen zu Persönlichkeitsmerkmalen und ihrem Notendurchschnitt ausgefüllt. Kommiliton_innen gaben weitere Hinweise auf ihre Studienleistung.

„Faking erfordert ein hohes Ausmaß an kognitiven Fähigkeiten: Bewerber müssen blitzschnell die Ziele des Interviewers erkennen und eine Antwort formulieren, die zum bisherigen Wissen des Gesprächspartners über ihre Person passt“, erklären die Autor_innen. Deshalb absolvierten alle Proband_innen einen zusätzlichen Intelligenztest sowie den so genannten ATIC-Test (Ability to identify Criteria), der zeigt, ob die Getesteten Bewertungskriterien richtig erkennen können. Um Faking statistisch nachzuweisen und Auswirkungen nachzuvollziehen, wurden die bewerteten Antworten aus beiden Gesprächen gegenübergestellt sowie mit den Resultaten der weiteren Erhebungen, etwa zur Leistungsfähigkeit im Studium, verglichen.

Die Ergebnisse der Arbeits- und Organisationspsycholog_innen: „Tatsächlich sind Bewerber besser beurteilt worden, wenn sie 'Faking' einsetzten. Das Ausmaß der Verbesserung hing jedoch systematisch mit dem Abschneiden beim Intelligenz- sowie ATIC-Test zusammen“, erklärt Dr. Anne-Kathrin Bühl. Daraus schließen die Forscher_innen, dass das Flunkern im Bewerbungsgespräch offnbar nicht dazu beiträgt, dass die „falschen“ Bewerber_innen mit weniger Potenzial ausgewählt werden. In der aktuellen Studie ließ sich die Studienleistung von Personen sogar besser anhand des Interviews unter „Faking-Bedingungen“ vorhersagen. Wenn es um die Vorhersage der so genannten kontextbezogenen Leistung im Studium ging, wie beispielsweise freiwilliges Engagement oder Hilfsbereitschaft, lieferte jedoch das „ehrliche“ Interview bessere Ergebnisse. Demnach mindert Faking nicht unbedingt die Aussagekraft von Bewerbungsgesprächen. Vielmehr kommt es darauf an, was genau die Interviewer wissen wollen. Die Studie ist im Journal of Business and Psychology erschienen.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 21. Februar 2018
 
 
 
 
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