Zärtlichkeit

Autor: Robert Cormier
Im tiefsten Herzen der Nacht weinen auch Monster...

Eric Poole fiel nie großartig auf, "was ein netter Junge" hatte man immer gesagt - bis er in Jugendhaft geriet. Das Urteil? Mord! Aber niemand weiß, dass seine Mutter und sein Stiefvater Harvey nicht die einzigen Opfer sind, und auch davon, dass seine Verletzungen nicht von Misshandlungen stammen, hat keiner nur den blassesten Schimmer. "Du bist krank, ein Monster!" Der alte Cop Proctor hat Eric durchschaut; er versucht, die Freilassung des Mörders zu verhindern, doch ihm fehlen die Beweise, und so wird Eric schließlich entlassen. Sein Verlangen nach dem Gefühl der Zärtlichkeit, dass ihn durchflutet während er einem Mädchen die Luft abschnürt, wird unerträglich. Sein nächstes Opfer ist schon ausgewählt, doch auf seinem Weg zu ihr lernt er Lori kennen, eine Ausreißerin. Sie kennt sein Geheimnis und ist die einzige noch lebende Zeugin, die gegen ihn aussagen könnte, eigentlich müsste Eric sie töten, aber ihr unschuldiges Wesen und ihre Zuneigung bringen ihn aus dem Konzept.

Robert Cormier erzählt von zwei völlig unterschiedlichen Menschen, Lori und Eric, die doch dasselbe suchen: Zärtlichkeit. Lori sucht diese bei Männern und Eric... er spürt Zärtlichkeit beim Töten. Die absurden Gedanken des Triebtätes Eric Poole werden in beängstigender Weise beschrieben. Er ist ein Monster, aber doch wird es im Laufe der Geschichte verständlich, was in ihm vorgeht und warum. Cormier schafft es, den Mörder zu einer zerbrechlichen, gefühlvollen und sympathischen Figur zu machen. Am Ende des Buches tat Eric mir sogar leid.

Ich fand die Geschichte sehr spannend, faszinierend, und das offene Ende lässt Spekulationen über Erics Zukunft zu. Erics Fall zeigt, dass es nicht nur gut und böse gibt, sondern auch etwas dazwischen. Ich konnte mich schnell in die jeweiligen Rollen hineinversetzen, und durch die Perspektivenwechsel werden die Reaktionen von Lori, Eric und Proctor verständlicher.

Autorin / Autor: SLAYETTE - Stand: 28. April 2003