Bartimäus - das Amulett von Smarkand

Man mische Harry Potter mit Terry Pratchett und lasse das Ganze von Bartimäus himself durchschütteln - und erhält eine spaßige und superspannende Geschichte, die einen in Bann hält, wie Nathanael seinen Dämon

Nathanael ist ein junger Zauberlehrling, der - ganz Harry-Potter-mäßig - ohne Eltern einsam und verlassen bei seinem ungeliebten Zaubermeister sein tristes Dasein fristen muss. Sein Meister, der nicht nur übertrieben streng und lieblos ist, sondern ihn auch noch total unterfordert, geht mit einem Schnecken-Lehrtempo vor, das Nathanael fast in den Wahnsinn teibt. Er lernt also heimlich und liest unbemerkt in Zauberbüchern, die  eigentlich noch nicht für seinesgleichen gedacht sind. So lernt er Beschwörungsformeln, mit denen mächtige Dämonen herbeigerufen werden können, zu mächtig für einen kleinen ungeduldigen Schlaumeier. So beschwört er Bartimäus und begeht ziemlich schnell eine Dummheit, die ihn dem Dämonen ausliefert, doch durch eine List gelingt es Nathanael den irgendwie liebenswerten Dschinn seinerseits an sich zu fesseln, so dass Bartimäus gezwungen ist, Nathanael bei seinem kindischen Rachfeldzug gegen den Zauberer Lovelace zu unterstützen. Dabei gerät nicht nur der Junge, sondern nicht allzu selten auch der mächtige Dämon in lebensbedrohliche Situationen.

Zauberer sind miese Schmarotzer
Natürlich muss man ein bißchen an Harry Potter denken, wenn Zauberer sich in Ministerien tummeln und ein verwaister Zauberlehrling sich mit mächtigen Geschöpfen anlegt und  dabei so manche Verschwörung aufdeckt. Aber doch hat "Bartimäus" etwas ganz Eigenes, denn in erster Linie geht es um den etwas selbstverliebten Dämon, der sich den Wünschen seines neunmalklugen 12jährigen Herren beugen muss - ob er will oder nicht. Die Hälfte der Kapitel wird aus seiner Perspektive erzählt - in einer lapidaren, trockenen und humorvollen Art, in der so manche Grausamkeit als Lappalie abgetan wird. Die fantastische Welt, in der sich die Gewöhnlichen (Menschen) gegen die Herrschaft der Zauberer aufzulehnen versuchen, etabliert sich selbstverständlich. Alles ist einfach so und nicht anders und auch wenn man Harry-Potter und Herr-der-Ringe total verinnerlicht hat, glaubt man Bartimäus hier ohne Zögern, dass Zauberer eigentlich miese Schmarotzer sind, die ohne ihre Dämonen völlig wehrlos sind und gar nix können! Ausnahmen bestätigen möglicherweise die Regel ;-).

Ein Knaller
Und darum ist das Buch ein Knaller wie die Detonationen Bartimäus', weil man den Schilderungen einfach folgt, ohne das Gefühl zu haben, man befinde sich in einer dieser mühsam konstruierten und gewollten Fantasywelten, in die man sich erst qualvoll reinversetzen muss. In "Bartimäus" wirkt alles glaubhaft, sofort gerät man in einen Sog, dabei geht es lustig, locker aber auch sehr spannend zu und die Geschichte hält einen bis zum Finale in ihrem Bann wie Nathanael seinen Dämon. Wer Harry Potter liebt und sich auch gerne mal einen Terry Pratchett reinzieht, der wird begeistert sein von Bartimäus - so wie ich. Und das beste ist: Bartimäus ist eine Trilogoie und soll sogar verfilmt werden. Wann kommt nur der zweite Band?

Autorin / Autor: luthien - Stand: 8. Juni 20004