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Upcycling-Taschen aus gebrauchten Drucktüchern

Das Material

Unser Unternehmen wurde 2009 gegründet und fertigt Upcycling Taschen aus gebrauchten Drucktüchern. Diese fallen beim Offsetdruckverfahren an, können nicht wiederverwertet werden und landen im Hausmüll. Unsere Drucktücher bekommen wir von den Druckereien in der näheren Umgebung, die sie gerne abgeben, da sie ansonsten weggeworfen werden müssen. Für einige Druckereien stellen wir sogar eigene Taschen her, die diese dann an ihre Kunden weitergeben.

Als zusätzliche Materialien werden gebrauchte Sicherheitsgurte und gebrauchte Kabel verwertet. Unsere Sicherheitsgurte holen wir vom Schrottplatz, hier werden sie normalerweise nicht gesondert entsorgt. Günstiger wird es wenn wir sie selbst herausschneiden. Kabel bekommen wir ebenfalls von umliegenden Firmen, meist fallen sie bei Umbauten oder bei der Anschaffung neuer Computer an. Somit versuchen wir wertvolle Rohstoffe zu schonen und unseren Abfallberg zu verringern.

Die Mitarbeiter_innen
Wir beschäftigen Mitarbeiter_innen, die in der normalen Arbeitswelt kaum eine Chance haben. Wir sind jedoch keine Behindertenwerkstätte und arbeiten ohne jegliche Zuschüsse. Unsere Mitarbeiter sind z.T. älter, d.h. sie sind sowohl vom Arbeitstempo als auch von der Auffassungsgabe schlicht zu langsam für ein Unternehmen. Oder nach einer Krebserkrankung von der Krankheit gezeichnet und in der Belastbarkeit eingeschränkt. Bei chronisch Kranken haben wir immer wieder Ausfallzeiten und extreme Leistungsschwankungen. Mütter haben auch heute noch das Problem der Kinderbetreuung, bei auffälligen Kindern ist dies besonders schwer. Gerade für diese Mütter ist es jedoch extrem wichtig, Bestätigung durch ihre Arbeit zu erfahren. Mitarbeiter, die die deutsche Sprache gar nicht oder kaum beherrschen, können hier ihren Einstieg bekommen.

Besuch erwünscht!

Dieses Projekt können Schulklassen oder Jugendgruppen besuchen. Fairbag bietet auch Workshops für Jugendgruppen an. Bei Interesse bitte eine Mail an redaktion(at)lizzynet.de schicken.

Die meisten unserer Mitarbeiter_innen haben einen langen Leidensweg hinter sich. Zum einen erfahren sie Druck durch die Arbeitsagenturen, zum anderen ist ihr Selbstvertrauen durch ihre Misserfolge meist ganz unten, sodass sie sich eigentlich nichts mehr zutrauen und positive Erfahrungen gar nicht mehr stattfinden. Für diese Menschen ist ein Wiedereinstieg kaum machbar. Nicht weil sie nicht wollen, sondern weil sie es sich schlicht und einfach nicht mehr zutrauen. Hier wollen wir ihnen die Möglichkeiten geben, ihre Stärken wieder zu entdecken, einzubringen, eine Bestätigung zu erhalten.

Das Design
Gelungenes Upcycling sollte auch ein gutes Design beinhalten, damit es erfolgreich am Markt bestehen kann. Unsere Kunden sehen zuerst das Design, wenn das nicht ankommt, spielt auch der Umweltaspekt keine Rolle. Unsere Taschen werden nicht von einem einzelnen entworfen, sondern von der kompletten Belegschaft entwickelt. D.h. eine Grundidee (von einem Kunden, einem Vertriebspartner, einem Mitarbeiter) wird aufgezeigt, wird allen zur Verfügung gestellt, und jeder macht seine Vorschläge. Hierdurch erreichen wir, dass jeder der Mitarbeiter sich mit dem Produkt identifizieren kann, außerdem stärkt dieses Mitwirken das Selbstvertrauen.

Die Fertigung
Die erste Ausführung wird dann zusammen hergestellt. Da die Fähigkeiten der Mitarbeiter sehr unterschiedlich sind, fertigen wir in sehr kleinen Arbeitsschritten. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass jeder zumindest einen Schritt selbständig ausführen kann. Unsere Arbeitsplätze sind immer Gruppenarbeitsplätze, da ein Austausch wichtig und erwünscht ist. Durch dieses Miteinander lernen sie die Schwächen der Kollegen zu akzeptieren, können sich gegenseitig helfen, was wiederum ihr eigenes Selbstvertrauen stärkt und ihnen zeigt, dass auch ihre Schwächen akzeptiert werden.

Pausen finden stündlich statt, da eine längere konzentrierte Arbeit meist nicht möglich ist, aber auch dass kleine und größere Probleme miteinander ausgetauscht werden können. Auch für Mitarbeiter mit sprachlichen Einschränkungen ist dieser Austausch sehr wichtig, da gerade hierbei die deutsche Sprache gelernt wird.

Durch Kontakte in andere Unternehmen können wir Mitarbeiter_innen, die wieder festen Boden unter den Füßen haben, bei einem Einstieg weiterempfehlen. Leider ist dies in den letzten Jahren kaum mehr machbar, da es immer mehr Menschen gibt, die dem Druck der Arbeitswelt einfach nicht mehr standhalten können.

Durch unsere offene Produktion können Vertriebspartner und Endkunden während der Produktion den Mitarbeitern bei der Produktion zuschauen. Hierdurch erfahren die Mitarbeiter die direkte positive Bestätigung durch den Besucher.

Das außergewöhnliche an unserem Unternehmen ist nicht nur das was wir tun, sondern wie wir es tun! Nachhaltigkeit nicht nur unserer Umwelt gegenüber, sondern auch gegenüber den Menschen!

Über das Upcycling-Projekt auf LizzyNet