Hot Spot der Krabbeltiere

Motten, Käfer, Spinnen & Co bevölkern unsere Wohnungen - US-Studie findet 100 Arten pro Haushalt

Wer nach Artenvielfalt oder biologischen Hot Spots Ausschau hält, muss den Blick gar nicht in die Ferne schweifen lassen. Manchmal liegt das Gute - je nach Geschmack vielleicht auch das Schlechte - nämlich ganz nah. Erschreckend nah.

Eine fantastisch vielfältige Welt liegt uns nämlich in unserem eigenen Heim quasi zu Füßen. Die Untersuchung, um die es hier geht, wurde zwar in US-amerikanischen Haushalten durchgeführt, wir können aber getrost davon ausgehen, dass es sich bei uns ganz ähnlich verhält.

Forscher_innen der North Carolina State University in Raleigh haben eine Art tierische Volkszählung in insgesamt 50 freistehenden Häusern durchgeführt und haben dabei ganze fünf Räume entdeckt, die frei von inoffiziellen Mitbewohnern waren. In allen anderen Räumen fand sich eine Vielzahl von Spinnen, Fliegen, Ameisen, Gallmücken, Käfern aller Art, Staubläusen, Silberfischen und allem, was sich sonst noch unter dem Stichwort Arthropoden so zusammenfassen lässt. Über 500 Arten fanden die Forscher_innen, pro Haushalt durchschnittlich 100 verschiedene.

Der Wissenschaftler Matt Bertone versucht aber zu beruhigen: "Auch wenn wir eine bemerkenswerte Vielfalt solcher Kreaturen gesammelt haben, wollen wir nicht, dass die Leute den Eindruck bekommen, dass all diese Arten auch aktuell in ihren Haushalten wohnen. Viele der gefundenen Arthropoden sind von draußen hereingekommen, durch Schnittblumen hereingebracht worden oder sind anderweitig aus Versehen in die Wohnungen gelangt. Weil sie nicht dafür ausgestattet sind, in unseren Häusern zu leben, sterben sie für gewöhnlich recht schnell."

Davon abgesehen ist die große Mehrzahl unserer tierischen Wohngemeinschaft harmlos, wenn nicht gar nützlich. Spinnen etwa sorgen dafür, dass andere, durchaus lästigere Mitbewohner wie Mücken nicht die Überhand gewinnen. Aber allein die Tatsache, dass wir die Vielzahl unserer Mitbewohner erst gar nicht bemerken, zeigt, wie wenig wir mit ihnen in Interaktion treten und wie selten sie uns tatsächlich in die Quere kommen.

Für alle, denen sich bei der Vorstellung nun sämtliche Haare aufstellen: Vielleicht lebt ihr ja gar nicht in einem freistehenden Haus, sondern im 15. Stock eines Hochhauses? Das lässt hoffen!

Vielleicht gib es in eurem Haushalt nicht 100 verschiedene, sondern nur 15 verschiedene Arten und nur solche, die ihr eigentlich voll süß findet? Aber vielleicht lest ihr das ja auch mit dem guten Gefühl, dass ihr nie ganz allein seid, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint. Und so manchem dürfte vielleicht auch schon die Erkenntnis gekommen sein, dass es sich mit Staubläusen und Kugelspinnen vermutlich besser zusammenwohnen lässt als mit so mancher menschlicher Spezies. 

Quelle

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 28. Januar 2016