Pfui Spinne

Wie könnte ein Text über Spinnen anders heißen als "pfui Spinne"?
Die meisten Menschen ekeln sich vor Spinnen - "eigentlich" grundlos!

Ob Franz Kafka auch an Spinnen dachte, als er den folgenden schönen Ausspruch aufschrieb: „In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte.“? Möglich wäre es. Wahrscheinlicher aber ist, dass auch er sich - wie die meisten - eher geekelt hat, wenn ihm unversehens eine Spinne - etwa die Wespenspinne, die ihr auf dem Foto links sehen könnt - über den Handrücken gekrabbelt wäre. Viele Menschen geraten sogar vollkommen in Panik, wenn sie eine Spinne nur sehen, wofür es den Begriff "Arachnophobie" gibt. Männer sind davon übrigens genauso häufig betroffen wie Frauen...

Große Angst vor kleinen Tieren

Aber woher kommt diese Spinnen-Panik? Warum kann man vor - in der Regel - so kleinen Tierchen so große Angst haben? Nur weil sie lange, dürre und behaarte Beinchen haben, extrem schnell sind und Augen wie aus einem Gruselfilm habeng? Es gibt ein paar Theorien, die erklären, woher die - eigentlich unbegründetete - Furcht vor Spinnen wie auch vor anderen "Ekeltieren" wie Schlangen und Ratten kommen könnte:

  • Spinnen weichen stark vom Körperschema des Menschen ab, sind also "fremd"
  • Spinnen tauchen plötzlich auf - auch in Körpernähe, man erschreckt sich
  • Sie ändern ganz schnell und unvorhersehbar ihre Bewegungsrichtung
  • Kinder, die z.B. bei einem Elternteil Spinnenangst erleben, lassen sich leichter "anstecken" von der Angst vor Spinnen
  • Evtl. Ekel vor Schmutz, mit dem Tiere in Zusammenhang gebracht werden
  • Evtl. angeborene Schutzreaktion vor Giftspinnen

Was man kennt, fürchtet man nicht

Vielen Menschen, die sich vor Spinnen fürchten, fehlen vielleicht aber auch einfach ein paar Informationen über die kleinen Viecher. Denn: was man kennt, fürchtet man nicht! Spinnen sind, zumindest was die europäischen Arten anbelangt, harmlos und einfach nur nützlich. Gäbe es die Spinnen nicht, würden Insekten unsere Felder und Gärten kahlfressen und uns Menschen noch mehr piesacken... Man sollte also Spinnen und ihre Netze niemals zerstören! In einigen Gegenden Afrikas ist es sogar üblich, Äste in die Fensteröffnungen des Hauses zu stellen, um Spinnen anzulocken - die ein natürliches Moskitonetz weben.
Spinnen sind bewunderswerte Geschöpfe, raffinierte Jäger, die Netze sind wahre Wunderwerke - aus ihren Fängen entkommt höchstens im Trickfilm die Biene Maja. Im echten Leben – keine Chance! Die Spinnen in Deutschland (pro Hektar leben mehrere Millionen Stück) fressen während eines Jahres etwa 6 Millionen Tonnen Insekten – das ist so viel wie alle Deutschen zusammen wiegen. Spinnen können ohnehin ganz schön was „abschleppen“: eine Spinne kann so viel tragen, dass im Vergleich dazu ein Mensch einen Güterzug auf seinen Schultern transportieren müsste...

Arachnida - die Legende der eifrigen Arachne

Spinnen sind genau genommen keine Insekten, gehören aber wie diese zur Gruppe der Gliedertiere, auch Arachnida genannt. Namensgeberin war die unglückliche Arachne. Ihre Legende geht so: Die Göttin Athene hatte Arachne das Weben beigebracht - nur leider war Arachne sehr schnell besser als Athene und ließ sie dies auch spüren. Sie verlangte einen Wettbewerb, der klarstellen sollte, wer die bessere Weberin ist. Arachnes Beitrag übertraf die Arbeit der Göttin, die daraufhin - wutentbrannt - Arachnes Teppich zerstörte und Arachne selbst in eine Spinne verwandelte.

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Autorin / Autor: Astrid Reinberger - Stand: 15. Juli 2003