Vitamin-C-reich und voller Ausbeutung

Studie: Orangensaft-Produktion missachtet Arbeitsrechte und ökologische Standards

© Sandra Dusch Silva (Christliche Initiative Romero)

Wie immer zur Herbst- und Winterzeit werden wir wieder angehalten, viel Vitamin C zu uns zu nehmen, um uns vor Erkältungen zu schützen - Zeit für das tägliche Glas Orangensaft auf dem Frühstückstisch. Und weil das Getränk im Supermarkt ja auch immer preiswerter zu haben ist, darf´s auch mal ein Gläschen mehr sein. Kein Wunder, dass das gesundheitsbewusste Deutschland Fruchtsaft-Weltmeister ist und der größte Abnehmer von Orangensaft aus Brasilien. Doch was für uns gesund und lecker ist, ist für die, die es produzieren eher ein bitteres Geschäft, denn sie können nicht davon leben, und können sogar davon krank werden. Die am 9. Oktober veröffentlichte Studie der Christlichen Initiative Romero e.V. (CIR) und der Umweltinitiative GLOBAL 2000 hat sich die gesamte Orangensaft-Lieferkette von den Plantagen Brasiliens bis in die deutschen Supermärkte mal genauer angesehen und bringt sowohl die prekären Arbeitsbedingungen als auch verheerenden Umweltauswirkungen der Orangensaft-Produktion ans Licht.

„Für knapp 10 Euro Tageslohn müssen die ArbeiterInnen ungefähr 1,5 Tonnen Orangen täglich ernten. Der Sonne sind sie ungeschützt ausgesetzt, wenn sie die wackligen Holzleitern mit bis zu 30 kg schweren Säcken hoch und runter steigen.“, fasst Sandra Dusch Silva von der CIR die Recherche-Ergebnisse zu den Arbeitsbedingungen in Brasilien zusammen.

Die Orangensaft-Industrie ist – in Brasilien wie in Deutschland – von einer enormen Konzernkonzentration gekennzeichnet. Obwohl die Hälfte des weltweit konsumierten Orangensaftes aus Brasilien stammt, betreiben aufgrund von Wettbewerbsverdrängung lediglich drei Großkonzerne Orangenanbau und Konzentrat-Gewinnung. Auch am Ende der Lieferkette stehen immer weniger Handelskonzerne, die in Deutschland Lebensmittel anbieten. Edeka, Rewe, Lidl/Kaufland und Aldi vereinigen 85 Prozent Marktanteil auf sich und diktieren damit indirekt die Arbeitsbedingungen von Millionen Beschäftigten, berichtet CIR. Dabei sei die Produktion und der Verkauf von Eigenmarken laut CIR und Global 2000 eine zentrale Strategie der europäischen Handelsunternehmen: Anstatt Produkte eigenständiger Marken zu handeln, stellen Supermärkte verstärkt ihre eigenen Produkte her. In Europa werden 66% des Orangensaftes als Eigenmarken der Supermärkte und Discounter verkauft.

Dazu komme, dass in der brasilianischen Landwirtschaft extrem viele Pestizide eingesetzt würden. "In der Orangenproduktion werden dabei die größten Mengen Pestizide pro Hektar verbraucht", ergänzt Martin Wildenberg, Umweltexperte von GLOBAL 2000. "Dabei ist auch ein völliger Verzicht auf Pestizide im Orangenanbau möglich - wie bio- zertifizierte Betriebe überall auf der Welt beweisen."

Die Recherchen fanden im Rahmen der von der Europäischen Union geförderten Kampagne SUPPLY CHA!NGE statt. Gleichzeitig zur Veröffentlichung der Studie startet das Kampagnenbündnis eine europaweite Petition, die europäische Supermärkte auffordert, für ihre Eigenmarken soziale und ökologische Standards zu implementieren. Der Aufruf ist ab dem 08.10.15 auf www.supplychainge.org geschaltet.

Bereits im Jahr 2013 hatte die Christliche Initiative Romero e.V., damals gemeinsam mit der Gewerkschaft VER.DI eine Studie zu den Arbeitsbedingungen in der brasilianischen Orangensaft- Produktion vorgelegt. Das Urteil über die Entwicklungen der Branche von Studienleiterin Sandra Dusch sind empörend: „Trotz enormer Gewinne der brasilianischen Exportunternehmen und europäischer Handelsketten werden Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter zu Bedingungen beschäftigt, die sich nur noch als moderne Sklavenarbeit bezeichnen lassen.“

Das Kampagnenbündnis
Die Christliche Initiative Romero (CIR) setzt sich seit 1981 für Arbeits- und Menschenrechte in Ländern Mittelamerikas ein. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Unterstützung von Basisbewegungen und Organisationen in Nicaragua, El Salvador, Guatemala und Honduras sowie die Kampagnen- und Bildungsarbeit in Deutschland. Ziel ist, eine Brücke zwischen Ländern des Südens und Deutschland zu schlagen. Im Sinne ihres Namensgebers, des 1980 ermordeten salvadorianischen Erzbischofs Oscar Romero, setzt sich die Christliche Initiative Romero gegen Ungerechtigkeitsverhältnisse ein und ergreift Partei für die Armen.

GLOBAL 2000 ist Österreichs führende, unabhängige Umweltschutzorganisation. Als aktiver Teil von Friends of the Earth International (FOEI) setzt sie sich für eine intakte Umwelt, eine zukunftsfähige Gesellschaft und nachhaltiges Wirtschaften ein.

Hier gehts zur Studie

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteiung - Stand: 12. Oktober 2015
 
 
 

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