Bio bringt’s!

Ein Text von Carina Zacharias

Moritz und Chiara neben dem neuen Hoftraktor. © Carina Zacharias

Spätestens wenn auf dem Land der intensive Dünge-Geruch durch die Luft weht, ist klar: Der Frühling ist da! Wie Kuhmist riecht das dann. Und nichts anderes ist es auch. Stadtkinder finden den Geruch meist eklig. Doch für Chiara (8) und Moritz (12) ist das ganz normal. Denn sie leben mitten auf einem Biobauernhof, dem Laakenhof bei Beckum.

Mit lautem Gebrumm fährt der kleine rote Traktor über den sonnenbeschienenen Hof. „Der ist ganz neu!“, berichtet Moritz und sieht ihm nach. „Wir haben extra den Kuhstall ausgebaut, damit wir mit dem Traktor durchfahren können. Ich bin auch schon damit gefahren“, ergänzt er stolz.
Darum würden ihn sicher viele Jungen und Mädchen beneiden. Für Moritz und Chiara ist das Fahren eines Traktors jedoch etwas ganz Alltägliches, denn sie leben beide auf einem Bio-Bauernhof. Wann immer Hausaufgaben und Fußballtraining es zulassen, packen sie hier mit an. Denn auf so einem Bauernhof gibt es viel zu tun! Felder müssen bestellt, Tiere  gefüttert und Ställe ausgemistet werden. Schweine, Hühner, Laufenten und Kühe gibt es auf dem Laakenhof und außerdem Felder für Weizen und Gemüse, Obstplantagen, eine Käserei und Gewächshäuser. Die Haltung der Tiere und der Anbau von Gemüse und Obst erfolgen streng nach Bio-Standards. Doch was heißt das eigentlich?

„Es bedeutet, dass wir keine giftigen Pflanzenschutzmittel auf den Äckern verteilen und nicht so viel düngen wie andere Bauern“, erklärt Moritz. Düngen bedeutet, dass die Bauern im Frühling und Sommer Kot von Schweinen und Kühen auf den Feldern verteilen – daher rührt dann auch der Geruch. Das hilft den Pflanzen dabei, größer und schneller zu wachsen. Wird zu viel gedüngt,  verteilen sich jedoch die Nährstoffe aus dem Kot nicht nur auf den Feldern, sondern in der gesamten Landschaft und gelangen auch ins Grundwasser. Das ist nicht nur schädlich für die Gesundheit der Menschen, sondern auch für die Tiere und Pflanzen in der Natur. Der Laakenhof verwendet daher Stallmist als Düngemittel, der schonender ist und die Umwelt nicht zu stark belastet.

„Außerdem sind die Tiere hier glücklich“, erzählt Moritz weiter. „Sie dürfen noch frei herumlaufen.“ Tatsächlich flattern und laufen überall auf dem Hof laut gackernde Hühner durch die Gegend. „Erst abends müssen sie wieder in den Stall. Aber das wissen sie auch und kommen von selbst“, erklärt Chiara. „Nur wenn eine Henne mal draußen ein Nest baut, kann es sein, dass sie nicht wieder rein kommt.“

Eigentlich haben die Hühner einen eigenen Stall und dahinter einen großen Auslauf. Doch sie dürfen auch frei über den ganzen Hof und die Felder laufen.

Die Schweine stehen momentan noch im überdachten Auslauf, damit sie daran gewohnt werden, wieder auf die Wiese zu kommen. Auch die Kühe sollen bald wieder auf die Weide, nachdem sie den Winter im Stall verbracht haben.

„Wenn die Kühe im Frühjahr zum ersten Mal auf die Wiese kommen, sind sie immer außer sich vor Freude“, erzählt Moritz lachend. „Dann springen sie übermütig in die Luft und laufen herum wie verrückt.“

Im Winter stehen die Kühe im Stall, doch von Frühjahr bis Herbst dürfen sie draußen auf den Wiesen stehen und frisches Gras fressen.

So gut wie auf dem Laakenhof geht es aber nicht allen Kühen. Auf konventionellen Bauernhöfen verbringen die Tiere oft dicht an dicht gedrängt ihr ganzes Leben im Stall. Das ist dann in etwa so, als müsstest du dein Zimmer mit allen Kindern aus deiner Schulklasse teilen – und dürftest nie nach draußen! Von saftigen grünen Weiden und Auslauf an der frischen Luft können die Kühe nur träumen. Sie dürfen bloß herumstehen und Kraftfutter fressen, denn je weniger Platz sie brauchen und je schneller sie fett werden, umso mehr Geld kann mit ihnen gemacht werden. Auch gemütliches Stroh in den Stallboxen ist selten. Meist stehen die Kühe auf Spaltenböden, damit der Mist direkt durch die Spalten fällt und niemand ausmisten muss.

Das ist auf dem Laakenhof anders. Hier werden ganz absichtlich nur wenige Kühe gehalten, damit sie alle genug Platz haben. Und um jede einzelne wird sich gekümmert. Chiaras Lieblingskuh hieß Nordsee. Doch leider ist sie krank geworden und musste geschlachtet werden. „Das war wirklich traurig“, sagt Chiara. Dass ab und zu mal Kühe geschlachtet werden und dann bei ihnen zum Abendessen auf dem Teller landen, ist jedoch nicht ungewöhnlich. „Das ist normal“, sagt Moritz. „Ich bin ja damit aufgewachsen.“

Moritz hat sogar schon mal bei der Geburt eines Kalbs mitgeholfen: „Zuerst kam der Fuß raus. Und dann der Rest vom Kalb. Eine Kuh hatte sogar schon mal Zwillinge. Da war die aber ganz schön dick!“ Viel öfter als bei Geburten muss aber beim Melken geholfen werden. Dafür gibt es zum Glück eine praktische Melkmaschine, die einfach nur auf den Euter einer Kuh gesetzt wird. Aus der Milch werden dann in der hofeigenen Käserei verschiedenste Käsesorten und Joghurt hergestellt. Moritz‘ Lieblingskäsesorte trägt übrigens den lustigen Namen Bockshornkäse. Er wurde nach dem Bockshornklee benannt, der darin verarbeitet wird und für ein nussiges Aroma sorgt.

Der Käse, das Gemüse und das Obst werden in einem kleinen Laden direkt auf dem Hof verkauft oder an die Kunden ausgeliefert. In dem Hofladen dürfen sich Chiara und Moritz auch schon mal hier und da einen Apfel stibitzen.

Im Hofladen können die Kunden frisches Gemüse, Obst, Fleisch und Käse direkt vom Hof kaufen. Wer nicht selbst fahren möchte, kann sich aber auch eine Gemüsekiste direkt nach Hause bestellen.

Chiara und Moritz sind sich übrigens einig: Sie leben gerne auf dem Laakenhof. Und die vielen Hühner, Ente, Schweine und Kühe würden ihnen da sicher zustimmen, wenn sie sprechen könnten ...

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Autorin / Autor: Text und Fotos von Carina Zacharias - Stand: Oktober 2015
 
 

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