Hä? Wie? Wo?

Forscher_innen entdecken universelles "Reparatursystem" von Kommunikation

Hä? Wie jetzt? Was meinst du damit? Kaum ein Gespräch verläuft von vorne bis hinten ohne Verständnisproblem. Manchmal sind es nur einzelne Worte, ein andermal sind es ganze Zusammenhänge, die man nicht richtig verstanden hat. Das passiert überall auf der Welt, egal in welchen Sprachen. Was aber nicht weiter schlimm ist, denn ein Team von Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen fand heraus, dass Menschen weltweit bemüht sind, Unklarheiten in Gesprächen aufzudecken und mit diesen Mechanismen die Kommunikation sozusagen reparieren.

Für ihre Forschung nahmen die Linguisten zwölf Sprachen aus fünf Kontinenten mit sehr unterschiedlicher Phonetik und Grammatik unter die Lupe und analysierten Alltagsgespräche in den jeweiligen Sprachen. Das Spektrum reichte von Englisch, Russisch und Hochchinesisch bis zu Cha’paa in Ecuador, Siwu in Ghana und argentinischer Gebärdensprache. Dabei beobachteten sie, dass die Kommunizierenden im Schnitt alle 90 Sekunden damit beschäftigt waren, Missverständnisse zu beheben. Besonders interessant war, dass dies weltweit offenbar auf die gleiche Weise geschieht – egal in welcher Sprache die Gesprächspartner miteinander reden. Im Prinzip besteht dieser Mechanismus darin, den Gesprächsverlauf zu unterbrechen und durch Nachfragen um Klarstellung des gerade Gesagten zu bitten. „Ohne ein solches System würde unsere Kommunikation ständig fehlschlagen“, sagt Mark Dingemanse, Erstautor der gerade veröffentlichten Studie.

Drei "Reparatur"-Strategien
Insgesamt fanden die Sprachforscher drei grundlegende „Reparatur“-Strategien, um Missverständnisse in Gesprächen zu beseitigen. Die erste, die offene Nachfrage besteht meist nur aus einem simplen “Häh?“. Diese Silbe signalisiert, dass die andere Seite ein grundlegendes Verständnisproblem hat und erfordert vom Gegenüber den größten Klärungsaufwand. Dieser muss nämlich das Gesagte vollständig wiederholen. Die zweite Strategie ist dagegen schon etwas differenzierter; hier wird  konkret gefragt „Wer?“ oder „Wo?“, um bestimmte Angaben zu klären oder genauere Details zu erfahren. Bei der dritten Möglichkeit wiederholt die Zuhörerin das gerade Gesagte oder drückt es in ihren eigenen Worten aus und fragt dann, ob sie es richtig verstanden hat. Für den ersten Sprecher ist das die bequemste Art der Nachfrage, denn im besten Fall reicht als Antwort nur ein einfaches „Ja“.

Die Linguisten entdeckten außerdem, dass die Meisten dieses „Reparatur“-System sehr kommunikativ einsetzen: Die Zuhörer_innen wählen offenbar oft eine Strategie, die es den Sprecher_innen möglichst leicht macht, das Verständigungsproblem zu lösen. So sind Zuhörer_innen bemüht, eher konkrete Nachfragen zu stellen als ein simples „Häh?“ zu verwenden. Das zeigt laut den Forschern den zutiefst sozialen Charakter des menschlichen Sprachgebrauchs.

Nur Menschen überprüfen Verständigung
Die Untersuchung bringt das Besondere an der menschlichen Sprache zum Vorschein: Zwar haben auch andere Spezies eine komplexe Kommunikation entwickelt, aber von keiner ist bisher bekannt, dass sie den Kommunikationsablauf unterbricht und Missverständnisse zu reparieren versucht. Das hängt laut den Forschern damit zusammen, dass nur die menschliche Sprache in der Lage ist, über sich selbst zu kommunizieren und den Erfolg der gegenseitigen Verständigung zu überprüfen. „Wir sind Meister der Art von Zusammenarbeit, wie sie für eine ‚Reparatur‘ in der Kommunikation benötigt wird“, fasst Nick Enfield eine grundlegende Erkenntnis der Forschung zusammen.

Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Erkenntnisse in Zukunft dazu beitragen, Computer „menschlicher“ reagieren zu lassen, wenn sie gesprochene Anweisungen nicht verstehen. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sieht das Forscherteam im Sprachenunterricht oder in der interkulturellen Zusammenarbeit.

Quelle

Stichworte

Kommunikation  Missverständnis  Verständigung  Übereinstimmung

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 18. September 2015
 
 
 

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