Eine Sekunde geschenkt!

Am 1. Juli wird eine Schaltsekunde eingefügt

Gute Nachrichten für Sekundenschläfer: in der Nacht zum ersten Juli dürft ihr genau 1 Sekunde länger schlummern. Oder feiern. Oder was auch immer ihr dann gerade macht. Denn es wird eine sogenannte Schaltsekunde eingefügt und somit wird die Nacht einen kleinen Moment länger als sonst. Diese Schaltsekunde muss eingefügt werden, weil die natürliche Weltzeit, die sich aus der Drehung der Erde ergibt, und die sogenannte Atomzeit, die die modernen Caesium-Uhren anzeigen, nicht ganz genau übereinstimmen.

Erde eiert
Aus astronomischen Beobachtungen weiß man schon seit Langem, dass die Erde ganz allmählich langsamer wird – und zudem eiert sie, die Rotationsperiode ist veränderlich. Auch die Reibung der Gezeiten sorgt für ein stetiges Abbremsen der Erde. Die Lage der Rotationsachse im Erdkörper verändert sich – und zusätzlich können Erdbeben, das Schmelzen der Gletscher und die Massenverteilung in der Atmosphäre im Lauf der Jahreszeiten die Drehgeschwindigkeit der Erde verändern.

Koordinierte Weltzeit
„Atomuhren sind heute die Grundlage für die genaue Beobachtung der Erdrotation. Die von ihnen abgeleitete Uhrzeit passt aber eben nicht perfekt zu unserem ganz natürlichen Zeitmaß“, erklärt der Physiker Andreas Bauch, der in der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) für die Aussendung der Zeitsignale zuständig ist. Bereits im Jahr 1972 hinkte die aus der Drehung der Erde abgeleitete Weltzeit der Atomzeit aus den Caesium-Uhren um 10 Sekunden hinterher. Bis dahin hatte man Anpassungen in kleinen Schritten und zudem nicht weltweit auf die gleiche Weise vorgenommen. Dann entschloss man sich, fortan eine Zeitskala mit Schaltsekunden als weltweite Referenzzeit zu verwenden. Die Uhrzeit wird so näherungsweise im Einklang mit der Erdrotation, also der Weltzeit gehalten, immer innerhalb von 0,9 Sekunden. Seitdem machen Schaltsekunden aus der Atomzeit die „koordinierte Weltzeit“ UTC.

Wie unregelmäßig schnell sich die Erde dreht, sieht man daran, dass zwischen 1999 und 2006 sieben Jahre vergingen, bevor eine Schaltsekunde nötig wurde; danach waren es drei Jahre, dann 3,5 Jahre und jetzt wieder drei Jahre.

Schaltsekunde wird am 1. Juli nach 01:59:59 eingefügt
Die Schaltsekunde wird weltweit zum selben Zeitpunkt eingefügt: am 30. Juni 2015 nach 23:59:59 koordinierter Weltzeit, in unserer gesetzlichen Zeit also am 1. Juli nach 01:59:59.
Uhren, die in Übereinstimmung mit der gesetzlichen Zeit gehalten werden sollen, müssen dann um eine Sekunde angehalten werden. Besitzer von Funkuhren brauchen sich um nichts zu kümmern. Das Programm des Langwellensenders DCF77 in Mainflingen, über den die PTB die Zeitsignale aussendet, wurde bereits für die Einführung der Schaltsekunde vorbereitet.

Im normalen Alltag ist diese Schaltsekunde nicht wirklich relevant und die meisten von euch werden sie gnadenlos verschlafen, ohne sie überhaupt bemerkt zu haben. Anders ist das beispielsweise in der Astronomie, da bei der Ausrichtung eines Teleskops Weltzeit und Atomzeit übereinstimmen oder der Unterschied zwischen beiden Zeitskalen exakt bekannt sein muss. Es ist dokumentiert, dass die Einfügung der Schaltsekunde in Betriebssystemen von Computern und speziell bei der Erzeugung von eindeutigen Zeitstempeln Probleme bereitet hat. Ebenso ist es möglich, dass die Schaltsekunde bei Energieversorgern sowie Telekommunikationsunternehmen, die auf sekundengenaue Abrechnung angewiesen sind, Probleme verursacht.

Aber sicher fallen auch euch Situationen ein, in denen eine einzige Sekunde alles verändern kann. Vielleicht ist es genau diese eine! Macht was draus oder träumt was Schönes!

Stichworte

Zeit  Schaltsekunde

Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 28. Juni 2015