Sweet Lies. In gefährlicher Gesellschaft

Autorin: Lili Piloquin
übersetzt von Claudia Max
ab 12 Jahren

Der Roman „Sweet Lies“ der amerikanischen Autorin Lili Peloquin erzählt die Geschichte der beiden Schwestern Charlie und Alice, die sich plötzlich in der High Society wiederfinden. Während Charlie das neue Leben im Reichtum in vollen Zügen genießt, ist Alice kritisch und will dem neuen Glück nicht trauen, was die enge Beziehung zwischen den beiden Schwestern auf die Probe stellt.
Als sie erfahren, dass ihre Eltern sich trennen, stehen Alice und Charlie erst mal unter Schock. Schnell wird klar, dass sie mit ihrer Mutter in das riesige Anwesen ihres neuen Mannes, Richard, ziehen werden. Ihr neues Heim befindet sich in der Nähe des exklusiven Serenity Point Country Clubs, der von nun an den Mittelpunk ihres gesellschaftlichen Lebens bildet. Zunächst schwören sich die beiden Schwestern, sich weder von teuren Geschenken noch von Richards Herzlichkeit beeinflussen zu lassen, doch schnell wird klar, dass Charlies Wille nicht ganz so stark ist wie der von Alice: Bereits bei der ersten Party im Country Club freundet sich Charlie mit den Kindern der Superreichen an und fühlt sich sichtlich wohl in deren Gesellschaft.

Alice hingegen geht auf Distanz und interessiert sich eher für Richards frühere Familie: Maggie, seine Frau, und Camilla, seine Tochter, die beide verstorben sind. Maggie durch Krebs und Camilla durch einen Autounfall. Doch von den anderen Jugendlichen erfährt Alice, dass Camilla Selbstmord begangen hat – warum hat Richard sie also angelogen? Alice begibt sich auf Spurensuche und findet so einige Ungereimtheiten in der Vergangenheit Richards, aber auch in der ihrer Mutter.

Alice ist die Hauptperson des Buches, ihre Gefühle und Gedanken stehen für den Leser im Vordergrund. Durch ihre Empfindungen wird deutlich, was der neue Mann an der Seite ihrer Mutter für sie bedeutet: Auf einmal ist sie die Stieftochter eines bisher Fremden. Plötzlich lebt sie in einem Haus am Strand mit Privatbibliothek. Und von jetzt auf gleich muss sie nicht mehr fürs College sparen, sondern bekommt ihr Frühstück von einer Köchin gemacht, und ihr Zimmer von einer Putzfrau aufgeräumt. Einerseits fühlt Alice sich unwohl, andererseits sieht auch sie die Vorzüge und wie glücklich ihre Mutter auf einmal ist. Einige Dinge kommen ihr jedoch seltsam vor: Richard hat alle Fotos und Besitztümer seiner ersten Frau und Tochter aus dem Haus entfernt. Außerdem verschweigt er Camillas wahre Todesursache. Alice durchlebt einen inneren Konflikt, bei dem sie zwischen dem Glück ihrer Familie und der Wahrheit über die Vergangenheit entscheiden muss.

Zunächst scheint das Buch „Sweet Lies“ den Traum eines jeden Mädchens zu beschreiben: Die Mutter heiratet einen reichen Mann, und auf einmal scheint alles möglich: Ein Leben im Luxus, ein Studium am besten College des Landes, Urlaube an den exotischsten Orten. Während mit Charlie das Bild einer Jugendlichen gezeichnet wird, die - wie wahrscheinlich die meisten von uns - der Versuchung erliegt und ihr neues Leben genießt, ist Alice eher skeptisch. Dadurch wirkt die Erzählung insgesamt realistisch: Es gibt eben nicht nur die idealistische Schwester, sondern auch die, die keine Fragen stellt und die Augen verschließt vor dem, was sie nicht sehen will. Die Spannung im Buch baut sich langsam auf. Neben dem Geheimnis um Camillas Tod gibt es auch Handlungsstränge, die sich mit den Liebschaften von Charlie und Alice beschäftigen. Dadurch gerät die Haupthandlung teilweise ins Stocken und es entsteht eine Art „dramaturgische Durststrecke“. Auch der Ursprung von Alice unglaublicher Neugier ist teilweise schwer nachvollziehbar. Einerseits scheint sie keinen Groll gegen Richard zu hegen, trotzdem stellt sie bei der kleinsten Unstimmigkeit Nachforschungen an. Alles in Allem tun diese zwei Kleinigkeiten dem Lesefluss jedoch keinen Abbruch: Das Buch ist unterhaltsam und angenehm zu lesen.

Erschienen bei Ravensburger

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Autorin / Autor: lacrima - Stand: 30. Januar 2015