Falsche Liebe

Text von Heidi Hassenmüller
Einbandgestaltung von Kerstin Schürmann

Falsche Liebe

Als die fünfzehnjährige Jo den Maler René kennenlernt und er sie bittet, für ihn Modell zu stehen, lässt sie sich nicht zweimal fragen. Da René sowohl optisch als auch finanziell genau ihren Vorstellungen entspricht, dauert es nicht lange, bis sich zwischen den beiden eine Beziehung entwickelt. Eine Warnung ihrer Freundin Lisa lässt Jo allerdings hellhörig werden. Lisa schwebte bis vor kurzem ebenfalls auf Wolke sieben, doch nun wird sie von ihrer vermeintlich großen Liebe gedrängt, sich zu prostituieren. Und auch René macht mittlerweile Andeutungen, Jo solle besonders nett zur Kundschaft sein …

Meine Meinung zum Buch

Wo fange ich am besten an? Nun, vielleicht direkt beim Anfang des Buches. Ich finde den Einstieg viel zu chaotisch. Man wird sofort mit zahlreichen Rückblenden bombardiert und weiß überhaupt nicht, in welcher Zeit man sich gerade befindet und ob die eigentliche Geschichte schon begonnen hat. Überhaupt bin ich der Ansicht, dass die Autorin mit Rückblenden sparsamer hätte umgehen können.

Den Schreibstil finde ich in Ordnung, von einigen sich wiederholenden Phrasen und altmodischen Ausdrücken abgesehen (wer benutzt heute noch Wörter wie „Mannequin“?). Was mich nervt, sind die häufigen Wechsel der Erzählperspektive. Da wird über mehrere Seiten hinweg nur aus Lisas Perspektive berichtet, und plötzlich erfährt man in einem Satz, was ihre Chefin gerade denkt. Entweder personaler Erzähler oder auktorialer – aber ich denke, bei einem von beiden sollte man schon bleiben. Zumal man, finde ich, auch nicht immer wissen muss, was jeder Figur im Moment durch den Kopf geht.

Kommen wir zur Story an sich. Ich finde sie durchaus interessant, aber stellenweise sehr unglaubwürdig. Zunächst einmal, wie Jo und Lisa sich kennenlernen: Lisa arbeitet in einer Parfümerie und Jo lässt sich dort manchmal von ihr beraten. Rein geschäftlich bis hierhin, könnte man also sagen. Als Lisa jedoch einmal krank ist, lässt Jo sich von deren Chefin ihre Adresse geben (!) und schaut dann einfach mal so bei ihr zuhause vorbei. Das ist an sich schon ziemlich heftig, aber Lisas Reaktion übertrifft dies noch einmal: Sie findet das nicht mal seltsam! Ich an ihrer Stelle würde mir denken: Oh mein Gott, was ist das für eine kranke Stalkerin? (Zumal Jos Grund, warum sie mit Lisa befreundet sein will, auch nicht gerade von Tiefsinn zeugt: „Lisa sieht cool aus.“) Ansonsten finde ich Jo ganz sympathisch, v. a. weil sie nicht so naiv wie Lisa ist, sondern rechtzeitig bemerkt, dass René ein falsches Spiel spielt.

Fazit: Jugendbuch mit einigen Schwächen, aber Unterhaltungswert.

Erschienen im Klopp-Verlag

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Autorin / Autor: darksundance - Stand: 24. August 2009