Polkaholix - Polkaface

Die Berliner Musiker zeigen besonders eines: dass man sich nicht immer all zu ernst nehmen sollte und dass Polka vor allem eines macht: Spaß, findet loumary.

Polkaholix - Polkaface

Bevor ich das neue Album „Polkaface“ von der Berliner Band Polkaholix anhörte, musste ich mich erst einmal über Polka im Allgemeinen informieren. Wikipedia definiert Polka wie folgt: ein beschwingter Rundtanz im lebhaften bis raschen Zweiviertel-Takt. Gut, dachte ich mir, dann weiß ich ja ungefähr, was auf mich zukommt. Von wegen... „beschwingter Rundtanz“ ist bei den Polkaholix meiner Meinung nach leicht untertrieben. Ich würde eher sagen: das Album fetzt vom ersten bis zum letzten Track.

Schon im ersten Song „Wir sind die VIPs“ fordern die Berliner Jungs alle Zuhörer auf, ihr Tanzbein zu schwingen und machen deutlich: Freak sein macht Spaß! Weiter geht’s mit der neu komponierten Polkaversion von „Hans bleib da“ - ein Lied über Reiselust einerseits und der Sorge um das unvorhersehbare Wetter andererseits. Lädt definitiv zum Schmunzeln und Mitgröhlen ein. Dass die Berliner Polkajungs auch etwas zynisch sein können, zeigt Song drei: „S.C.H.E.I.D.U.N.G“ Wie soll man denn nun alles aufteilen nach der Scheidung? Am besten alles Fifty – Fifty? Die Polkaholix meinen: sowohl Gewinn als auch Verlust können auch mal doppelt wiegen. Deshalb beschreiben sie den Song sowohl als widersinnig als auch als philosophisch. (Höre ich da etwa leichte Ironie schallen?) Der Titelsong kommt direkt an vierter Stelle und will möglicherweise auf Lady Gagas Pokerface anspielen. Allerdings spielen die Polkaholix in einer völlig anderen Liga – man kann Lady Gaga also keinesfalls mit der Polkaband vergleichen, die mit Song vier eher an einen mittelalterlichen Männerchor erinnern, der gerade beim frisch gebrauten Bier sitzt und im Kellergewölbe gröhlt. Es sind aber nicht nur Tanz- und Feierabend-Lieder, die das Album bestimmen. So ist Track 6 „Weißes Boot“ doch recht gemütlich und unterstreicht den sanften Wellengang des Meeres mit ruhigem Rhythmus. Auch Track 9 „Heut`Nacht, der eigentlich von der Nina Hagen Band Spliff komponiert wurde und nun in der Polkaversion in völlig anderem Licht erstrahlt, ist eher ruhig gehalten. Dem Album schadet das keinesfalls – schließlich braucht man bei all den flotten Liedern auch zwei, drei Mal eine Verschnaufpause.

Unterm Strich sind die Lieder zwar oft einfach (nicht langweilig, einfach!), besonders in Bezug auf den Text, trotzdem zeigen die Berliner Musiker besonders eines: dass man sich nicht immer all zu ernst nehmen sollte und dass Polka vor allem eines macht: Spaß!

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Autorin / Autor: loumary - Stand: 26. Juli 2010