Soziale Entwicklung und Informatik

Melanie ist Informatikerin und Ethnologin und erzählt über ihren spannenden Beruf

Foto: Melanie Stilz

Informatik ist viel mehr als Programmieren und das Finden von Systemlösungen. Wie Systeme gestaltet sind, beeinflusst nicht nur die Arbeit der Menschen, ihre Kommunikation und auch ihre Gesundheit. Informationstechnologie kann auch ganz gezielt dazu eingesetzt werden, gesellschaftliche und soziale Entwicklungen voranzutreiben: In der Fachwelt heißt dieser Bereich ICT4D – Information and Communication Technologies for Development. Der Zugang zu Informationen, so die begründete Annahme, befördert die Entwicklung einer Gesellschaft auf vielen Ebenen: in der Wirtschaft und Landwirtschaft, in der Bildung, der Gesundheit und der politischen Teilhabe. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Entwicklungszusammenarbeit, aber auch in Projekten für Menschen mit Behinderungen oder für Frauen. Dass Informatikerinnen in der Entwicklungszusammenarbeit mitwirken, ist erst seit einigen Jahren der Fall. Aber der Bereich wächst. In der Praxis ist diese Arbeit immer interdisziplinär und international.

Melanie Stilz, 32, hat Europäische Ethnologie und Informatik an der Humboldt Universität und der Freien Universität Berlin studiert. Ursprünglich wollte sie sich nach einigen Semestern auf eines der beiden Fächer konzentrieren, stellte aber bald fest, wie spannend die Kombination von beidem sein kann. Schon während des Studiums sammelte sie zahlreiche Auslandserfahrungen, unter anderem in Rumänien, Ungarn und
Afghanistan. Heute arbeitet sie als selbstständige Beraterin und Projektentwicklerin in der Entwicklungszusammenarbeit und unterstützt den Einsatz von Informationstechnologien in strukturschwachen
Regionen. Ihr Schwerpunkt liegt in Afghanistan.

Aus der Broschüre 1:0 für Informatik des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen "Komm, mach MINT" ist folgendes Interview entnommen:

Melanie, du bist Informatikerin und Ethnologin und selbstständig mit dem Büro: Konnektiv, Büro für Bildung und Entwicklung. An welchen Projekten arbeitest du?
Unser Schwerpunkt liegt in der Beratung für den Einsatz von Informationstechnologien in strukturschwachen Regionen, worunter zum Beispiel die meisten Entwicklungsländer fallen. Bei Entwicklungszusammenarbeit
denken viele erst einmal an Brunnenbau oder landwirtschaftliche Projekte. Aber auch in sehr armen Ländern mit schlechter Infrastruktur gibt es ein großes Interesse an Computertechnik und Mobiltelefonen – oft gibt es zwar kaum ein Festnetz, aber eine sehr hohe Dichte an Mobiltelefonen – und häufig sind sehr erfinderische Lösungen nötig. Wie können beispielsweise Mobiltelefone eingesetzt werden, um wichtige
Informationen zu verarbeiten, abzurufen oder zu verbreiten? Oder wie können Computerschulungen an Universitäten oder Schulen gestaltet werden?

Dazu muss man die Bedingungen vor Ort gut kennen

Ja, solche Lösungen lassen sich am erfolgreichsten und nachhaltigsten in enger Zusammenarbeit mit der betroffenen Gruppe, also partizipativ entwickeln. Die Menschen wissen, was sie brauchen und was nicht
und unter welchen Voraussetzungen (beispielsweise schlechte Stromversorgung, kein oder sehr langsames Internet, Sprache etc.). Wir versuchen, genau diese Lösungen gemeinschaftlich zu erarbeiten, beziehungsweise beraten, wie ein partizipativer Ansatz mit so etwas Komplexem wie Informationstechnologien
aussehen könnte. Am häufigsten habe ich bisher in Bildungsprojekten in Afghanistan mitgearbeitet.

Weitere Informationen

Wie bist du zu diesem Arbeitsfeld gekommen?

Ich habe in meinem Studium aus reinem Interesse Ethnologie und Informatik kombiniert und erst fast am Ende meines Studiums erkannt, dass sich die beiden Fächer beruflich kombinieren lassen. Was ich heute mache, gibt es in dieser Art auch noch nicht sehr lange. Noch vor zehn Jahren waren Laptops wesentlich teurer und empfindlicher als heute und Mobiltelefone waren für einen Großteil der Bevölkerung in den Entwicklungsländern unerschwinglich. 2005 habe ich das erste Mal vom „100-Dollar-Laptop“ gehört und angefangen, mich für die Kombination IT und Entwicklungszusammenarbeit zu interessieren. Als ich von der TU Berlin angefragt wurde, in einem Projekt in Afghanistan an der Universität Herat, in dem vorwiegend mit
offener und freier Software gearbeitet werden sollte, für ein Semester Informatik zu unterrichten, war ich sofort begeistert. So hat sich dieses Arbeitsfeld für mich entwickelt.

Was fasziniert dich an deiner Tätigkeit am meisten?
Mich fasziniert es zu sehen, wie sich Projekte entwickeln. Von einer Idee oder Initiative hin zu einem Ergebnis, das sich immer noch weiter entwickeln kann und oft nie ganz abgeschlossen ist. Ich kann direkt mit Menschen zusammenarbeiten und mich immer wieder in neue Problemstellungen einarbeiten.

Bist du mit anderen Informatikerinnen vernetzt?
Gegen Ende meines Studiums bin ich gelegentlich zu den Treffen der Haecksen des Chaos Computer Clubs (CCC) gegangen. Im Nachhinein betrachtet hätte ich mich denen schon viel früher anschließen sollen. Ich hatte während des Studiums so viele Fragen zu dem, was ich gelernt habe und was man damit anfangen kann, da wäre der Kontakt gut gewesen. Die Arbeit des CCC hat mich immer sehr beeindruckt. Davon hatte ich mich leider lange einschüchtern lassen.

Die Broschüre zum Download

Ihr könnt die Broschüre, auch in größerer Stückzahl, online bestellen

Autorin / Autor: Broschüre 1:0 für Informatik des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen "Komm, mach MINT" - Stand: November 2013
 
 

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