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Einsendung zum Wettbewerb U 20 - Ü 60

»24. August 2013: Liebes Tagebuch, ich bin nun endlich sechzehn(!) Jahre alt geworden. Der perfekte Zeitpunkt für die Vollendung meines Plans!!! Ich habe heute meine ganzen Kuscheltiere und die Justin Bieber Poster entsorgt, weil ich nicht finde, dass sie zu meinem neuen Selbst passen. Mein neues Selbst soll selbstbewusst, klug und unabhängig sein! Ich finde nicht, dass Justin das in der heutigen Zeit noch verkörpert!!!
Vor allem Mama und Papa müssen endlich begreifen, dass ich mit 16 alt genug bin meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Ich habe mich heute wieder mit ihnen gestritten. Sie meinten, ich hätte unrealistische Vorstellungen von meiner Zukunft und ich solle endlich aufhören in der virtuellen Welt zu leben und mehr nach draußen gehen. Die beiden wissen doch genauso wenig wie die Zukunft aussehen wird, wieso tun sie so als ob??? Alle tun immer so, als ob sie es wüssten. Aber es weiß doch keiner!
Weil ich jetzt klug wirken und werden will, habe ich angefangen „Die Zeit“ – Artikel in der Schule zu lesen (kannst du dir das vorstellen? Ich mach das wirklich). Da stand, ich bin Teil der Generation „Maybe“ voller Zukunftsangst! Was heißt das denn bitte? Ich hab echt lange gebraucht um das zu checken, echt mal. Ich finde, das ist totaler Schwachsinn. Ich meine, ich weiß doch ganz genau was ich will, und nur, weil andere sagen, das ist unrealistisch, heißt das doch nicht, dass es nicht in echt passieren kann, oder? Die Zukunft steht uns offen – gerade weil wir vielleicht sagen. Zu viele Möglichkeiten? Angst vor der Zukunft? Kollektive Eigenschaftslosigkeit! Das sind Ausdrücke, mit denen ich super in Sozialwissenschaft um mich scheißen kann, dann hab ich meine Eins sicher. Aber mal ernsthaft? Selbst wenn wir Angst haben … Angst sorgt doch nur dafür, dass wir zielgerichteter voranschreiten. Klar haben wir Angst um unsere Zukunft! Aber das ist doch nicht unsere Schuld! Ich höre ständig nur Klimawandel, Arbeitslosigkeit, mangelnde Ausbildungsplätze, Erderwärmung, Umweltverschmutzung, Krieg, Atomkatastrophen – hallo? Die Leute, die das haben laufen lassen, meinen jetzt uns bequem und unentschlossen nennen zu müssen? Echt mal. Vielleicht werden wir in 90 Jahren schon viel mehr erreicht haben als sie in den letzten Jahrzehnten. Aber warum sollten wir das jetzt schon tun? Lasst uns doch erst Mal in Ruhe einen Plan bekommen und dann können sie uns mit den Problemen beschäftigen, die die uns hinterlassen. Wir haben Angst, aber wir kämpfen auch. Vielleicht werde ich meinen Traum nie erfüllen können … aber ich werde es versuchen und egal ob ich dafür nach China ziehen muss oder hier bleiben muss … ich muss nichts und das ist das schöne! Onkel Karl hat  mich ausgelacht als ich von meinem Berufswunsch gesprochen habe. Der meint auch, ich hab keine Ahnung von der Welt und so. Ich hab genau gehört, wie er gesagt hat, dass ich es zu gut gehabt hätte und ich noch viel lernen muss bis ich in er echten Welt angekommen bin. Ich werde denen schon beweisen, was ich kann. Jetzt erwartet mich die Welt voller Maybes und Möglichkeiten! Ich werde scheitern und weiter machen – und das Beste ist, ich werde es genauso tun, wie alle anderen vor mir! Vielleicht werden wir in 90 Jahren die Möglichkeit haben unsere Leben zu verlängern, Krebs zu heilen, komplett umweltfreundliche Autos billig zu fahren, die Kriege beenden und werden nicht mehr vor atomaren Problemen stehen – vielleicht gerade weil wir so oft „vielleicht“ sagen!“


Mit einem traurigen Blick auf das schwebende Bett vor mir, schloss ich das rot eingebundene Buch und legte es leise auf den Nachttisch. Der Eintrag war noch viel länger, berichtete von der Geburtstagsfeier, von Geschenken, vom Geburtstagskuss und noch so vielem mehr. So viele Erinnerungen, so viele Gedanken, so viele Träume, Ziele und Veränderungen – festgehalten in unendlich vielen kleinen roten Büchern. Es war schwer vorstellbar, dass die zierliche alte Frau jemals so jung und rebellisch gewesen sein sollte. Manchmal musste ich die Stirn runzeln, weil ich nicht verstand, worüber sie schrieb. Was für Kriege sollte es in ihrer Jugend gegeben haben? In den Geschichtsprogrammen stand dazu nichts. Was für eine seltsame Mauer sollte gefallen sein?
Ich stand auf und ließ mich auf der Bettkannte nieder. Ich griff nach der Hand meiner Oma und streichelte sie sanft. Ihre Augen waren offen, aber sie zeigte nicht ob sie mir zugehört hatte oder überhaupt wusste, wer ich war. Ich musste die Tränen zurückhalten, wenn ich daran dachte, wie Recht sie behalten hatte und wie wenig ihr das nützte. In den 80 Jahren, die seit dem Eintrag in ihrem Buch vergangen waren, wurde ein Mittel gegen Krebs entwickelt, Leben konnten verlängert werden und unsere Kuppel schütze uns vor jeglichen Atomkatastrophen – ich schätze, dass auch die Klimaerwärmung irgendwie aufgehalten worden ist. Nur die Krankheit, ausgerechnet die Krankheit, die meine Oma nun befallen hatte, gegen sie hatten sie noch nichts gefunden.
Und so saß ich nun jeden Tag an ihrem Bett. Las ihr vor – aus ihren Tagebüchern. Ich erzählte ihr ihre eigene Geschichte. Am Anfang wollte ich ihr damit helfen, bei sich zu bleiben und sich zu erinnern. Aber immer mehr fand ich mich selbst in ihren Worten wieder. In Worten voller Rechtschreibfehler, Ausrufezeichen, Gedankensprüngen und Selbstironie. Mehr brauchte es gar nicht. Es brauchte keinen langatmigen Projekte und gemeinsame anstrengende Aktionen, keine virtuelle Realität und keine scheinheiligen Geschenke um uns einander näher zu bringen. Es genügte ein kleines Buch voller Erinnerungen. Ich hatte virtuelle Realitäten, eine Glaskuppel, die mich gefangen hielt und ein fast unbegrenztes Leben … viel hatte sich verändert seit meine Großmutter jung gewesen ist – aber wir Menschen, wir Menschen waren immer noch die Gleichen. Egal wie viel Technik, Erfahrung und Selbstbezogenheit zwischen uns liegen – wir waren uns ähnlich: Sie und ich. Das hatte ich an jedem Tag gemerkt, an dem ich an ihrem Bett saß und ihre Tagebücher las. Auch sie hatte sich einmal alleine und rebellisch gefühlt, auch sie hatte für ihre Träume kämpfen müssen und auch sie hatte geglaubt … an sich selbst und an ihre Generation, so wie ich es nun tat. Vielleicht würde auch ich Recht behalten mit meinem Glauben daran, dass wir unsere Zukunft schon irgendwie meistern würden und vielleicht werde auch ich dieses Wissen weiter geben können  - an meine Enkel und Urenkel – damit wir niemals vergessen, dass wir überall Freunde finden können, wenn wir nur die Augen offen halten! „Ich liebe dich, Oma!“

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U20 - Ü60 - So wollen wir zusammen leben

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Die Jury

Schöne Preise für die schönsten Einsendungen

Worum geht es im "Wissenschaftsjahr 2013 - Die demografische Chance"?

Die Siegerehrung zum Wettbewerb "U20-Ü60"

Es war schwer, aber die Jury hat entschieden...

Autorin / Autor: von LadyJanna, 19 Jahre