Vergiss nie, dich zu erinnern

Einsendung zum Wettbewerb U 20 - Ü 60

Oh nein, nicht schon wieder. Oma Emma hatte schon wieder ihre Brille verloren. Aber sie hatte sie doch auf den Tisch gelegt, das wusste sie ganz genau, oder? Oma Emma ging in die Küche, denn sie dachte, wenn die Brille nicht auf dem Tisch im Schlafzimmer ist, dann bestimmt in der Küche. Oma Emma jubelte, als sie die wagen Umrisse ihrer Brille auf dem ausgeschalteten Herd erkannte. Als sie zum Herd ging, sah sie auf das Bild das darüber hing. Dort war sie, mit ihrem Mann Heinrich. Heinrich… dachte Oma Emma nach. Heinrich starb 1936 nach dem Krieg. Nachdem er seinen Arm verloren hatte bekam er Krebs. Er lag eines Tages tot neben ihr im Bett. Oma Emma erinnerte sich. Ihr lief eine Träne über das schmale blasse Gesicht. Sie wischte sie schnell weg und setzte ihre Brille auf. Jetzt erkannte sie Heinrich genau. Oma Emma hielt die Tränen zurück. Sie war so alleine seit ihre Tochter und ihre Enkelkinder weggezogen sind. Sie wusste, dass ihre Zeit auch bald kommen würde.

Oma Emma ging ihn das Wohnzimmer. Sie wollte sich mit Fernsehen ablenken. Oma Emma wollte noch nicht sterben. Sie hatte Angst vor dem Tod. Sie wollte noch nicht zu Heinrich… sie wollte zwar zu ihm, aber nicht unter diesen Umständen. Im Fernsehen lief eine Serie namens "Wie schütze ich mich vor Alzheimer?“. Oma Emma spottete nur. Sie würde kein Alzheimer bekommen. Sie kann sich doch noch genau an alles erinnern. An fast alles. Oma Emma ging in die Küche, um sich einen Kaffe zu holen. Sie wollte sich grade eine Tasse holen, da klingelte es. Oma Emma ging zur Tür. Es stand eine Frau davor. Die Frau hatte Blumen in der Hand. Die Frau betrat das Haus. Oma Emma hinderte sie daran, durch den Flur zu gehen. Was dachte diese Frau eigentlich wer sie war? Bestimmt schon wieder so ein Versicherungsinspekteur, der ihr irgendwas andrehen wollte. Die Frau sah sie erschrocken an. Sie fragte, was denn in sie gefahren sei, sie wollte sie doch nur besuchen. Oma Emma verstand nicht. Wieso besuchte sie eine fremde Frau? Und wieso schenkte sie ihr Blumen? Die Frau erklärte ihr, sie sei ihre Tochter. Oma Emma schrie sie an, sie solle sofort das Haus verlassen, sie würde nicht noch einmal auf so etwas reinfallen. Die Frau nannte ihren Namen. Clara. Oma Emma sah sie fragend an. Clara? Nein, das sagte ihr nichts. Oma Emma wiederholte den Namen laut. Clara dachte sie, erinnerte sich wieder, aber so schnell die Hoffnung da war, so schwand sie wieder. Jetzt sagte Oma Emma noch lauter, sie solle sofort das Haus verlassen.

Clara ließ die Blumen auf den Boden sinken. Ihr lief eine Träne über die Wange. Clara verließ das Haus. Endlich war wieder Ruhe. Die Frau war weg. Oma Emma wandte sich wieder dem Fernseher zu. Sie sah noch eine weitere Stunde fern, da klingelte es wieder an der Tür. Oma Emma raffte sich abermals auf. Diesmal war dort ein Mann. Der Mann nannte sich Klars. Klars erklärte ihr, er sei von dem Pflegeteam. Er wolle Oma Emma in seine Pension holen. Dort würde sie immer versorgt werden, und sie könnte neuen Kontakt aufbauen zu anderen Menschen. Oma Emma war verdutzt. Wieso sollte sie in ein Altersheim? Oma Emma sagte, sie wolle noch einmal darüber schlafen. Klars gab ihr seine Visiten-Karte und verabschiedete sich. Oma Emma schloss die Tür. War sie denn auf Hilfe angewiesen? Nein, noch nicht, dachte Oma Emma. Nun war es aber schon spät. Oma Emma beschloss zu Abend zu essen. Sie wollte sich aus der unteren Schublade einen Teller holen, kam aber mit einem  Aufschrei des Schmerzes trotzdem nicht bis nach unten. Oma Emma reckte sich wieder auf. Sie wollte sich was aus dem Kühlschrank hohlen. Sie ging auf den Kühlschrank zu, da hörte sie ein knacken. Es kam aus dem Wohnzimmer. War jemand im Haus?

Oma Emma bewegte sich langsam Richtung Stube. Es war Heinrich. Oma Emma traute ihren Augen nicht. Was machte ihr toter Mann in ihrem Wohnzimmer? Heinrich sah sie an. Er redete. Er sagte, die Frau die heute hier war, war ihre Tochter Clara. Er sagte Oma Emma, dass sie schon sehr bald nicht mehr ohne Hilfe leben könnte. Er deutete darauf an ihm zu folgen. Oma Emma tat dies. Er ging in das Schlafzimmer. Oma Emma lief hinterher. Sie konnte nicht mehr so schnell laufen, denn ihr Rücken tat weh. Als sie im Schlafzimmer ankam sah sie Heinrich im Bett liegen. So wie sie ihn am Morgen auffand. Oma Emma legte sich neben ihren Mann. Sie deckte sich zu, da fielen schon ihre Augen zu.

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U20 - Ü60 - So wollen wir zusammen leben
Einsendeschluss! Nun werden die Texte gezählt, gesichtet, sortiert, gestapelt und veröffentlicht. Und während die Jury liest, könnt ihr den Publikumspreis per Voting ermitteln!

Bitte lesen!!!: Teilnahmebedingungen

Die Jury

Schöne Preise für die schönsten Einsendungen

Worum geht es im "Wissenschaftsjahr 2013 - Die demografische Chance"?

Die Siegerehrung zum Wettbewerb "U20-Ü60"
Es war schwer, aber die Jury hat entschieden...

 
 
 
 

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