Role Models müssen erreichbar sein

Österreichische Studie: So kommen Mädchen und Frauen in Technikberufe

Hanni Hübner, Botschafterin der Firma Euscher im Projekt www.mintrelation.de

Der Mangel an weiblichem Nachwuchs in technischen Berufen scheint nicht nur die Unternehmen in Deutschland zu beunruhigen, auch im Nachbarland Österreich beträgt der Frauenanteil in MINT-Berufen nur rund 15%. Warum das so ist, versuchen seit Jahren immer wieder neue Studien zu ergründen. Die SORA (Institute for Social Research and Consulting), ein führendes privates sozialwissenschaftliches Institut in Österreich, hat nun eine weitere Studie hinzugefügt - mit interessanten Erkenntnissen zum Thema „Frauen und Mädchen in technischen Berufen“. Neben einer Literaturstudie, die in der vorhandenen Forschung nach Bedingungen suchte, unter denen sich Mädchen und junge Frauen für technische Karrieren entscheiden, führten die ForscherInnen auch Tiefeninterviews mit 12 jungen Frauen in technischen Berufen durch, in denen sie erzählten, welche entscheidenden Faktoren, Erlebnisse und Begegnungen dazu geführt haben, eine technische Laufbahn zu wählen.

Der Weg in die Technik ist ein Hindernislauf
Eins der wesentlichen Ergebnisse ist, dass Mädchen und Frauen, die ihre berufliche Zukunft in der Technik sehen, die unterschiedlichsten Hindernisse und Umwege überwinden müssen. Der Slalom beginnt in der Familie und beim sozialem Umfeld wie FreundInnen, Verwandte und Bekannte, die mit ihren Vorstellungen über bestimmte Berufsbilder Einfluss nehmen auf die Berufswahl der Mädchen. Hat ein Mädchen sich gegen diese Widerstände durchgesetzt und interessiert sich immer noch für einen technischen Beruf, dann begegnet ihr der Exotinnenstatus von Frauen in diesen Berufen. Der kann erheblich abschrecken und als dauernde Belastung erlebt werden. Nicht nur, weil sie in den Bereichen oft allein unter Männern sind oder zumindest in der Minderheit, sondern auch weil sie in ihrem Bekanntenkreis als Exotinnen gesehen werden.

Vorbilder müssen her
Was also tun? Einer der besten Voraussetzungen, technische Wege für Mädchen und junge Frauen zu ebnen, sind nach wie vor reale weibliche Vorbilder, die öffentlich präsent und ansprechbar sind. Sie zeigen auf, wie eine technische Berufslaufbahn für Frauen aussehen kann - auch mit Familienplanung - und machen Technikberufe für Mädchen ein großes Stück "normaler". Dabei schlägt die Studie vor: "Role Models für junge Frauen müssen 'erreichbar' sein. Superfrauen in Wissenschaft und Technik schrecken eher ab. Frauen 'wie du und ich' müssen sichtbar werden und zeigen, dass die Lebensentwürfe von jungen Frauen mit technischen Berufen vereinbar sind."

Mädchen gezielt anwerben
Die Unternehmen sollten auch gezielte Programme für weibliche Lehrstellensuchende und Schnupperangebote für Mädchen entwickeln, fordern die ForscherInnen. Wenn Mädchen dann für die Berufe gewonnen wurden, sollten sie in ihrer Entwicklung gefördert werden, beispielsweise durch Mentoring-Programme: Sie bieten einerseits fachliche Einblicke und Unterstützung und andererseits Zugang zu relevanten Netzwerken in Branche und Betrieb.

Unternehmen sollten umdenken
Um langfristig den Frauenanteil in technischen Berufen zu erhöhen, müsse letztlich auch ein schrittweises Umdenken in der Unternehmenskultur stattfinden. Dies betrifft die unterschiedlichsten Bereiche, von der Ausgestaltung der Arbeit über Arbeitszeitmodelle bis hin zu Leitbild und der Außendarstellung der Unternehmen. "Unternehmen, die mehr Frauen in technischen Berufen haben wollen, müssen sich fundamental ändern. Es braucht Arbeitszeit- und Arbeitsmodelle, die für alle Mitarbeiter – nicht nur die Frauen – eine Vereinbarkeit mit persönlichen Bedürfnissen ermöglichen." schreibt das Öl- und Gasunternehmen OMV, das den Auftrag zur Studie erteilte.

Das Unternehmen hat zusammen mit der Karl-Franzens-Universität in Graz ein Lernprogramm entwickelt, das Mädchen in drei Phasen spielerisch in die Welt der Technik eintauchen lässt. Bei der ersten Aufgabe gilt es, ein paar Aufgaben aus der Welt der Energie und Rohstoffe zu lösen. Daraus werden die 300 besten Mädchen ausgewählt und rücken in die Portfolio-Phase vor. Dort werden von einem Experiment, einer Recherche oder einer Exkursion Portfolios erstellt. Für die 50 besten Mädchen findet schließlich Ende Januar 2013 die „Live Challenge“ in Wien statt.

Das Lernprogramm ist auf auf dieser Website abrufbar

Kennst du Role Models, die du gut findest?
Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 26. Oktober 2012