Wunder

Einsendungen zum Schreib- und Bilderwettbewerb im Wissenschaftsjahr 2012 - Zukunftsprojekt Erde

Sie steht an ihrem Fenster und sieht hinaus. Dunkelheit verschlingt alles, bis auf die vielen Lichter, die in weiter Ferne leuchten. Sie erkennt die Umrisse von vielen, vielen Hochhäusern, sie weiß, dass hinter diesen Fenstern viele glückliche Familien sitzen. Sie weiß, wie ahnungslos sie doch alle sind. Ihnen würde das Lächeln auf dem Gesicht gefrieren, wenn sie wüssten, was sie weiß. Doch sie wissen es nicht. Sie sind zu jung um gesehen zu haben, was sie gesehen hat. Sie sind zu jung und naiv um zu glauben, dass es mal etwas anderes gegeben hatte als die vielen Häuser, die einem die Sicht versperrten. Dass es mal etwas anderen gegeben hatte als die Autos die tagtäglich ihre Abgase in die Luft bliesen. Dass es mal etwas anderes gegeben hatte als die Schiffe die Öl ins Meer fließen ließen, als die 5 Millionen Hektar Wald, die jährlich abgeholzt wurden. Sie kannten nicht die Farbvielfalt, die einst existiert hatte, nicht die Sonnenaufgänge, da ihnen ihre Häuserwände die Sicht auf das einzig Schöne versperrte. Sie wussten nicht, wie unendlich wertvoll diese Augenblicke gewesen waren. Sie kannten nicht die vielen verschiedenen wilden Tierarten, nur noch die zahmen Tiere im Zoo, die im Käfig auf und ab gingen. Sie hatte sie gesehen, die freien Tiere, wie sie ihr Leben gelebt hatten, dem Kreislauf des Lebens gefolgt waren.
Sie sah hinauf in den dunklen Himmel. Sie konnte sich noch an die Sterne erinnern, die andere nicht mehr kannten, an die Schweife, die sie hinter sich hergezogen haben, wenn sie vom Himmel gefallen waren. Sie konnte sich an die Weite der Landschaft erinnern, die sich vor ihr aufgetan hatte als sie am Meer gewesen war. An die Freiheit die sie tief in sich gespürt hatte. Die Häuserschluchten, die sich nun vor ihr auftaten sperrten sie ein, wie den Löwen in einen Käfig. Da, wo sie damals gewesen war, hatten die Häsuer nur ein Erdgeschoss. Damals waren Vögel über ihrem Kopf hinweg geflogen. Damals hatte sie die Sonne morgens begrüßt, als sie durch das Watt gewandert war. Der Himmel hatte sie in den Wasserpfützen gespiegelt. Sie hatte sich gefühlt als würde sie über den Himmel laufen. All dies war fort. Fort, weil die Menschen sich nicht ändern wollten. Die Menschen hatten ein Geschenk zerstörrt, das man ihnen geschenkt hatte. Sie waren fahrlässig damit umgegangen, hatten sich keine Gedanken über morgen gemacht. Jeder hatte an sich gedacht und an sein Leben.

Sie spürte die Leere, die sich in ihr ausbreitete. Sie dachte an die Schönheit, die sich ihr damals geboten hatte als sie im Meer gestanden hatte. Sie hatte dem Kreislauf des Lebens zugesehen und sie hatte sich vorgestellt, wie die Zukunft aussehen würde. Sie hatte gewusst, dass die Menschen etwas ändern müssten um all das, was sie angerichtet hatten zu stoppen, doch sie hatte auch gewusst, dass dies nicht passieren würde. Die Lichter waren nacheinader erloschen. Gänzliche Dunkelehit hatte sich breit gemacht und der Schlund war größer und die Schönheit war immer weniger geworden. Mehr und mehr hatten sie dem Planeten das Leben genommen. Immer mehr hatten sie ihn zerstört. Wo einst Wälder gewesen waren, war nun nur noch ein Loch und aus der Erde wuchsen anstatt Bäumen Häuser. Anstatt den Eiswüsten waren nur noch Wassermassen vorhanden. Anstatt der blühenden Natur war die Hitze der Großstätte eingebrochen, die den Kreislauf des Lebens unter sich begruben.

In ihren Träumen erbaute sie einen neuen Planeten auf denen all die Tiere, die ihren Lebensraum verloren hatten, wieder frei sein konnten. Sie ließ Wälder voller Bäume enstehen, Meere voller Leben und klarem Wasser, Seen ohne Dreck und sie ließ die Sonne über all dem aufgehen. Auch die Menschen bekamen einen Platz. Doch ihre Häuser reichten nicht weit in den Himmel, sie stahlen der Schönheit nicht das Leuchten. Die Menschen bauten nur die Rohstoffe ab, die sie benötigten. Die Natur und die Menschen gaben und nahmen einander. Doch sie lebten im Einklang miteinander. Eine Träne lief ihre Träne hinunter, während sie auf die Häuser unter sich schaute. Die Träne fiel und fiel und landete auf einem der vielen Dächer. Doch in ihrer Vorstellung landete sie auf grünem Gras. Weitere Tränen fielen hinab. Sie wusste, dass ihre Träume nur Träume waren, doch vielleicht irgendwann würden sie Wahrheit werden. Und bis dahin zog sie weiter. Denn sie bildete das Dach der Welt, das Dach der Menschen, auch wenn diese sie kaum wahrnahmen. Sie war das, was ständig in Bewegung war. Die Wiesen unter ihr nahmen gierig ihre Regentropfen auf und bedankten sich. Ein paar Käfer flüchteten in den naheliegenden Wald und in weiter Ferne sah sie das Meer. Sie roch die frische Luft und wünschte sich anhalten zu können und einen Augenblick zu verweilen. Doch sie wollte immer weiter, denn sie hatte noch lange nicht alle Wunder gesehen.

Alle Infos zum Wettbewerb

Un-endlich wertvoll - Die Siegerehrung

Endlich ist es so weit!

14. November 2012

Die Jury

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Die Einsendungen

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Unsere Preise für eure schönsten Werke

Nachhaltig und schön sind die Produkte, die ihr beim Schreib- und Zeichenwettbewerb Un-endlich wertvoll!
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Autorin / Autor: Nicola, 17 Jahre