Außerirdisch gute Pläne

Einsendungen zum Schreib- und Bilderwettbewerb im Wissenschaftsjahr 2012 - Zukunftsprojekt Erde

Auf Zero, einem der Erde nicht unähnlichen Planeten, herrschte seit Tagen eine nervöse Anspannung. Man schrieb – nach unserer Zeitrechnung - das Jahr 2055, die ersten Frühblüher hatten ihre Köpfe aus dem Boden Richtung Sonne gereckt, die Zero ein bisschen näher stand als unserer Heimat.
Die Anspannung rührte daher, dass in der Politik momentan ein wichtiges Thema zur Debatte stand: Die Rettung des blauen Planeten, der Erde, die von ihren Bewohnern, Menschen genannt, seit Jahren ausgepresst und verschmutzt wurde. Mittlerweile befand sie sich in einem derart lädierten Zustand, dass es bis zur totalen Zerstörung nicht mehr weit war.
„…und gerade deshalb ist unabdingbar“, sagte ein grünhäutiger Zerojaner namens Klügo gerade, „dass wir das Thema Naturschutz auf der Erde selbst in die Hand nehmen.“
Klügo war einer der führenden Politiker Zeros. Er mochte die Erde und hatte sich seit Jahren für deren Erforschung eingesetzt, sich bis jetzt jedoch eher mit Daten und Fakten als mit wirklichem Handeln beschäftigt.
„Dann liefere uns Ansätze“, entgegnete Ysewitsch, der zu überzogener Skepsis neigte und dessen linkes Auge beim Diskutieren unentwegt zuckte. „Der Mensch zerstört sein Habitat hauptsächlich, um die Reichen seiner Art noch reicher zu machen. Wie willst du gegen diese Gierschlunde ankommen?“
„Wenn wir uns auf unsere Datenauswertung verlassen…“
„Wenn wir uns auf deine nichtsnutzigen Zahlen stützen, ist die Erde in weniger als drei Jahren nicht mehr existent.“
„Ich persönlich halte den Umweltschutz für unabdingbar“, warf Glinn ein, deren rechtes Auge durch eine Augenklappe verdeckt wurde.
„Und was sind deine Vorschläge bezüglich Waldvergrößerung, Öko-Landbau und Stärkung der Tierrechte?“ „Ganz einfach: Ich habe keine.“
Nach dieser Art lief die Debatte noch eine Weile fort. Für den schwarzhäutigen Habewich war die Erdverfassung „okay“, Handlungsbedarf sah er jedenfalls keinen. Der aufgeblasene, rote Burger maß der Rettung des Planeten– nach der Problembehandlung auf Zero – eine größere Bedeutung zu. Rogo, ein gelbgesichtiger Alien, hatte schlicht und ergreifend keine Meinung.
Am Ende einigte man sich darauf, eine Volksbefragung unter den Zerojanern vorzunehmen. In einer groß angelegten Kampagne wurden Nachwuchs, Arbeitende und die ältere Klientel über den desolaten Zustand des Bruderplaneten informiert und um Anregungen gebeten.
„Wusstet ihr, dass sich die Durchschnittstemperatur auf der Erde in den letzten Jahren um 10 Grad erhöht hat und durch den Wasseranstieg ständige Überflutungsgefahr besteht?“, richtete sich Klügo an die Alten, die jedoch kaum Interesse zeigten.
„Durch den Anstieg der Erdbevölkerung auf 8 Milliarden werden immer mehr Tiere „produziert“, um den Menschen als Nahrung zu dienen“, sagte Ysewitsch zu den Arbeitern und Gebildeten, die jedoch so sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt waren, dass sie keine Zeit für etwas Anderes aufbringen konnten.
„Wenn weiter so verzweifelt nach den letzten Ölreserven gebohrt wird, dringt man irgendwann zum Erdkern durch und eine Massenexplosion ist die Folge“, meinte Glinn zu den Jungen, die jedoch ziemlich skeptisch auf diese These reagierten.
„Und wenn wir einfach mit den Erdlingen zusammenarbeiten?“, rief ein jugendlicher Zerojaner.
Klügo richtete ein Glubschauge auf ihn. „Wie heißt du, mein Junge?“
„Lasus.“
„Nun Lasus, das Ganze ist nicht so einfach, wie du denkst…“
„Warum? Wir sollten die Menschen dazu animieren, den Schutz ihrer Heimat anzupacken, und sie nicht einfach ihr eigenes Grab schaufeln lassen…“
„Aus der Bevölkerung sind keine konstruktiven Vorschläge zu erwarten“, sagte Klügo ärgerlich. „Kollegen, wir vertagen die Entscheidung.“
Drei Mal ging die Sonne auf und unter, bevor am vierten Tag plötzlich ein Wissenschaftler Neuigkeiten brachte. Bei der Beobachtung der Erde waren beunruhigende Bilder übertragen worden. Vor einem Bildschirm versammelnd beobachtete die Führungselite Zeros, wie Landschaften überflutet, Wälder abgeholzt und tausende Menschen unter Tränen um ihr Leben bangten.
„Es ist entsetzlich! Wir müssen sofort einschreiten!“, rief Burger.
Gesagt, getan. Mit einem Team aus hochspezialisierten Wissenschaftlern, Intellektuellen, Schauspielern und Ehrenamtlichen rüstete man sich für die Reise zur Erde. Man scheute weder Kosten noch Mühen, um Dolmetscher und die entsprechende Ausrüstung zu organisieren, um sich den Erdbewohnern verständlich zu machen.
Der Plan sah folgendermaßen aus: Zunächst würde man versuchen, den Menschen ihre Unfähigkeit und ihr Versagen verständlich zu machen. Gleichzeitig würde man die Rettung der Erde selbst in die Hand nehmen. Irgendwie. Zur Not mussten die Menschen eben evakuiert werden. Irgendetwas würde schon klappen.
Als sich das Team schließlich zum Lufthafen begeben hatte, von dem aus man einen wunderschönen Blick auf den blauen Planeten hatte, stieß es auf eine Überraschung. Lasus, der aufmüpfige Jung-Zerojaner, trat zielstrebig den wichtigsten Entscheidungsträgern seines Planeten entgegen. Begleitet wurde er von einer Gruppe Gleichaltriger.
Klügo klappte die Kinnlade herunter. „Was zum – was habt ihr hier zu suchen?“, rief er. „Seid ihr dort gerade aus einem Space-Mobil gestiegen?“
„Richtig“, entgegnete Lasus. „Vor drei Tagen sind wir auf die Erde gereist. Wir haben Kontakt zu den Menschen aufgenommen und ihnen unser Anliegen vorgetragen.“
Das gesamte Team schnappte hörbar nach Luft. „Seid ihr wahnsinnig?! Ihr seid doch nur Kinder!“, sagte Habewich erregt.
Unbeirrt fuhr Lasus fort: „Wir haben die Staatsoberhäupter jedes einzelnen Landes besucht und gemeinsam einen Fünf-Punkte-Plan zur Rettung der Erde ausgearbeitet. Nach anfänglichen Schwierigkeiten waren die Menschen bereit, uns zuzuhören: Wir wollen Aufklärungsarbeit leisten bei ihren Jüngsten, damit sie für das Thema sensibilisiert werden. Außerdem fordern wir streng geschützte Nahrungsreservate, aus denen nur nach Bedarf Nahrung genommen wird. Tiere sollen so wenig wie möglich leiden, bevor sie geschlachtet werden. Und nicht zu vergessen muss jeder Einzelne Verantwortung für das Projekt „Erdrettung“ übernehmen. Dafür ist es wichtig, dass die Länder nicht mehr in Konkurrenz zueinander stehen, sondern gemeinsam an der Verwirklichung ihres Ziels arbeiten. Der Wunsch nach Macht und Geld muss endlich in den Hintergrund treten.“
„Und das soll klappen?“, fragte Klügo skeptisch.
„Wir werden sehen“, erwiderte Lasus. „Die Jugend hat jedenfalls großes Interesse an dem Thema gezeigt. Im Endeffekt liegt es aber an jedem Menschen selbst.“
„Es sind Menschen, vergiss das nicht“, wandte Ysewitsch ein.
Lasus blieb stumm. „Wir werden sehen“, wiederholte er und blickte auf den grün-blauen Planeten zurück.

Alle Infos zum Wettbewerb

Un-endlich wertvoll - Die Siegerehrung

Endlich ist es so weit!

14. November 2012

Die Jury

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Die Einsendungen

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Unsere Preise für eure schönsten Werke

Nachhaltig und schön sind die Produkte, die ihr beim Schreib- und Zeichenwettbewerb Un-endlich wertvoll!
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Autorin / Autor: von Christina, 19 Jahre