Mediale Frauenverachtung führt zu realer
Internationale Studie zeigt: Der Konsum sexistischer Medieninhalte verstärkt Frauenfeindlichkeit - bei Männern und Frauen
Ob Filme, Bücher, Songtexte oder Social Media-Posts - Medien stecken voller sexistischer Inhalte, und je häufiger Menschen damit konfrontiert werden, desto mehr wächst die Feindseligkeit gegenüber Frauen. Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich belegt. Unklar war aber bislang, dass Männer und Frauen ähnlich reagieren. Es sei denn, die Medieninhalte beinhalten explizite Gewalt gegenüber Frauen - dann zeigen insbesondere Männer negative Reaktionen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine umfassende internationale Studie unter Leitung der Universität Bern.
Trotz feministischer Kämpfe und gestiegenem Bewusstsein gegenüber Sexismus in den Medien, ist die Darstellung von Frauen in stereotyper, herablassender oder erniedrigender Art immer noch sehr präsent. Um nur einige Beispiele zu nennen: Musikvideos von misogynen Rappern, Werbung mit übersexualisierten Frauen, Videospiele, die Frauen zum Objekt machen. Die Liste ließe sich noch endlos fortführen.
In einer nun veröffentlichten Studie führte Dr. Christa Nater vom Institut für Psychologie an der Universität Bern mit einem internationalen Team eine Metaanalyse durch, um den Zusammenhang zwischen frauenverachtenden Medieninhalten und frauenfeindlichen Reaktionen systematisch zu untersuchen. Forschende aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und den USA sichteten systematisch wissenschaftliche Literatur aus rund 47 Jahren Forschung und schlossen 257 Studien mit insgesamt 132.933 Teilnehmenden ein.
Die Analyse umfasste ein breites Spektrum von Medien, darunter Filme, Fernsehen, Musik, Musikvideos, Videospiele, Bücher und andere Texte, Bilder, Werbung, Zeitschriften, Magazine, Pornografie sowie Inhalte aus sozialen Medien. Dadurch konnten die Forschenden zeigen, welche Art von misogynen Inhalten besonders problematisch ist. Die Ergebnisse der Metaanalyse wurden in der Fachzeitschrift Psychological Bulletin publiziert.
Besonders gravierende Folgen bei Männern und Jugendlichen
"Die Ergebnisse unserer Studie sind besonders aussagekräftig, da wir eine breite Palette an Reaktionen studieren konnten, von harmloseren stereotypen Einstellungen bis hin zu aggressivem Verhalten gegenüber Frauen", sagt Dr. Christa Nater, Erstautorin der Studie. Die Ergebnisse zeigen, dass frauenfeindliche Inhalte, die zudem auch gewalttätig sind, besonders bei Männern mehr Feindseligkeit gegenüber Frauen auslösen – bei Frauen eher nicht. Sind die Inhalte dagegen "nur" demütigend und pornografisch führt dies sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu mehr Frauenfeindlichkeit. Außerdem reagierten 10 bis 18 Jährige nach dem Konsum besonders stark feindselig gegenüber Frauen.
Besonders problematisch sei, dass infolge des Konsums sexistischer Medieninhalte Frauen ihre Menschlichkeit abgesprochen werde. Frauenkörper würden hauptsächlich als Objekt betrachtet und es käme zu mehr aggressivem Verhalten gegenüber Frauen, so Christa Nater. "Frauen werden sogar vermehrt als schuldig dafür angesehen, wenn sie Opfer einer Vergewaltigung waren."
Starke Botschaft an Medienproduzierende
Die Letztautorin der Studie, Prof. Dr. Angela Dorrough von der FernUniversität Hagen, sagt: "Unsere Metaanalyse liefert robuste Belege dafür, dass der Konsum misogyner Medieninhalte zuverlässig mit einer erhöhten Feindseligkeit gegenüber Frauen verbunden ist." Zudem sende die Studie eine starke und praxisrelevante Botschaft, wie Christa Nater betont: "Medienproduzierende können die Darstellung von Frauen in frauenfeindlicher, diskriminierender Weise reduzieren und dadurch
Feindseligkeit und Gewalt gegenüber Frauen verringern sowie deren laufende Bemühungen um die Gleichstellung der Geschlechter unterstützen."
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 24. März 2026