Kein Bock mehr auf Schule, Stress und Lernen?

Schon mal was vom FÖJ gehört? Paula erzählt euch von ihren Erfahrungen in einem Ökolandbau-Betrieb

Foto: Paula Nick

Das zweite Halbjahr in der Schule hat gerade begonnen, alles in vollem Gange. Für manche das letzte, bevor sie neue Wege einschlagen müssen, für andere eines, auf das noch einige weitere folgen werden. Für viele aber vielleicht auch einfach nur ein weiteres Jahr Quälerei. Man sitzt nur noch dort, weil man es eben muss oder einem einfach keine Alternative einfällt.
Denn wenn man mit der Schule aufhört, geht man entweder an die Uni oder man beginnt eine Ausbildung. So einfach ist das. Der ein oder andere geht vorher vielleicht erst noch reisen, macht ein Sabbat Jahr, aber dann muss es ja zwangsläufig eines von beidem sein und der ganze Lernstress geht von vorne los. Möglicherweise macht man nicht mal etwas, das einen wirklich interessiert, weil man gar nicht weiß, was man machen will; Hauptsache Irgendwas.

Muss das sein? Nein, wer hätte es gedacht: es gibt immer Alternativen! Meine Alternative war das FÖJ. Das Freiwillige Ökologische Jahr. Im Gegensatz zum FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) kennt das nur leider bisher kaum einer. Das FKJ (Freiwilliges Kulturelles Jahr) gibt es übrigens auch.
Aber wo ist der Unterschied zum FSJ? Das FSJ ist ja eher was für Menschen mit einer sozialen Ader. Einsatzstellen sind hier häufig Kindergärten, Grundschulen, Altenheime oder auch Krankenhäuser. Beim FÖJ sind die Stellen eher draußen, einige meiner Kolleg*innen waren in Tier- oder Wildparks, viele im Forstbereich, ich selbst in einem Landwirtschaftlichen Betrieb, wo Ökolandbau betrieben wird. Es gibt aber auch Stellen, die sich mit Umweltprojekten oder Umweltbildung beschäftigen und sehr viel mehr. Da ist für jeden was dabei!

Fakten zum FÖJ

Das FÖJ geht in der Regel ein Jahr lang, beginnend im August oder September, kann je nach Absprache oder Umständen aber auch abweichen. Die Arbeitszeiten variieren je nach Einsatzstelle, sollten sich aber immer an der 39 Stunden Woche orientieren.

Da es ein Freiwilligen Jahr ist, bekommt man zwar keinen festen Lohn, aber immerhin ein monatliches Taschengeld (Höhe variiert je nach Träger). Wer für das Jahr auszieht – einige Einsatzstellen stellen Wohnungen, viele FÖJler ziehen auch weiter von zu Hause weg - kann hier auch einen Mietzuschuss beantragen. Auch die Teilnahme an Seminaren und weiteren, Einsatzstellen übergreifenden Projekten ist kostenlos.

Vorraussetzungen die du mitbringen solltest variieren je nach Einsatzstelle, grundsätzlich kann ein FÖJ aber jeder machen, der die Vollzeitschulpflicht erfüllt hat und maximal 26 Jahre alt ist. Dein Schulabschluss ist völlig egal!

Foto: Paula Nick

Neues lernen, ohne lernen zu müssen

Aber warum jetzt ein FÖJ machen? Ich habe meines in RLP gemacht und ich hätte keine bessere Entscheidung treffen können! Ein Jahr lang Neues lernen, ohne lernen zu müssen, ohne Abgabetermine, kein Stress. Wenn Feierabend ist, ist Feierabend, der Rest des Tages gehört mir. Ich habe einmal richtig runterfahren und meinen Kopf ganz offen für andere Themen machen und meine Zeit für viel schönere Beschäftigungen nutzen können – was mir in der Schule sehr gefehlt hat.

Das FÖJ war für mich außerdem wie ein geführter Einstieg in die Arbeitswelt. Ich durfte viel Neues lernen, ganz ohne den Druck, dabei auf Prüfungen hinzuarbeiten und hatte im Hintergrund immer unglaublich tolle und bemühte Pädagog*innen und Teamer*innnen, auf die ich jederzeit zugehen und um Rat fragen konnte – ganz egal wie gravierend die Themen waren oder wie unlösbar sie zunächst erschienen. – Ein sehr großes DANKE an dieser Stelle.

Die Seminare (insgesamt 5, jeweils eine Woche lang, beim letzten waren wir Segeln auf der Ostsee, ein absolutes Highlight!) waren jedes Mal eine absolute Bereicherung. Es ging nicht nur um ökologische Themen oder Reflektion dessen, was in der Einsatzstelle so passiert (jeder erzählt so viel, wie er sich eben draufeinlassen möchte), sondern sehr viel auch darum, gemeinsam mit den anderen FÖJlern eine schöne Zeit zu verbringen. Ich glaube keiner von uns ist aus diesem Jahr rausgegangen ohne mindestens eine neue Freundschaft, die einem wirklich was bedeutet. Man findet einfach ein Umfeld, in dem man frei von Erfahrungen, Sorgen und Wünschen erzählen kann.

Ich habe mein FÖJ ursprünglich begonnen, weil es für mich eine sehr tolle Möglichkeit war, mir ein Jahr die Arbeit in der Landwirtschaft anzugucken, ohne mich ein Leben lang daran binden zu müssen (damals hatte ich das Gefühl, die Entscheidung für eine Berufsrichtung wäre für ein Leben und einmal getroffen unänderbar). Rückblickend weiß ich, dass ich dieses Jahr wirklich gebraucht habe. Nicht nur, weil ich danach sicher war, dass mein Herz tatsächlich an der Arbeit in der Landwirtschaft hängt, sondern auch, weil ich einfach mal durchatmen konnte. Ein Jahr Pause, in dem ich in mancherlei Hinsicht mehr gelernt habe als in dreizehn Jahren Schule.

Wenn du also auch gerade noch nicht weißt, wie es für dich weiter gehen soll und du vielleicht ein bisschen Zeit brauchst, um dir darüber klar zu werden, wenn du einfach mal ein Jahr nicht lernen willst, dich gerne mehr für die Umwelt einsetzen möchtest oder eine Möglichkeit suchst, dir einen (naturbezogenen/ökologischen) Beruf für längere Zeit anzugucken, dann können dir folgende Links vielleicht helfen, eine Einsatzstelle und/oder Ansprechpartner zu finden:

Was denkst du darüber?

Autorin / Autor: Paula - Stand: 11. März 2026