Zu viel Angst vor der Klimakrise?

Studie untersuchte, wie viel Angst vor dem Klimawandel uns zum Handeln motiviert, und was zu viel Furcht anrichtet

Hand aufs Herz: Wie oft denkt ihr noch an den Klimawandel? Und wie viele Sorgen macht ihr euch über die Zukunft? Was macht euch Angst? Und führt sie dazu, dass ihr euch klimafreundlich verhaltet? Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass wir eher bereit sind, Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels zu unterstützen, wenn wir Angst empfinden – aber wenn die Angst zu groß wird, ist das auch nicht mehr motivierend.

Die Studie der Anglia Ruskin University (ARU) in Cambridge, England, untersuchte, ob zufällige Gefühlszustände, also wie sich Menschen in einem bestimmten Moment fühlen, ihre Haltung zum Klimawandel, ihre Bereitschaft zu umweltfreundlichem Verhalten und ihre Unterstützung für Klima-Maßnahmen vorhersagen können. Das Forschungsteam untersuchte dafür 418 Teilnehmer:innen aus Großbritannien auf 10 Emotionen, darunter Angst, Wut, Traurigkeit, Schuldgefühle und Furcht.

Die Studie maß auch ihren Glauben an den Klimawandel und bewertete ihre Unterstützung für eine Reihe von Klimamaßnahmen, wie zum Beispiel Steuererhöhungen für Fluggesellschaften zum Ausgleich der CO2-Emissionen, mehr Investitionen in grüne Arbeitsplätze und Unternehmen sowie mehr Steuern auf fossile Brennstoffe.

Die Ergebnisse zeigten, dass Angstgefühle zwar mit einer größeren Unterstützung für diese klimapolitischen Maßnahmen verbunden waren. Hatten die Teilnehmer:innen jedoch große Furcht, führte das dazu, dass sie weniger einverstanden waren. Große Furcht definierten die Forschenden als eine "intensive, überwältigende Form der Angst", die mit einem Gefühl der Unausweichlichkeit einhergeht. Die Forscher:innen vermuten, dass dies dazu führen kann, dass sich Menschen machtlos fühlen und weniger daran glauben, dass politische Maßnahmen wirksam oder sinnvoll sind.

Dies steht im Einklang mit früheren Studien, die auf einen umgekehrten U-förmigen Zusammenhang zwischen der Intensität der Angst und Verhaltensänderungen hingewiesen haben: Ein überschaubares Maß an Angst mobilisiert, während zu wenig Angst nicht motiviert und zu viel Angst dazu führen kann, dass wir uns ganz zurückziehen.

Frauen unterstützen Klimapolitik häufiger

Die Studie ergab auch, dass der Glaube an den Klimawandel unter den Teilnehmer:innen bereits hoch war. Bei der Bewertung von vier Aussagen, darunter „Menschliche Aktivitäten verursachen den Klimawandel” und „Der Klimawandel ist ein globaler Notfall”, erreichten die Befragten durchschnittlich 339 von 400 Punkten, was auf eine breite öffentliche Akzeptanz hindeutet.

Die Untersuchung deckte jedoch geschlechtsspezifische Unterschiede auf: Frauen waren sowohl stärker vom Klimawandel überzeugt als auch eher bereit, Klimapolitik zu unterstützen als Männer.

Die Hauptautorin Dr. Sarah Gradidge, Dozentin für Psychologie an der Anglia Ruskin University (ARU), sagte: „Bislang haben sich viele Studien mit emotionalen Reaktionen auf den Klimawandel selbst befasst, beispielsweise mit Ökoangst. Unsere Studie ist die erste, die untersucht, ob die alltäglichen Emotionen der Menschen, unabhängig davon, ob sie über den Klimawandel nachdenken oder nicht, ihren Glauben an den Klimawandel und ihre Bereitschaft, Maßnahmen zu seiner Bekämpfung zu unterstützen, beeinflussen.

Obwohl es sich um die ähnlichsten der 10 von uns getesteten Emotionen handelt, zeigen unsere Ergebnisse einen klaren und wichtigen Unterschied zwischen Angst und Furcht. Das Gefühl der Angst scheint Menschen zu motivieren und ist mit einer größeren Unterstützung für Klimapolitik verbunden. Furcht hingegen, die als eine intensivere, überwältigende Form der Angst angesehen werden kann, ist mit einer geringeren Unterstützung für Klimapolitik verbunden.

Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Strategien, die die öffentliche Unterstützung für Klimapolitikmaßnahmen stärken wollen, davon profitieren können, wenn sie ein überschaubares Maß an Angst hervorrufen. Das motiviert Menschen, sich zu engagieren und Lösungen zu unterstützen. Wenn man zu weit geht, können sich die Menschen machtlos fühlen und sind daher weniger geneigt, die vorgeschlagenen Maßnahmen zu unterstützen.“

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology veröffentlicht.

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