Der Duft, der das Herz höher schlagen lässt
Studie: Unbewusst wahrgenommer Geruch des Partners/der Partnerin löst Stressreaktion aus
Normalerweise gehen wir davon aus, dass die Anwesenheit des geliebten Partners oder der Partnerin uns ein Gefühl der Geborgenheit gibt und Stress reduziert. Was aber passiert, wenn wir unbewusst ihren Geruch wahrnehmen? Wirkt das ebenso beruhigend oder passiert gar etwas vollkommen anderes? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein Forschungsteam um Prof. Dr. Markus Heinrichs, Dr. Franny B. Spengler und Dr. Johannes T. Doerflinger vom Institut für Psychologie der Universität Freiburg. Ihre Studie zeigt, dass der Körpergeruch der vertrauten Bezugsperson das subjektive Stressempfinden und die Herzfrequenz nicht nur beeinflussen, sondern sogar verstärken kann – abhängig davon, wie attraktiv der Geruch wahrgenommen wird.
Damit liefert die Studie den ersten systematischen Hinweis beim Menschen, dass der unbewusst wahrgenommene Geruch der Partnerin oder des Partners Stressreaktionen steigern können.
Stresstest mit Geruch der Partner*innen
In einer Laborstudie unter streng kontrollierten experimentellen Bedingungen setzten Forschende 179 Erwachsene (91 Frauen, 88 Männer) in festen, heterosexuellen Beziehungen einem standardisierten psychosozialen Stresstest aus. Während des Tests erhielten die Teilnehmenden über ein computergesteuertes Gerät, das Gerüche produziert (ein Olfaktometer) – entweder den natürlichen Körpergeruch ihrer jeweiligen Partner*innen oder einen neutralen Kontrollgeruch. Die Forschenden präsentierten die Düfte unterhalb der subjektiven Wahrnehmungsschwelle, sodass die Personen nicht bewusst erkennen konnten, welchen Geruch sie tatsächlich rochen.
Beim Partner*innengeruch berichteten sowohl Männer als auch Frauen von einem stärkeren Stressempfinden, insbesondere zu Beginn des Stresstests. Gleichzeitig stieg ihre Herzfrequenz deutlich an – ein typisches Zeichen erhöhter körperlicher Erregung. Dieser Effekt verstärkte sich durch die subjektive Wahrnehmung des Geruchs: Je attraktiver die Teilnehmenden den Duft ihrer Partnerin oder ihres Partners bewerteten, desto stärker stieg die Herzfrequenz. Beim Stresshormon Cortisol hingegen fanden die Forschenden keinen Unterschied zwischen Partner*innengeruch und Kontrollgeruch.
Fehldeutung oder wichtiges Signal zum Schutz?
Die Forschenden hatten zunächst erwartet, dass der Geruch stresspuffernd wirkt, genauso wie die physische Nähe bei Paaren. Stattdessen zeigen die Daten aber, dass der Geruch das Stressempfinden nicht verringert, sondern Nervosität und Aufregung sogar noch steigert. Der Geruch der Partner*innen ist also nicht gleichzusetzen mit deren Anwesenheit.
Das Ergebnis widerspricht der verbreiteten Annahme, dass auch der Geruch einer Partnerin oder eines Partners automatisch beruhigend wirkt. Die Forschenden sehen verschiedene Erklärungsmöglichkeiten für dieses Phänomen. „Wir wissen, dass sowohl Stress als auch sexuelle Erregung eine erhöhte Herzrate verursachen. Es könnte also durchaus sein, dass der Anstieg der Herzrate bei Präsentation des Partner*innengeruchs durch eine sexuelle Erregung hervorgerufen und von den Personen im Experiment als Stress fehlgedeutet wird“, erläutert Doerflinger, einer der beiden Erstautoren und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie der Universität Freiburg.
Erstautorin Spengler, ehemalige Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie der Universität Freiburg, hat noch eine andere Erklärung: „Evolutionär betrachtet könnte es durchaus sinnvoll sein, gerade dann stärker auf Stress zu reagieren, wenn mir ein unterbewusster Geruch die Anwesenheit meiner Partnerin oder meines Partners signalisiert. In potenziell bedrohlichen oder herausfordernden Situationen kann eine gesteigerte Herz‑Kreislauf-Reaktion helfen, Ressourcen zu mobilisieren – sei es um die Person zu schützen oder um ihr zu imponieren.“
Die Ergebnisse sind in der Nature-Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen.
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemiteilung - Stand: 12. Februar 2026