Das Waxman-Gutachten

Hat die amerikanische Regierung aus politischen und wirtschaftlichen Interessen wissenschaftliche Erkenntnisse unterdrückt?

Manipuliert die US-Regierung  die Wissenschaften?

Ein Paradebeispiel für solche Vorgehensweisen sind mal wieder die USA - zumindest wenn man dem Kongressabgeordneten Henry Waxman glauben schenken darf, der die amerikanische Regierung bezichtigte, aus politischen und wirtschaftlichen Interessen wissenschaftliche Erkenntnisse unterdrückt, zurechtgebogen oder verfälscht zu haben. Waxman hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die "Behandlung der Wissenschaft und der Wissenschaftler durch die Bush-Regierung" untersuchen sollte. In dem Gutachten wird der Bush-Regierung u.a. unterstellt, sie habe in einem Bericht zur Lage des Umweltschutzes alle Passagen zur Erderwärmung und zur möglichen Klimakatastrophe ersatzlos streichen lassen. Auch die sogenannte Abstinence.only Kampagne ist Gegenstand der Kritik in dem Gutachten. Die Kampage sollte eine staatliche Offensive in Sachen Sexualerziehung sein.
In die politische Linie von Bush passte echte Aufklärung aber nun recht wenig. Er war der Ansicht, Sexualerziehung sollte in erster Linie „Abstinence only“ (also Enthaltsamkeit) vermitteln, da nur diese wirklich vor ungewollter Schwangerschaft und ansteckenden Krankheiten schützen könne. Um der Kampagne mehr Nachdruck zu verleihen, wurden Anleitungen zur Benutzung von Kondomen von offiziellen Webseiten verbannt und dubiose Studien zitiert, die Kondomen diesbezüglich nur eine geringe Sicherheit bescheinigen. Der angebliche Erfolg der Abstinence-only-Kapmpagne soll dann ebenfalls von der Regierung frisiert worden sein. Jugendliche Schwangere mussten dann plötzlich auf der Seite des Nationalen Krebsinstituts – ebenfalls eine Regierungsorganisation - lesen, dass Abtreibungen Brustkrebs auslösen können – eine Behauptung, die weder Hand noch Fuß hat. Zu bedenken bleibt natürlich auch hier, dass auch das von Waxman in Auftrag gegebene Gutachten ein Gutachten ist, dass von bestimmten Interessen geleitet wurde: nämlich die amtierende Regierung zu diskreditieren. Immerhin wurde das Gutachten von Mitarbeitern der Opposition erstellt.

Wissenschaft ist nicht gleich Wissenschaft
Wem kann man also Glauben schenken, wenn alle sich gleichermaßen auf die "Wissenschaft" berufen? Gibt es die eine objektive Wahrheit oder und wenn ja, wer hat sie wirklich erkannt und wer täuscht dies nur vor? Zumindest gehört dazu, bei allen Meldungen über wissenschaftliche Erkenntnisse, Studien und Forschungsprojekte zu hinterfragen, wer hinter dieser Studie steckt und welche Interessen damit in Verbindung stehen könnten.
Am Ende bleibt nur festzuhalten, dass das Etikett "wissenschaftlich" nicht immer automatisch "wahr" bedeutet, und dass die Unterscheidung zwischen objektiver Wissenschaft und von Interessen geleiteter Wissenschaft eine Wissenschaft für sich ist ;-).

Autorin / Autor: Sabine Melchior - Stand: 2. September 2003