Alles Mathe, oder was?!

Wer "einen Bogen um Mathe macht", tut genau das Gegenteil. "Ausgerechnet" eine Germanistin hat untersucht, wie die Mathematik unseren alltäglichen Wortschatz bestimmt...

Ihr habt in der letzten Mathestunde nur einen Bruchteil verstanden und kommt bei der Notenvergabe irgendwie nie mit eurem Lehrer auf den gleichen Nenner? Da haben wir es ja schon!
Wer von euch bis jetzt dachte, sie könnte außerhalb der Schule einen großen Bogen um Mathe machen, die hat wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht!;-)
Und hier geht es nicht nur um die unvermeidlichen Zahlen, die in jedem Gespräch verwendet werden. Ohne es bewusst wahrzunehmen, benutzen wir in unserem alltäglichen Wortschatz mathematische Begriffe.

Mathematik ist also überall? Nicht für alle eine besonders prickelnde Vorstellung...
Auch die Grazer Germanistin Michaela Pölzl dachte eigentlich, dass sie nach ihrer Matura (dem österreichischen Abitur) und der Wahl des Studienfaches Germanistik nie wieder etwas mit Mathematik zu tun haben werde: "Und nun habe ich ein Jahr damit verbracht, ihren Spuren in unserer Sprache nachzuspüren." Nicht immer hatte sie es währenddessen besonders leicht. Schließlich ist das Klischee, dass Germanistik und Mathematik überhaupt nicht zusammen passen, immer noch sehr stark in den Köpfen der NaturwissenschaftlerInnen und TechnikerInnen verankert. All diesen Vorurteilen zum Trotz hat sie sich an die "heilige" Mathematik herangewagt und die daraus abgeleiteten Redewendungen in ihrer Masterarbeit "Mathematische WortSchätze" zusammengetragen. Dabei kam sie auf mehr als 200 Redewendungen.

Wir alle besitzen mathematische Grundkenntnisse

Ein Ergebnis: Gute Nachrichten für alle, die denken, sie hätten von Mathe so gar keine Ahnung! Ganz selbstverständlich schätzen wir etwas "Pi mal Daumen" oder erledigen Dinge in "Null-Komma-Nichts".
Die Germanistin Pölzl sagt: "Die Mathematik ist schon allein durch unsere Schulbildung Teil unserer Kultur und wir alle besitzen bis zu einem gewissen Grad mathematische Kenntnisse, die wir permanent im Alltag gebrauchen."

Auch die alltägliche Redewendung "einen Bogen um jemanden/etwas machen" steht ja bekanntermaßen dafür, "jemandem/etwas aus dem Weg zu gehen". Ihre Herkunft hat sie aber tatsächlich aus der Mathematik. Dort versteht man unter einem Bogen eine gekrümmte Linie (z.B. ein Kurvenstück).
Und die bereits erwähnte "Rechnungs"-Redewendung leitet sich von der Idee ab, den Betrag des verzechten Geldes im Wirtshaus selbst zu schätzen, anstatt den Wirt danach zu fragen. Dass dieser da lieber selber noch mal genau nachrechnet, scheint allerdings nahezuliegen.

Der "Zauber der Zahlen"

Warum es aber überhaupt zu einer "Mathematisierung" der Sprache gekommen ist, erklärt Prof. Dr. Wernfried Hofmeister, Betreuer von Pölzls Masterarbeit und gleichzeitig Leiter des Projekts "Deutsche WortSchätze" folgendermaßen: vieles hat "mit dem 'Zauber der Zahlen' begonnen", mit deren uralter "Symbol- und Bildkraft", die die Menschen schon früh beeindruckt hat. "Damit wurde die Welt (wie wir sie uns durch Sprache vermitteln) zugleich 'berechenbarer'". Der Umgang mit Zahlen bildet also scheinbar eine Sicherheit in einem ansonsten eher unvorhersehbaren Leben. Drei mal drei ist eben neun, daran kann selbst Pippi Langstrumpf nichts ändern...
Natürlich trifft diese augenscheinliche Logik, die die Zahlen durch ihre eindeutige Wertigkeit vermitteln, nicht automatisch auf die bildliche Sprache zu. Pölzl meint dazu: " Wenn ich jemanden als um 'sieben Ecken' mit mir verwandt bezeichne, ist das nicht wörtlich zu nehmen."

Vom "Dreikäsehoch" bis "Wolke sieben"

Die meisten mathematischen Formulierungen gibt es bei der Verwendung von Zahlwörtern. Viele Zahlen haben in unserer Kultur einen symbolischen Charakter. Angefangen beim "Dreikäsehoch" (Bedeutung: kleiner Junge) über die als Unglückszahl verschriene Zahl 13 bis hin zu den "tausend Toden" die man vor jeder Prüfung stirbt. Und wenn es doch ganz gut läuft, schweben wir schnell auf "Wolke sieben".
Der "Dreikäsehoch" hat seinen Ursprung übrigens darin, dass man - nicht ganz ernst gemeint - aufgestapelte Käselaibe als Größenmaß für Kinder benutzte.

In vielen Fällen lässt sich die Herkunft der mathematischen Redewendungen allerdings nicht mehr so genau nachvollziehen. Auch Pölzl war überrascht, dass einige der Ausdrücke über 800 Jahre alt sind, aber bis heute gerne benutzt werden, so zum Beispiel das "fünfte Rad am Wagen".

Das Projekt "Deutsche WortSchätze" beinhaltet übrigens nicht nur die "Mathematischen WortSchätze", sondern auch WortSchätze aus den Bereichen "Religion" ("da haben wir die Bescherung"), "Sport" ("k.o. sein"), "Wehrkultur" (jemanden "ins Visier nehmen"), "Ernährung" ("Milchbubi") und "Musik" ("mit Pauken und Trompeten"). Laut Prof. Dr. Hofmeister sind bereits weitere Bereiche in Arbeit, wie z.B. "Spielerische WortSchätze" ("kluger Schachzug", "Ass im Ärmel"), "Schriftbezogene WortSchätze" ("lügen wie gedruckt", "ein offenes Buch sein") und auch Redewendungen, die  aus der EDV stammen ("die eigene Festplatte (= das Gedächtnis) löschen").

Hier geht´s weiter

Mehr über die "Mathematischen WortSchätze" findet ihr hier

In Null Komma Nichts gibt´s mehr dazu auf LizzyNet

Autorin / Autor: Sarah M., - Stand: 12. Mai 2010
 
 

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