Starke Mädchen, starke Schule

LizzyNet-Reporterin Principessa schreibt über ihre ehemalige Schule, die „Erzbischöfliche Schule Marienberg. Gymnasium für Mädchen“. Alles andere als ein Nonnenbunker!

Warum Mädchenschulen mehr als nur Zickenterror bieten

An diesem kalten Februarmorgen stehe ich vor meiner Schule – oder vielmehr: meiner ehemaligen Schule, denn im vergangenen Sommer habe ich hier mein Abi gemacht. Ein wenig wehmütig werde ich schon, als ich das Schild lese, das da rechts von der Schultüre an der dunklen Steinwand hängt: „Erzbischöfliche Schule Marienberg. Gymnasium für Mädchen“.

Alles Tussen und Zicken im Nonnenbunker?!

Wehmut? Wer hätte das vor zehn Jahren gedacht?! Damals ging ich in die vierte Klasse, hatte ein vorzeigbares Zeugnis und so stand dem Wechsel zum Gymnasium nichts im Wege. Nur welches sollte es sein? Eigentlich hatte ich eine ganz andere Schule im Visier gehabt - Marienberg stand überhaupt nicht zur Diskussion. Die katholische Mädchenschule in der Innenstadt galt zwar als Eliteschule und hatte einen sehr guten Ruf – wenn auch nicht gerade auf dem Schulhof meiner Grundschule. „Nonnenbunker“ hieß die Klosterschule bei uns. Und die Jungs aus meiner Klasse mussten ja wissen, wovon sie sprachen, wenn sie versicherten: „Alles Tussen und Zicken da. Und lesbisch sind die sowieso.“

Klischees und Vorurteile zerbrachen an der Schultüre

Im November hatte das Gymnasium seinen Tag der offenen Tür, zu dem mich meine Eltern damals nur unter Androhung von Gewalt schleppen konnten. Dennoch scheint mich dieses Ereignis nachhaltig beeindruckt zu haben: Die Marienberg-Mädels präsentierten sich vollkommen unkompliziert und bodenständig. Und was den Vorwurf anbelangt, die Schülerinnen der Mädchenschule seien dem anderen Geschlecht nicht zugetan: Da spricht die Anzahl der jungen Herren, die sich schon Minuten vor dem Klingeln an der Schultüre tummeln, um ihre Freundinnen nach Schulschluss in Empfang zu nehmen, ohnehin für sich…

Kurzum: Die mir auf dem heimischen Schulhof eingeimpften und von mir fleißig weiterverbreiteten Klischees und Vorurteile ließen sich beim besten Willen nicht aufrechterhalten. Widerwillig musste ich mir eingestehen, dass mich das mir gebotene Spektakel schon ziemlich beeindruckte: Die große Sporthalle, in der gerade Mädchen der höheren Klassen ein Fußballspiel austrugen, die lichtdurchfluteten Kunsträume, der Schnupperunterricht in Englisch und Latein, Schulchor und Schulorchester, die zur Feier des Tages ihr Können präsentierten, die Freundlichkeit der Lehrer und Schülerinnen, der offensichtlich lockere und respektvolle Umgang innerhalb der Schulgemeinde…

Am Ende des Tages drängte ich meine Eltern, mich sofort anzumelden und musste mühsam überredet werden, mir doch erst noch die anderen Schulen anzuschauen. Sieben anderen Mädchen aus meiner Grundschule erging es ähnlich und so traten wir neun Monate später gemeinsam unseren ersten Schultag am Gymnasium Marienberg an. An diesem Morgen hatte ich vor Aufregung Mühe, mich auf den Beinen und mein Frühstück bei mir zu behalten… Dennoch ahnte ich bereits: Eine tolle Zeit würde beginnen.

Nostalgische Verklärung?

Aber ob ich da im Nachhinein nicht zu viel der nostalgischen Verklärung hineinbringe? Kann ich fast ein Jahr nach dem Ende meiner Schulzeit überhaupt noch einen objektiven, unverfälschten Blick auf die Schule richten, in der ich neun Jahre lang Freundschaften geschlossen, Unsinn im Unterricht gemacht, Streiche ausgeheckt und mit meinen Freundinnen eine tolle Zeit gehabt habe? Den Vorwurf der Subjektivität möchte ich mir natürlich auf keinen Fall gefallen lassen… also frage ich diejenigen, die sich immer noch Tag für Tag durch Hausaufgaben, Tests und Klassenarbeiten, Referate und Stundenwiederholungen, gelegentlichen Zickenterror und ebenso gelegentlichen Zoff mit den Lehrern sowie natürlich den allseits beliebten Hofdienst (der neben den „Toilettenpatenschaften“ wohl eine besondere Blüte des Schulalltags darstellt) quälen müssen… kurz: all die Mädels, die auch jetzt noch dort die Schulbank drücken, wo ich letztes Jahr meinen ruhmreichen Abgang wagte.

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Autorin / Autor: principessa - Stand: 26. Februar 2009
 
 
 

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