Der Schlammschlecker Adrién

Teetrinker aufgepasst!

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Auch in Ambigua müssen die Leute trinken – allerdings sollte man vorsichtig sein, denn in Tassen, Gläsern und Bechern können sich Schlammschlecker verstecken. Diese kleinen Wesen leben dort. Sie können lange Zeit flach und unsichtbar an der Tassenwand kleben, doch sobald sie mit Flüssigkeit in Berührung kommen, saugen sie sich damit voll, und nehmen so auch die Farbe dieser Flüssigkeit an.
Wenn man im Schlammschleckergebiet lebt, das ursprünglich nur Olausia war, sich jetzt aber auf fast ganz Ambigua ausgebreitet hat, sollte man sich in Acht nehmen, denn obwohl sie klein sind, haben sie kräftige – und vor allem auch große – Kiefer, die sie in alles versenken, was ihnen zu nahe kommt. Also ist Vorsicht vor ihnen geboten – denn wenn die eigene Nasenspitze im Tee schwimmt, schmeckt auch der beste Tee nicht mehr so gut.
Warum sie Schlammschlecker heißen, ist nicht genau geklärt, allerdings wird vermutet, dass sich ihr Name vom Wort „szlam“ der alten Sprache ableitet, was soviel wie „Speichel“ heißt.
Eine Erklärung dafür ist, dass sie die Tasse als ihr Revier betrachten und nichts so sehr verabscheuen, als wenn eine andere Flüssigkeit, als die von ihnen gerade aufgesaugte, in ihre Tasse kommt. Sollte deshalb doch einmal Speichel hinein gelangen, saugen sie ihn auf, und spucken ihn in hohem Bogen über den Tassenrand. Haben sie den Speichel einmal geschmeckt, sehen von da an dieses Lebewesen als ihren persönlichen Feind an, und vergessen es nie wieder. (Diese Tasse, in der der betreffende Schlammschlecker lebt, sollte man dann nicht mehr in die Hand nehmen, wenn man in Besitz seiner Finger bleiben will.)

Wer bekommt die beste Tasse?
Über ihr Leben in der Tasse im Schrank ohne die Gegenwart von anderen Lebewesen wusste man lange Zeit nichts, doch neueste Berichte erzählen von einem ausgeprägten Sozialverhalten, und einer strengen Rangordnung. Der oberste Schlammschlecker bekommt die größte Tasse. Deshalb werden immer wieder Kämpfe veranstaltet, wer die beste Tasse bekommt – wenn man also in der Nacht seine Tassen scheppern hört, dann ist das kein Erdbeben, sondern der Kampf von kleinen, 7 Zentimeter großen Wesen.

Mit viel Geduld kann man einen Schlammschlecker zähmen. Dies kann über Jahre hin dauern, und selten hat man wirklich Erfolg. Dennoch lohnt sich der Aufwand. Wenn es gelungen ist, einen Schlammschlecker zu zähmen, dann bleibt er „seinem“ Besitzer sein Leben lang treu – und das ist lang.
Schlammschlecker eignen sich hervorragend als Spione. Sie können sich unsichtbar an einen Gegenstand oder an ein Lebewesen kleben und haben ein sehr gutes Gedächtnis, das ursprünglich dazu diente, ihre persönlichen Feinde nicht zu vergessen.
Allerdings muss man, um sie zu verstehen, die Schlammschleckersprache beherrschen, die nur aus Klick-, Zisch-, und Schmatzlauten besteht.

Blutsauger
Wo genau sie herkommen, und wo sie lebten, bevor es Tassen und Becher gab, ist nicht sicher, aber man geht davon aus, dass sie in Pfützen lebten, und alles und jeden angriffen, der sich ihnen näherte.
Dieses Revierverhalten dient ihnen auch zur Ernährung, denn sie trinken Blut. In dieser Hinsicht sind sie allerdings wählerisch. Sie mögen nur grünes und schwarzes Blut, was sie aber nicht davon abhält auch alle andere anzugreifen. Vor allem, da sie farbenblind sind, und eigentlich nicht sehen können, welche Farbe das Blut hat. Es wird aber davon ausgegangen, dass sie sich auf ihren Geruchssinn verlassen.

Insgesamt sind Schlammschlecker unsterblich. Um sie zu töten, gibt es nur eine Möglichkeit:
Man muss ihnen eine Lösung aus C12H22O11 und  CO3 COOH (Zucker und Essigsäure) in ihre Tasse schütten, wenn sie sie dann in sich aufnehmen, zerplatzen sie – die Sauerei, die dabei entsteht, ist ein anderes Thema.

Wie gesagt – Schlammschlecker sind klein, durchsichtig, und haben – im Verhältnis zur Körpergröße – riesige Kiefer, die sie immens weit aufklappen können. Sie haben große, runde Augen, die meist treuherzig blicken, und sind das, was man normalerweise als „süß“ bezeichnen würde. Allerdings nur solange man sie und ihre Gewohnheiten nicht kennt!

Der gezähmte Schlammschlecker Adrién
Einer der wenigen gezähmten Schlammschlecker ist Adrién. Noch recht jung – jedenfalls für seine Rasse – ist er voller Übermut, und hat nur Unsinn im Kopf. Allerdings verteidigt er seine Tasse schon recht drastisch. Nicht wenige Nasen – oder auch Rüssel – hat er abgezwickt, und auch einige Finger.
So hat er nicht wenige persönliche Feind, für die es nicht gut wäre, ihn auf seinen Spionagereisen zu treffen.
Adrién ist ein guter Spion, auch wenn er manchmal einige Dinge durcheinander bringt. Seinem Herren allerdings ist er treu ergeben.
Wer sein Herr ist, hält er geheim, nur er weiß davon.
Gegenüber seinen Artgenossen ist er charmant und gutmütig, aber er kann auch ein richtiger Dickkopf sein, und er ist ein Meister des Verstellens obendrein. Weil er süß aussieht, wickelt er alle schnell um den Finger – sowohl weibliche Schlammschlecker als auch Lebewesen, die nicht wissen, was ein Schlammschlecker ist, was für ihn sehr von Vorteil ist.
Ob er sich jedoch für die gute oder die schlechte Seite entscheidet, auf welcher Seite sein Herr steht, und ob er sich für seine Überzeugung gegen seinen Herrn stellen muss, wird nicht verraten.

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Autorin / Autor: kalypso